Ausbau von Haltestellen geplant

Bisher endet die Bushaltestelle "Engenser Straße" am Ortsrand von Schillerslage im matschigen Seitenstreifen. Die Stadt will jetzt einen Gehwegstreifen bis zur Fußgängerampel verlegen.
 
Bisher endet die Bushaltestelle "Engenser Straße" am Ortsrand von Schillerslage im matschigen Seitenstreifen. Die Stadt will jetzt einen Gehwegstreifen bis zur Fußgängerampel verlegen.

Ortsrat Schillerslage kritisiert Pläne für "Engenser Straße" / Auch Beinhorn und Otze sind an der Reihe

Burgdorf (fh). In diesem Jahr sollen weitere Bushaltestellen im Burgdorfer Stadtgebiet barrierefrei ausgebaut werden, und zwar an den Stationen "Engenser Straße" in Schillerslage, "Worthstraße" in Otze sowie Beinhorn, jeweils in beiden Fahrtrichtungen. Der Ausbau soll nach der Brut- und Setzzeit im Oktober beginnen.
Er hat zum Ziel, insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen, aber auch Fahrgästen mit Kinderwagen einen nahezu ebenerdigen Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Außerdem werden sogenannte Betonrillenplatten verlegt, die sehbehinderten Menschen die Orientierung mittels eines Blindenstocks erleichtern und ihnen helfen, den Einstiegsbereich der vorderen Tür zu finden.
Im Nahverkehrsplan 2015 hat die Region Hannover als Etappenziel festgelegt, vorerst zumindest in jedem Ortsteil eine barrierefreie Bushaltestelle pro Fahrtrichtung herzustellen. Das hat Burgdorf fast erreicht - lediglich in Beinhorn war das bisher noch nicht der Fall. Die dortigen Haltestellen haben für die Region deshalb Priorität, zumal dort auch die SprintH-Linie 900 hält, die bis nach Hannover fährt. Deshalb übernimmt die Region dort Planung und Kosten in Eigenregie.
Für die Haltestellen "Engenser Straße" und "Worthstraße" zeichnet hingegen die Stadt Burgdorf verantwortlich. Sie wurden in Absprache mit Regiobus anhand der Ein- und Aussteigezahlen ausgewählt. Die Stadt veranschlagt für die Maßnahmen insgesamt rund 185.000 Euro. 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernimmt das Land Niedersachsen. Von den übrigen 25 Prozent steuert die Region Hannover ihrerseits die Hälfte bei. Den Rest muss die Stadt Burgdorf tragen. Unterm Strich sind das rund 32.000 Euro aus dem kommunalen Haushalt.

Haltestellen in Beinhorn

Für den barrierefreien Ausbau der Haltestellen in Beinhorn rechnet die Region Hannover mit Kosten von 110.000 Euro, die Maßnahme wird ebenfalls mit 75 Prozent vom Land gefördert. In Fahrtrichtung Burgdorf soll die Busbucht zu einer Fahrbahnrandhaltestelle umgebaut werden. In Fahrtrichtung Hannover wird die Wartefläche erneuert und verbreitert. Auf beiden Seiten wird es weiterhin eine Wartehalle mit Infovitrine geben.

Haltestelle "Worthstraße"

In Otze soll die Bushaltestele "Worthstraße" in beiden Fahrrichtungen barrierefrei ausgebaut werden. In Richtung Burgdorf/Bahnhof ist das nicht an der jetzigen Stelle möglich, sondern sie muss 20 Meter nach Nordosten verlegt werden, um die Standardmaße einhalten zu können. In diesem Bereich befinden sich zwei Kastanien. Die größere von beiden will die Stadt erhalten, die kleinere muss hingegen gefällt werden. Die Bushaltestelle „Worthstraße“ Richtung Ehlershausen muss etwa vier Meter zur Straße Freiengericht hin versetzt werden. Auf dieser Seite ist ein Wartehäuschen vorgesehen.
Die Ausbaupläne sind im Otzer Ortsrat grundsätzlich auf Zustimmung gestoßen. "Wir befürworten das", sagt Ortsbürgermeister Andreas Meyer. Allerdings sei bei der Sitzung mit der Verwaltung mündlich besprochen worden, dass zur angrenzenden Hauswand hin etwas Platz gelassen werden solle, sodass die Anwohner dort weiterhin Pflanzen an der Fassade hochranken lassen können.

Haltestelle "Engenser Straße"


Die Haltestelle "Engenser Straße" in Schillerslage entspricht in vielerlei Hinsicht nicht den heutigen Standards. Sie ist nicht nur deutlich schmaler und kürzer als vorgesehen, sondern es fehlt auch ein Weg bis zur Fußgängerampel an der Kreuzung Zollstraße/Engenser Straße. Fahrgäste müssen also am Straßenrand oder auf dem Seitenstreifen gehen.
Im Zuge des barrierefreien Ausbaus will die Stadt das jetzt ändern: Zwischen den asphaltierten Einfahrten der Grundstücke soll ein 1,5 Meter breiter Streifen mit Betonrechteckpflaster befestigt werden. Um die erforderliche Länge einhalten zu können, muss die Haltestelle künftig unmittelbar hinter der Zufahrt des letzten Hauses beginnen. Dafür will die Stadt dort eine Linde fällen lassen.
Auch auf der gegenüberliegenden Seite muss eine Linde weichen. Denn in unmittelbarer Nähe zur Bushaltestelle entstehen derzeit Neubauten auf dem Grundstück des ehemaligen Hotels Münstermann. Damit der Eigentümer, wie gewünscht, drei Zufahrten anlegen kann, soll die Bushaltestelle um fünf Meter in Richtung Ortskern versetzt werden. Dort wäre der Baum im Weg.

Kritik aus dem Ortsrat

Gegenüber diesen Plänen zeigt sich der Ortsrat Schillerslage skeptisch und hat die Beschlussvorlage der Verwaltung bei seiner jüngsten Sitzung deshalb nicht behandelt. "Ich vermute, dass die Fahrgastzählung gemacht wurde, als im ehemaligen Gasthof Münstermann noch Flüchtlinge lebten. Jetzt wird die Haltestelle meines Wissens kaum mehr genutzt", sagt Ortsbürgermeister Cord Reißer. Deshalb sehe er keinen dringenden Bedarf für die Maßnahme. "Es gibt sicherlich andere Bushaltestellen, die wichtiger wären", so Reißer.
Prinzipiell wolle er sich nicht gegen den barrierefreien Ausbau sperren. "Wenn die Stadt uns da eine schöne Bushaltestelle hinbaut, nehmen wir sie natürlich gern", versicherte er. Doch der jetzigen Planung könne er nichts abgewinnen. "Vor allem mit der Fällung der alten Linden sind wir nicht einverstanden", kritisiert er. Außerdem habe er Zweifel, ob sich eine vernünftige und vor allem barrierefreie Fußwegverbindung zur Ampel überhaupt realisieren lasse.
Die Stadtverwaltung bekam bei der Ortsratssitzung auch noch aus anderer Richtung überraschendem Gegenwind: Der Grundstückseigentümer des ehemaligen Gasthofs Münstermann hatte eigentlich zugesichert, sich an den Kosten für die Baumfällung auf seiner Straßenseite und eine entsprechende Nachpflanzung zu beteiligen. Dagegen brachte er nun nachträglich Einwände vor. "Diesbezüglich befindet sich die Stadtverwaltung derzeit in Klärung der Rechtslage", teilt Stadtsprecherin Alexandra Veith auf Nachfrage mit. Grundsätzlich würde das die Ausbaupläne aber nicht in Frage stellen.