Begegnung in der Sporthalle

Schulleiter Michael Loske (4. von links), Kunstlehrerin Wiebke Schwarzrock-Pittalis (rechts) und Schüler des Sport-Leistungskurses überreichten dem Kultusminister Grant Hendrik Tonne (3. von links) ein T-Shirt mit dem Motto ihres Projekts „Kulturelles Lernen verbindet“. Mit dabei waren auch die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch (von links) und Bürgermeister Armin Pollehn sowie der FDP-Bundestagsabgeordnete Grigorios Aggelidis (2. von rechts). (Foto: Susanne Veenhuis)
 
Kultusminister Grant Hendrik Tonne lässt sich von den Schülerinnen des Informatik-Kurses erklären, wie sie die von den Schülern der Förderschule angefertigten Handpuppen mit kleinen Robotern in Bewegung gebracht haben. (Foto: Susanne Veenhuis)

Kultusminister Grant Hendrik Tonne informiert sich am Gymnasium Burgdorf über das Inklusionsprojekt mit der Celler Paul-Klee-Förderschule

BURGDORF (sv). Die Mädchen und Jungen in der Sporthalle des Burgdorfer Gymnasiums strengen sich sichtlich an – und lachen auch sehr viel dabei. Die älteren Schüler, die sie anleiten, geben behutsam Hilfestellung, denn einigen der Jüngeren fallen die Übungen wegen körperlicher und geistiger Handicaps nicht leicht. Dennoch bewältigen alle entsprechend ihren persönlichen Möglichkeiten mit großem Vergnügen den Parcours.
Die Aktion ist Teil des Inklusionsprojektes "Demokratie – Teilhabe durch kulturelle Bildung und individuelle Lernförderung", bei dem das Gymnasium Burgdorf seit dem vergangenen Jahr mit der Paul-Klee-Förderschule in Celle zusammenarbeitet. Diesmal laufen auch viele Leute in offizieller Kleidung und mit Straßenschuhen zwischen den großen und kleinen Sportlern herum: Kultusminister Grant Hendrik Tonne und viele Politikerkollegen sind der Einladung gefolgt, sich über diese besondere Zusammenarbeit der beiden Schulen zu informieren. 
Und die Besucher erwartet ein pralles Programm: Den Spiel- und Spaß-Parcours mit dem Titel "Abenteuer-Reise" haben die Schüler des Leistungskurses Sport aus dem zwölften Jahrgang des Gymnasiumsfür die Schüler Förderschüler aus Celle erarbeitet und in der Burgdorfer Sporthalle aufgebaut haben. So betreuen beispielsweise die Gymnasiasten Simon Ahlvers, Nicolas Herrmann und Justin Schultz das „Floß“, eine runde Plattform auf Rädern, die sich mit Hilfe eines Gummistabs leichtgängig über den Turnhallenboden bewegen lässt: Zwei Kinder passen darauf. Eins hat die Aufgabe, zu „rudern“, während das andere Fisch-Schuppen aus buntem Papier aufsammelt. Die werden später an einem großen Fisch an der Wand angebracht, der so ein buntes Schuppenkleid erhält.
Neben dem Sportprojekt wird in der Eingangshalle eine Kunstausstellung zum Thema Bauhaus präsentiert, an der die Schüler beider Schulen unter der Leitung von Kunstlehrerin Wiebke Schwarzrock-Pittalis gemeinsam gearbeitet haben. Dazu gehören auch Kostüme für Figuren des Triadischen Balletts nach Oskar Schlemmer.
Ein echtes Gemeinschaftswerk sind auch die phantasievollen Handpuppen, die über den Boden tanzen: Schüler der Celler Förderschule haben sie mit viel Liebe und Kreativität nach dem Vorbild des Schulnamensgebers Paul Klee gefertigt. Die Gymnasiastinnen Sara Garg, Lara Buchholz, Floriane Mehmert, Naemi Kalata und Katharina Arkenau aus dem Informatik-Kurs haben sie anschließend mit kleinen Roboter-Untersätzen versehen und dafür selbst Programm geschrieben, sodass die Handpuppen jetzt dank Farb- und Echolot-Sensoren sicher aneinander vorbei oder genau auf einer markierten Linie entlang rollen können.
„Unsere Schüler können im sprachlichen oder naturwissenschaftlichen Bereich kaum mithalten. Aber durch Kunst, Kultur und Sport erleben sie Wahrnehmung, Teilhabe und Anerkennung“, sagte Uwe Kirchner, Leiter der Paul-Klee-Schule. Dies sei außerordentlich wichtig für deren Persönlichkeitsentwicklung: „Sie erleben sich als kreative, Kultur schaffende Menschen!“
Bei einer Fortbildung im künstlerischen Bereich hatten er und sein Kollege Michael Loske, Leiter des Burgdorfer Gymnasiums, die möglichen Vorteile einer Zusammenarbeit für alle Schüler beider Schulen festgestellt. „Wir waren auf der Suche nach weiteren Fähigkeiten, die wir unseren Schülern zum Abschluss mit auf ihren Lebensweg geben wollen, erklärte Loske. Da sei die Heterogenität im ganz individuellen Umgang mit den Schülern der Förderschule das passende Instrument zur Förderung von Empathie und sozialem Engagement, ergänzte Schwarzrock-Pittalis. Einige der Schüler könnten sich durchaus vorstellen, den Beruf des Förderschul-Lehrers zu ergreifen.
Weitere geplante Projekte sind unter anderem Sportaktionen mit Hannover 96 und den Recken, das Bemalen von Garagen und Stromkästen mit Graffiti – ganz offiziell und mit Erlaubnis – sowie eine einwöchige Reise zum Zentrum Paul Klee in Bern. Außerdem soll es einen Dokumentarfilm über das Projekt geben. Auch den Ministerbesuch hielten Nico Baars und Felix Köbe aus dem zwölften Jahrgang filmisch fest.
Diese Dokumentation und auch die Aktionen und die daraus resultierenden Erfahrungen sollen auf einer Internetseite veröffentlicht werden, so dass auch andere Schulen mit ähnlichen Interessen sich dort informieren und Tipps abrufen können.
„Ich bin sehr beeindruckt von dem, was Sie hier leisten“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne.