Ausstellung über Bombenabwürfe

Bomben zerstören am 24. Februar 1945 das Haus Nr. 5 in der Arndtstraße. (Foto: VVV/Archiv)
 
Englischer Bomber, der am 27. September 1943 bei Ramlingen abstürzte. (Foto: VVV/Archiv)

KulturWerkStadt dokumentiert die Angriffe von amerikanischen Militärflugzeugen am 24. Februar und 7. April, bei denen insgesamt 38 Menschen in Burgdorf starben

BURGDORF (r/fh). Vor 75 Jahren, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ist auch Burgdorf bombardiert worden: Im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland haben amerikanische Militärflugzeuge am 24. Februar und 7. April 1945 insgesamt 70 Bomben auf die Stadt abgeworfen. Dabei sind 38 Menschen ums Leben gekommen, darunter neun Kinder und zwei Jugendliche. Daran erinnert jetzt die Ausstellung „Bomben auf Burgdorf“, die am Samstag, 8. Februar, eröffnet wird. Bis zum 22. März ist sie immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr in der KulturWerkStadt, Poststraße 2, zu sehen. Am Sonntag, 23. Februar, beginnt um 15 Uhr eine Führung durch die Schau.
Die Ausstellung basiert auf der Recherche von Dieter Heun, Heidi Rust und Tobias Teuber. Die drei Burgdorfer Hobby-Historiker haben zu diesem Thema ein Buch verfasst und dafür in britischen und amerikanischen Archiven recherchiert, aber auch Zeitzeugen befragt. Das Buch ist ebenfalls ab dem 8. Februar zum Preis von 12 Euro erhältlich bei Bleich Drucken und Stempeln (Braunschweiger Straße 2), in der Buchhandlung FreyRaum (Marktstraße 54), in Wegeners Buchhandlung (Marktstraße 65) und in der KulturWerkStadt.

Pfarrhaus am Spittaplatz stürzt ein

Am 24. Februar 1945, einem Samstag, hatte es bereits in den Morgenstunden zweimal Fliegeralarm gegeben, allerdings noch ohne Folgen. In der Mittagszeit näherte sich dann aber eine amerikanische Bomberstaffel aus Richtung Celle und warf 67 Bomben über Burgdorf ab, die bis zu 70 Kilogramm schwer waren. Dabei sind 30 Frauen, Männer und Kinder ums Leben gekommen.
Zwei schwere Bomben ließen das Pfarrhaus am Spittaplatz wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Pastor Friedrich Möller und seine Familie sowie die Haushaltsgehilfin konnten jedoch in letzter Sekunde befreit werden. Stark beschädigt wurde auch das Amtsgericht. Betroffen waren außerdem unter anderem die Straßen Im Langen Mühlenfeld, Am kleinen Brückendamm, Friederikenstraße sowie die Braunschweiger und die Poststraße. Auch auf dem Hof der Mittelschule, Vor dem Celler Tor, gab es Explosionen.

Flieger reagieren auf Provokation


An dem zweiten Bombenangriff am 7. April 1945, ebenfalls ein Samstag, waren nur drei amerikanische Jagdbomber beteiligt, die zunächst keine Angriffsabsichten zu erkennen gaben. Trotzdem fühlten sich die Soldaten in der Flakstellung im Umfeld des Schießstandes der Schützengesellschaft an der Eseringer Straße dazu veranlasst, die Flugzeuge zu beschießen.
Nach dieser Provokation kehrten die bereits im Weiterflug befindlichen Flieger zurück und griffen die Flakstellung mit Maschinengewehren und Bomben an. Dabei kamen in der Umgebung des Schießstandes acht Menschen ums Leben, darunter vier Soldaten sowie die Ehefrau und zwei Kinder des Hausmeisters, der den Schießstand betreute.

Nachbau eines Luftschutzraumes

In der KulturWerkStadt sind Schautafel zu sehen, aber auch zahlreiche Ausstellungsstücke, darunter Originalkriegsbomben vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, ein nachgebauter Luftschutzraum mit Originaltür, Modelle der Kriegsflugzeuge, deutsche Funkgeräte, elektrische und manuelle Luftschutzsirenen sowie Propaganda-Plakate der Nationalsozialisten, die die Bevölkerung auf den Bombenkrieg mental vorbereiten sollten.
Die Ausstellung thematisiert nicht nur die Abwürfe auf Burgdorf, sondern beleuchtet auch, wie die Alliierten das nationalsozialistische Deutschland unter Adolf Hitler mit dem Bombenkrieg in die Knie zwangen und damit letztlich auch die Diktatur und den Holocaust beendeten.
Gastgeber der Ausstellung sind der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf. Zum VVV-Projektteam der Ausstellung gehören Horst Regenthal, Gerhard Bleich, Horst Wöhler und Burk­hard Wolters. Fördernde Unterstützung leisteten die Stadtsparkasse Burgdorf und die Region Hannover.