Bauunternehmen tauscht Boden aus

Ingenieur Thomas Kölsch (rechts) von der Deutschen Reihenhaus AG erläutert das geplante Vorgehen. Bei der Infoveranstaltung hatte er noch weitere Fachleute der beteiligten Firmen an seiner Seite.
 
Auch Bürgermeister Armin Pollehn (vorne, von rechts), Stadtplaner Andreas Fischer und seine Kollegin Imke Herbst haben an dem Infoabend teilgenommen.

Die Deutsche Reihenhaus AG will am Duderstädter Weg 38 Reihenhäuser bauen / Von Januar bis Juli entfernt sie zunächst die giftigen Altlasten

BURGDORF (fh). Trotz aller Widrigkeiten hält der Kölner Baukonzern Deutsche Reihenhaus AG an seinem Plan fest, auf der etwa 10.000 Quadratmeter großen Freifläche am Duderstädter Weg zu bauen. Bevor das Unternehmen dort die 38 Reihenhäuser errichten kann, muss es aber zunächst die Altlasten beseitigen, die sich dort im Boden befinden. Denn auf dem Gelände war früher eine Sandgrube, in der zwischen 1960 und 1965 unter anderem Bauschutt, Hausmüll, alte Reifen und weitere Abfälle entsorgt wurden.
Für die Sanierung veranschlagt die Deutsche Reihenhaus insgesamt 4,65 Euro. Die Hälfte davon übernehmen Land und Region, die andere Hälfte trägt das das Unternehmen selbst. Die Beseitigung der Altlasten geht voraussichtlich von Januar bis Juli 2020 vonstatten. Danach beginnt dann der Bau und bereits Mitte 2021 sollen die Reihenhäuser bezugsfertig sein. Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Burgdorfer Schloss haben der Ingenieur Thomas Kölsch von der Deutschen Reihenhaus und weitere Unternehmensvertreter nun das geplante Vorgehen im Detail erläutert. Etwa 60 interessierte Anwohner haben zugehört und Fragen gestellt.
Nach Darstellung des Unternehmens soll innerhalb von rund sieben Monaten nach und nach der gesamte Bereich bis zur Deponiebasis ausgehoben und fachgerecht entsorgt. Somit müssen etwa 33.000 Kubikmeter Material mit einem Gesamtgewicht von 60.000 Tonnen abtransportiert werden. Um die Grube wieder aufzufüllen, wird das gleiche Volumen an sauberem Boden angeliefert. Dafür werden von Januar bis Juli rund 2400 Lastwagen das Gelände am Duderstädter Weg ansteuern - im schlechtesten Fall könnten es auch noch deutlich mehr werden.
Im Auftrag der Deutschen Reihenhaus hat das Ingenieursbüro Mull & Partner bereits mehr als 100 Bohrungen auf dem Gelände vorgenommen. "Wir haben die Deponie wie einen Schweizer Käse durchlöchert und wissen jetzt ganz genau, was uns erwartet", betont Kölsch. Demnach reiche die Deponie durchschnittlich 4,28 Meter tief, an einigen Stellen seien es bis zu 6,60 Meter. Sie bestehe zu 84 Prozent aus gefährlichen Abfällen. Dabei wurde unter anderem alte Dachpappe gefunden, die giftige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthält. Im nördlichen Teil sind außerdem krebserregende leichtflüchtige haloginierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) in der Bodenluft gemessen worden.
Dort soll die Altlastensanierung im Januar deshalb beginnen. "Bei Kälte ist die Staubentwicklung deutlich geringer als im Sommer, wenn es warm und trocken ist", begründet Aglaia Nagel. Somit sei die Belastung für die Anwohner geringer. Auch von den umfangreichen Voruntersuchungen sollen die Nachbarn profitieren. "Weil wir den Boden schon genau unter die Lupe genommen haben, kann der Aushub nun direkt abtransportiert werden und muss nicht wie sonst üblich zwei bis drei Wochen für weitergehende Analysen liegen bleiben", erläutert Nagel. Um sicher zu gehen, dass die Anwohner während der Sanierung auch tatsächlich keine Schadstoffe einatmen, sind außerdem regelmäßige Luftmessungen geplant.
Ursprünglich wollte die Deutsche Reihenhaus das Grundstück nur an der Oberfläche sanieren. "Diese Pläne haben wir über den Haufen geworfen", stellte Thomas Kölsch fest. Vor allem weil es dagegen massive Proteste der Anwohner gegeben habe. " Stattdessen werden wir die alte Deponie nun komplett entfernen. Die Quelle der Belastungen ist dann raus", betont Kölsch. Im darunterliegende Sand und im Grundwasser seien Schadstoffe nur in Spuren nachweisbar. "Das sind ganz geringe Mengen, die wir vernachlässigen können", sagt der Ingenieur.
Obwohl die Schadstoffe schon seit Jahrzehnten im Boden sind, sei es in all der Zeit zu keinen Beeinträchtigungen des Grundwassers gekommen. Kölsch erklärt das so: "Die Schadstoffe, um die es geht, sind überwiegend nicht mobil. Sie wandern nicht in den darunterliegenden Boden oder ins Grundwasser." Das hänge auch damit zusammen, dass es sich größtenteils um schlecht lösliche Feststoffe handele und nicht etwa um Flüssigkeiten. Vorsorglich untersagt die Region aber trotzdem zunächst einmal, das Grundwasser zu nutzen und beispielsweise Hausbrunnen zu bauen.
Und so geht es jetzt weiter: Bereits in dieser Woche beginnt die Beweissicherung, bei der die Straßen und die Häuser von außen in Augenschein genommen werden. Ab dem 6. Januar sollen die Häuser bei Einzelterminen mit den Anwohnern dann auch innen untersucht werden. So ist später nachvollziehbar, welche Schäden gegebenenfalls durch die Baustelle verursacht werden. "Wir haben uns aber für Verfahren entschieden, die kaum Erschütterungen verursachen, sodass wir keine großen Auswirkungen auf die Nachbarhäuser erwarten. Wir würden uns sonst ja selbst ins Knie schießen", kündigt Kölsch an. Anders sehe es bei der Straße aus, die durch den massiven Lastwagenverkehr sicher in Mitleidenschaft gezogen werden. "Ich muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass wir da bestimmt zur Kasse gebeten werden", so Kölsch.