Autos und Lärm stören Passanten

Von den Autos und dem Verkehrslärm auf der Marktstraße fühlen sich viele der Befragten gestört.
 
Soll die Marktstraße eine Fußgängerzone werden? Ein Viertel der befragten Passanten würde die Innenstadt nach eigener Aussage öfter besuchen, wenn sie für Autos gesperrt wäre.

Stadt hat rund 350 Passanten zur Situation an der Marktstraße befragen lassen / Vorläufige Ergebnisse liegen jetzt vor

BURGDORF (fh). Soll die Marktstraße eine Fußgängerzone werden? Das wollte die Stadt Burgdorf von Passanten und Bürgern wissen. Die vorläufigen Ergebnisse liegen jetzt vor: Doch gerade zu der entscheidenden Frage bezogen viele Teilnehmer nicht eindeutig Position. Würden sie die Marktstraße häufiger besuchen, wenn sie eine ständige oder eine saisonale Fußgängerzone wäre? Etwa die Hälfte der Passanten aus Burgdorf antwortete darauf mit "weiß nicht"; von den Passanten aus dem Umland waren sogar 63 Prozent unentschlossen.
Wenn man davon einmal absieht, ist erkennbar, dass sich rund ein Vierteil der befragten Passanten für eine Fußgängerzone erwärmen können: So gaben 28 Prozent der Befragten aus Burgdorf an, dass sie häufiger kommen würden, wenn die Marktstraße autofrei wäre - bei den Passanten aus dem Umland waren es 19 Prozent. Dem gegenüber sagten 19 Prozent (Burgdorf) beziehungsweise 15 Prozent (Umland), dass sie dann genauso oft in die Innenstadt kommen würden wie bisher.
Gegenüber der Passantenbefragung fiel das Ergebnis im Internet noch etwas eindeutiger aus: Dort gaben 45 Prozent an, dass sie häufiger kommen würden, wenn es eine ständige Fußgängerzone gäbe, und 16 Prozent, wenn die Marktstraße saisonal (also beispielsweise im Sommer) für Autos gesperrt wäre.
Unabhängig davon, ob die Fußgängerzone die richtige Lösung ist, macht die Umfrage jedenfalls deutlich, dass viele mit der jetzigen Situation nicht glücklich sind: Fast ein Drittel der befragten Passanten aus Burgdorf und dem Umland gaben an, dass sie der Autoverkehr und der Lärm auf der Marktstraße störe. Damit war das in der Umfrage der mit Abstand am häufigsten genannte Kritikpunkt. Das Urteil der Befragten fiel dementsprechend hart aus: Rund 28 Prozent der Burgdorfer und rund 22 Prozent der Besucher aus dem Umland fiel nichts ein, was sie an der Marktstraße besonders schätzen. In der Online-Umfrage waren es sogar 38 Prozent. Ein Fünftel der Befragten, also ungefähr 20 Prozent, lobten hingegen die Vielzahl der inhabergeführten Geschäfte. Bezogen auf die gesamte Innenstadt wurde als Pluspunkt am häufigsten das Ambiente und der kleinstädtische Charakter genannt.
Die Umfrage zeigt aber auch: Auf der einen Seite stört der Verkehr die Passanten - auf der anderen Seite nutzen viele von ihnen selbst das Auto, um in die Innenstadt zu kommen. Etwa die Hälfte der Befragten aus Uetze war mit dem Auto gekommen und rund 40 Prozent der Befragten aus Lehrte. Ebenfalls etwa 40 Prozent aus den beiden Kommunen waren hingegen mit dem Bus nach Burgdorf gefahren. Bei den Burgdorfer Passanten hingegen waren die Fußgänger (41 Prozent) und Radfahrer (23 Prozent) klar in der Mehrheit. Etwa 18 Prozent hatten sich für das Auto entschieden und 15 Prozent für den Bus.
An drei Tagen im September hatte die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) insgesamt 365 Passanten in der Innenstadt befragt; außerdem füllten 271 Burgdorfer den Fragebogen im Internet aus. Den Anstoß dazu hatte Bündnis 90/Die Grünen gegeben. Ende des vergangenen Jahres hatten sie zunächst einen Antrag eingebracht, in dem sie forderten, die Marktstraße in den Sommermonaten für Autos zu sperren. Daraufhin hatte die Debatte über diese Frage im Rat und in den Ausschüssen wieder an Fahrt aufgenommen und war auch im Bürgermeisterwahlkampf Thema gewesen. Doch immer wieder bemängelten die Politiker aller Fraktionen, dass es ihnen an Daten und Fakten fehle, um ihre jeweilige Position zu untermauern. Deshalb hatten sie im Mai mehrheitlich dafür gestimmt, eine Passantenbefragung in Auftrag zu geben.


Keine vorschnellen Schlüsse ziehen!


Kommentar von Franka Haak

Eigentlich sollte die Umfrage der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) Auskunft darüber geben, ob sich die Mehrheit der Burgdorfer beziehungsweise der Innenstadtbesucher eine Fußgängerzone auf der Marktstraße wünscht. Doch gerade die entscheidende Frage hat erhebliche handwerkliche Schwächen. Das könnte auch zu den vielen "Weiß nicht"-Antworten mit beigetragen haben.
Die Frage lautete:
"Würden Sie die Marktstraße öfters besuchen, wenn?
- es eine ständige Fußgängerzone wäre
- es eine saisonale Fußgängerzone wäre
- genauso oft, wenn es eine Fußgängerzone wäre
- weiß nicht."
Was sollte also jemand antworten, der eine Fußgängerzone ablehnt, weil er regelmäßig mit dem Auto in die Innenstadt kommt? Wer die Innenstadt seltener besuchen würde, wenn er die Marktstraße nicht mehr mit dem Auto befahren dürfte, musste in der Umfrage improvisieren. Denn diese Variante war gar nicht vorgesehen. Da erscheint es schon fast nebensächlich, dass Frage und Antwortmöglichkeiten auch grammatisch unglücklich konzipiert sind. Und es gibt noch einen Haken: Die ersten beiden Antwortmöglichkeiten schließen sich nicht aus. Es ist wahrscheinlich, dass viele, die eine ganzjährige Fußgängerzone befürworten würden, auch einer saisonalen Sperrung für den Autoverkehr im Sommer etwas abgewinnen könnten. Doch darüber gibt das Ergebnis keinen Aufschluss, weil beide Varianten in einer einzigen Frage verquirlt sind. Schade. So jedenfalls sollten Politik und Verwaltung mit den Schlussfolgerungen vorsichtig sein!