Barrierefreiheit mit Hindernissen

Haben sich in ihrer barrierefreien Wohnung gut eingelebt: René Grüttner (von links) und Jürgen Braun. (Foto: Lebenshilfe)

René Grüttner und Jürgen Braun haben nach langer Suche jetzt eine Wohnung in der Stadt-Wohngruppe der Lebenshilfe bezogen

BURGDORF (r/fh). Die inklusive Stadt-Wohngruppe in der Burgdorfer Norstadt ist jetzt vollständig. Vor wenigen Monaten hat die Lebenshilfe Peine-Burgdorf dafür die sechste und damit letzte Wohnung angemietet. Dort sind René Grüttner und Jürgen Braun eingezogen. Sie hatten zuvor in der Wohnstätte Ortbruch der Lebenshilfe Peine-Burgdorf gewohnt und waren schon seit März 2015 auf der Suche nach einer Wohnung.
Doch das habe sich schwierig gestaltet. Weil Grüttner im Rollstuhl sitzt, sind die beiden auf eine barrierefreie und zudem bezahlbare Wohnung angewiesen. "Die lange Suche zeigt, dass barrierefreier Wohnraum fehlt oder schlichtweg unbezahlbar ist", sagt Ulrike Treptow von der Lebenshilfe. Letztlich habe die Wohnungsgenossenschaft Südheide eine Erdgeschosswohnung bereit gestellt, die mit Mitteln der Region Hannover komplett umgebaut wurde.
Nach den ersten Wochen in der neuen Wohnung schwärmt Jürgen Braun jetzt: „Für mich hat sich mit der neuen Wohnung ein Traum erfüllt." Dabei sei der Umzug für ihn zunächst eine Herausforderung gewesen. „Es war schwer, denn es war eine große Veränderung. In der Wohnstätte Ortbruch habe ich mich sehr geborgen gefühlt", gibt Braun zu. Doch der Wunsch nach größerer Selbständigkeit sei letztlich stärker gewesen. "Ich bin stolz, diesen Schritt getan zu haben – trotz der Bedenken anderer. Ich komme mittlerweile hier sehr gut zurecht“, resümiert Braun.
Die Lebenshilfe Peine-Burgdorf hatte die Burgdorfer Stadt-Wohngruppe vor rund vier Jahren auf den Weg gebracht. Sie soll das Angebot an stationären Einrichtungen und ambulantem Betreuten Wohnen ergänzen. Insgesamt besteht das inklusive Wohnprojekt aus sechs Dreizimmerwohnungen, in denen zwölf Menschen mit Behinderung jeweils in Zweier-Wohngruppen (WGs) zusammenleben.
Das Besondere: Die Wohnungen sind verteilt über die Burgdorfer Nordstadt in Mietshäusern einzeln angemietet. So bleiben die Menschen mit Behinderungen nicht unter sich, sondern leben in Hausgemeinschaften mit Menschen ohne Behinderung zusammen. An der Straße Vor dem Celler Tor gibt es einen Wohntreff, der mit einer Küche und einem Gemeinschaftsraum ausgestattet ist. Dort gibt es für die Bewohner Freizeitangebote und regelmäßige Gesprächskreise.