Avraham Primor: „Frieden lernen ist möglich!“

Avi Primor sprach auf einer Gedenkveranstaltung zum „9. November“ in der Burgdorfer St.-Pankratiuskirche. (Foto: Georg Bosse)

Wichtige Stimme im deutsch-israelischen Dialog spricht in Burgdorf

ALTKREIS BURGDORF (gb). In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der „Reichspogromnacht“, ließ das nationalsozialistische Regime über tausend Synagogen, Betstuben sowie jüdische Geschäfte und Friedhöfe zerstören. Zum Beginn dieser organisierten und gelenkten Zerschlagung jüdischen Lebens in Deutschland wurden um die 400 Menschen ermordet oder in den Freitod getrieben. Die Novemberpogrome markierten den Übergang zur systematischen Verfolgung der deutschen und europäischen Juden im Machtbereich der verbrecherischen Hitler-Herrschaft und mündete in den Holocaust. Auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde Burgdorfs fielen dieser Verfolgung zum Opfer.
Neben den Stolpersteinen im Stadtgebiet erinnert eine Gedenktafel im Ratssaal des Burgdorfer Schlosses an die Namen. 72 Jahre später stand Avraham „Avi“ Primor, einstiger Botschafter (1993-1999) des Staates Israel in Deutschland, vor dieser Gedenktafel. In seiner Zeit als israelischer Gesandter wurde der heute 75-Jährige als eine der wichtigsten Stimmen des deutsch-israelischen Dialogs bekannt und populär.
Nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst schrieb Avi Primor mehrere Bücher, darunter „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld“ (2010) mit der Journalistin Christiane Korff, und gründete an der israelischen Privatuniversität in Herzliya das „Trilaterale Zentrum für Europäische Studien“ - in Zusammenarbeit mit einer palästinensischen und jordanischen Universität.
„Es ist nicht einfach gewesen. Anfangs waren die psychologischen Schranken die schlimmsten Schranken“, sagte Avi Primor am vergangenen Mittwochabend in der St. Pankratiuskirche vor über 100 Zuhörern. Aber seine Erfahrungen haben bewiesen, dass Frieden lernen möglich ist. Für sein friedensstiftendes Projekt konnte Primor die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf gewinnen, wo sich Studierende aus Israel, Jordanien und Palästina über den 12 Monate dauernden Unterricht zu europäischen Themen zwischenmenschlich näher kommen. „Sie bleiben danach in Kontakt und träumen von gemeinsamen Projekten in Friedenszeiten, die nur von den Regierungen geschaffen werden können“, so Avi Primor. Ziel müsse es sein, dass Israel beginnt, ebenso gute und stabile Beziehungen zu seinen Nachbarn herzustellen wie mit Deutschland, ist sich der ehemalige Politiker und heutige Publizist Primor sicher.
Avi Primor war auf Einladung der Evangelischen Regional- und Stadtakademie Hannover in Kooperation mit dem Kirchenkreis Burgdorf, dem Anti-Kriegshaus Sievershausen sowie dem Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“, gefördert von der Hanns-Lilje-Stiftung, in die Auestadt gekommen.