Bass-Solo auf dem Akkordeon

Die Musiker des Hohner-Rings proben für die Märzmusik.
 
Nicolae Gutu dirigiert das Orchester.

Der neue Dirigent Nicolae Gutu hat für die Märzmusik des Hohner-Rings auch drei Jazz-Stücke ins Programm aufgenommen / Konzert am 15. März im Stadthaus

BURGDORF (fh). Abwechslungsreich ist die Märzmusik des Akkordeon-Orchesters Hohner-Ring auch in den vergangenen Jahrzehnten immer gewesen - doch jetzt haben die rund 20 Musiker ihr Repertoire noch einmal erweitert und verleihen ihrem Frühjahrskonzert am Sonntag, 15. März, eine ganz besondere Note. Zusätzlich zu Klassik, Pop, Rock und Volksmusik werden sie erstmals auch drei Swing- und Jazz-Stücke spielen. Das ist die Handschrift ihres neuen Dirigenten Nicolae Gutu, der diese Aufgabe erst im Oktober übernommen hat.
Nachdem Angelika Nikolai das Orchester mehr als 30 Jahre lang geleitet hat, gab es nun innerhalb von zwei Jahren schon den zweiten Wechsel: Ihr Nachfolger Nemanja Lukic, dem sie den Taktstock im Juni 2018 übergeben hatte, ist im Herbst für ein Dirigenten-Studium nach Frankfurt gezogen. "Er hat uns aber noch den Kontakt zu Nicolae Gutu vermittelt und wir haben schnell gemerkt, dass die Chemie stimmt", sagt die Cordula Pütz vom Hohner-Ring.
Der 27-Jährige ist in Moldawien aufgewachsen und 2012 fürs Musikstudium nach Deutschland gekommen - zuerst nach Weimar, dann nach Hannover. Seine Leidenschaft fürs Akkordeon hatte er schon früh entdeckt. "Mein Opa hatte eines in seinem Zimmer. Wenn ich bei ihm zu Besuch war, habe ich immer gebettelt, dass ich es mir angucken darf", erinnert er sich. Und irgendwann habe er auch ein bisschen darauf spielen dürfen.
Mit acht Jahren meldete er sich dann bei einer Musikschule an und lernte dort Akkordeon und Klavier. "Ich habe beides gemocht, aber das Akkordeon hat mich noch mehr fasziniert, weil es ein viel größeres Klangspektrum hat und einem mehr Möglichkeiten eröffnet", schwärmt er. Und so wollte er sich auch im Studium vor allem diesem Instrument widmen. "In Moldawien wäre das zwar auch möglich gewesen, aber nur mit dem Schwerpunkt Volksmusik", sagt Gutu. Deshalb habe er sich entschieden, nach Deutschland zu kommen.
Und hier hat er sich nach und nach eine echte Nische erobert: Denn zusätzlich zu klassischen Stücken spielt er vor allem auch Jazz. "Das ist eine Seltenheit. Es gibt nur wenige Akkordeonisten in diesem Bereich", so der 27-Jährige. Weil es gar nicht so einfach ist, an passende Noten zu kommen, arrangiert Gutu viele Stücke selbst und komponiert sogar eigene Werke für Akkordeon.
Einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen die Zuhörer auch bei der März-Musik. So hat Gutu für eines der Stücke ein Bass-Solo geschrieben: "Im Jazz gehört das einfach dazu. Da hat der Kontrabass immer ein Solo." Beim Akkordeon sei das eher ungewöhnlich. Cordula Pütz stimmt zu: "Wir entdecken Tonlagen, die wir vorher so noch nicht kannten", sagt sie mit einem Schmunzeln.
Aber auch langjährige Fans des Hohner-Rings werden auf ihre Kosten kommen: So wird das Frühjahrskonzert auch diesmal wieder ein breites Spektrum abdecken. Auf dem Programm stehen beispielsweise "Die schöne und das Biest" und ein Tango. Damit beim Frühjahrskonzert alles reibungslos klappt, bereiten sich die Musiker im Moment intensiv vor: bei den wöchentlichen Hauptproben, bei zusätzlichen Stimmproben und beim traditionellen Probenwochenende in Hustedt.
Und während sie sonst nach der Märzmusik erst einmal durchatmen können, geht es diesmal fast nahtlos weiter. Denn im Herbst will Gutu mit dem Hohner-Ring sein Abschlussprojekt für sein Masterstudium aufführen - ein Experiment, auf das sich Dirigent und Orchester gemeinsam einlassen. Es gehöre zum Konzept, die Stücke nicht von Musikstudenten spielen zu lassen, sondern von einem Laien-Ensemble. "Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis", sagt Gutu und ergänzt: "Es geht mir nicht darum, eine möglichst gute Note zu bekommen, sondern etwas Neues auszuprobieren und dabei auch Spaß zu haben."
Und genau so haben ihn die Musiker des Hohner-Rings bisher auch erlebt. Er habe zwar hohe Ansprüche und Ehrgeiz, aber eben auch Humor. Das habe er vor allem auch beim Probenwochenende bewiesen. "Da haben wir nicht nur gut zusammen gespielt, sondern auch viel zusammen gelacht", sagt Pütz und ergänzt: "Zum Glück kann Nicolae auch mal einen blöden Spruch vertragen und auch damit umgehen, wenn die Luft einfach raus ist."
Die Märzmusik beginnt am Sonntag, 15. März, um 16 Uhr im Stadthaus, Sorgenser Straße 31. Die Karten sind im Vorverkauf für 9 Euro erhältlich in der Weinhandlung Nietmann, Bahnhofstraße 5b in Lehrte, im Gewürzladen, Hannoversche Neustadt 27a, in Burgdor sowie per E-Mail an info@hohner-ring.de. An der Tageskasse kostet der Eintritt 10 Euro.