Austausch über Ärzte und Essen

Schon nach kurzer Zeit kommen die Teilnehmer beim Treffen der neuen Diabetes-Selbsthilfegruppe ins Gespräch miteinander.
 
Ingrid Strauß (von links) und Monika Wolfgart suchen auf dem Smartphone nach den Notfallinformationen.

Neue Diabetes-Selbsthilfegruppe trifft sich immer am ersten Mittwoch im Monat / Ausflüge zu Lebensmittelbetrieben geplant

BURGDORF (fh). „Wir müssen langsam, aber sicher zusammenwachsen. Es braucht erst einmal ein bisschen Zeit, bis eine Vertrauensbasis entsteht“, sagt Rudolf Roll. Im März hat er zusammen mit Monika Wolfgart eine neue Diabetes-Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Die Treffen finden seitdem immer am ersten Mittwoch im Monat in den Räumen der AOK an der Heinrichstraße statt.
Doch auch wenn sich viele Teilnehmer erst zwei oder dreimal gesehen haben und Ingrid Strauß sogar zum ersten Mal dabei ist, ist das Eis bei der Zusammenkunft Anfang Juni schnell gebrochen und alle kommen miteinander ins Gespräch. Als Rudolf Roll ein neues Blutzucker-Messgerät fürs Handy vorstellt, entspinnt sich schnell eine angeregte Diskussion über Vor- und Nachteile unterschiedlicher Methoden.
So schwören einige Teilnehmer beispielsweise auf ein modernes Messgerät, bei dem ein Sensor am Oberarm angebracht und ein Fühler unter der Haut platziert wird. „So können die Blutzuckerwerte kontinuierlich überwacht werden und auch wenn nachts mal etwas nicht stimmt, gibt es einen Alarm ab“, erklärt Sybille Seggebruch. Allerdings entscheide der behandelnde Arzt darüber, ob er es verschreibe. Und so werden ganz nebenbei gleich noch Erfahrungen und Tipps zu Fachärzten und Kliniken ausgetauscht.
Genauso springen die Teilnehmer auch auf Rolls Hinweis zu den Notfallinformationen fürs Smarthphone an. Auf Handys mit einer neuen Version des Betriebssystems Android können Nutzer zusätzlich zum Namen und der Adresse auch die Blutgruppe sowie Allergien und Medikamente auflisten. Diese Daten können Ärzte oder Erst­helfer im Notfall dann direkt vom sogenannten Sperrbildschirm aus abrufen, auch ohne das Zugangspasswort für das Handy zu kennen.
Sogleich packt Ingrid Strauß ihr neues Smartphone aus, um es gleich auszuprobieren. Zusammen mit Monika Wolfgart sucht sie nach der entsprechenden Funktion. Als die beiden nicht sofort fündig werden, mischen sich auch andere Teilnehmer ein, und tauschen sich darüber aus, ob bei ihren jeweiligen Handys die Notfallfunktionen verfügbar sind. Auch die Unterschiede beziehungsweise die Vor- und Nachteile gegenüber der vom Burgdorfer Seniorenrat initiierten USB-Notfallkarte werden erörtert.
Obwohl die Gruppe noch im Aufbau ist, kommt sie ihrem Ziel also schon ziemlich nahe: Wichtiges Merkmal der Selbsthilfe sind schließlich Austausch und gegenseitige Hilfestellung, auch um sich nicht auf die oftmals widersprüchlichen Informationen im Internet zu verlassen, wie Roll betont. Er selbst hat bereits seit etwa 30 Jahren Diabetes. All die Jahre hat er sich ohne Selbsthilfegruppe mit seiner Krankheit arrangiert und dafür viel gelesen und recherchiert. „Man muss im Alltag eine ganze Menge beachten, gerade auch beim Essen gibt es ja Einschränkungen“, sagt er.
Genau das soll jetzt auch ein Thema in der Selbsthilfegruppe sein. So will er unter anderem regionale Bauernhöfe und Lebensmittelbetriebe besuchen, die auch für Diabetiker geeignete Produkte im Programm haben. Für Ende Juni plant er bereits einen Ausflug zur Wurstfabrik Mikolaj in Lehrte, für die sich immerhin schon sechs Teilnehmer angemeldet haben. „Nicht schlecht für den Anfang“, findet Roll. Immerhin müsse er im Moment noch von Treffen zu Treffen schauen, wer überhaupt dabei bleibt: „Die Gruppe muss sich noch stabilisieren“, betont er.
Als nächstes solle dann unter anderem ein Besuch auf dem Biohof Rethmar folgen. Und auf längere Sicht hofft er, eine Küche zu finden, in der sich die Gruppe von Zeit zu Zeit treffen kann, um gemeinsam zu kochen. Dabei könnten sich die Teilnehmer dann nicht nur über Ernährungsratschläge austauschen, sondern zwischen Töpfen und Pfannen auch noch ungezwungener ins Gespräch kommen.

Weitere Infos gibt Rudolf Roll unter Telefon (0157) 30176800.