Aus vielen Fäden wird ein Netz

Monika Reißer nutzt im Moment jede freie Minute, um bunte Wollquadrate für das Kunstprojekt "Beziehungsnetz" zu häkeln.

Monika Reißer häkelt für das Projekt einer Stader Künstlerin bunte Wollquadrate und ruft zum Mitmachen auf

Burgdorf (fh). Kurz vor Weihnachten hat Monika Reißer das erste bunte Quadrat gehäkelt und über die Feiertage ist die Heeßelerin dann in Serienproduktion gegangen. Gut zwei Wochen später sind jetzt schon 75 Stück zusammengekommen – nebeneinander gelegt passen sie längst nicht mehr alle auf den Tisch in ihrem Wintergarten. Aber dort sollen sie ja auch nicht bleiben, sondern mit vielen anderen Quadraten zu einem großen „Beziehungsnetz“ zusammengesetzt werden.
Die Idee dazu stammt von der Künstlerin Friederike Kahle-Nicolaides aus Drochtersen im Landkreis Stade. Mit ihrem Projekt will sie Verbindungen knüpfen – nicht nur im Wortsinn zwischen den einzelnen Wollquadraten, sondern auch zwischen all den Menschen, die daran mitarbeiten. So könne Gemeinschaft entstehen, obwohl wegen der Corona-Epidemie derzeit viele persönliche Begegnungen wegfallen müssen.
Dieser Gedanke gefällt auch Susanne Paul, der ehemaligen Pastorin der Martin-Luther-Kirchengemeinde Ehlershausen. Sie will deshalb nicht nur selbst einige Quadrate häkeln, sondern hat in ihrer neuen Funktion als Leiterin des Frauenwerks der Landeskirche Hannover den Aufruf auch an viele Frauengruppen weitergeleitet. „Gerade in dieser Zeit, in der wir sehr untätig und auf uns selbst zurückgeworfen sind, ist es schön, aktiv etwas mitzugestalten. Jeder kann alleine zu Hause daran arbeiten und fühlt sich trotzdem eingebunden“, sagt sie.
Außerdem sei sie gespannt auf das Gesamtkunstwerk, das daraus entsteht. Denn 2019 hatte sich Friederike Kahle-Nicolaides an der Burgdorfer Ausstellung „ZeiTRäume“ des Kunstvereins Scena beteiligt und drei große Baumwollfiguren in der Martin-Luther-Kirche in Ehlershausen ausgestellt. So hatte Paul die Künstlerin und ihren Stil kennengelernt. „Ich finde ihre Werke einfach toll“, bekennt sie.
Durch das Rundschreiben des Frauenwerks ist auch Monika Reißer auf das Projekt aufmerksam geworden, die sich selbst im Kreisfrauenteam des ev.-luth. Kirchenkreises Burg­dorf engagiert. Sie hofft, viele Menschen in Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze für das Projekt begeistern zu können. „Wer noch nicht viel Erfahrung hat, findet im Internet zahlreiche Video-Anleitungen“, wirbt sie. Das erleichtere auch jüngeren Menschen den Zugang. Auf diese Weise haben sich zum Beispiel die Neffen der Künstlerin, beide Mitte 20, die Technik schnell angeeignet und inzwischen selbst schon einige Quadrate beigesteuert.
Monika Reißer selbst nutzt im Moment fast jede freie Minute zum Häkeln. „Egal ob beim Kochen, wenn ich kurz warten muss, bis die Kartoffeln fertig sind oder abends beim Fernsehen“, beschreibt sie. Nur für die aufwendigeren Motiven brauche sie Zeit und Ruhe. „Die einfachen gehen mir schon blind von der Hand“, so Reißer. Und was sie dabei ganz besonders freut: Endlich hat sie eine Verwendung für ihren Vorrat an Wollresten gefunden. „Meine Mutter hat sie früher für eine Nichte in Amerika gesammelt, die daraus Decken für Kriegsveteranen gehäkelt hat und nach ihrem Tod habe ich sie übernommen“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „Andere hätten sie wahrscheinlich längst weggeworfen. Aber das habe ich nicht übers Herz gebracht und es ist schön zu sehen, dass sie doch noch einen Wert haben.“
Wer sich beteiligen möchte, egal ob mit einem einzelnen oder dutzenden Quadraten, kann sich an Monika Reißer wenden, unter Telefon (05136) 3200. Sie bietet an, die Quadrate zu sammeln und gebündelt an Friederike Kahle-Nicolaides zu schicken. Weitere Infos gibt es auch direkt bei der Künstlerin unter www.kahle-nic.com oder per E-Mail an beziehungsnetze@gmail.com. Auch die Aufnahme in eine Facebookgruppe zu dem Projekt kann bei ihr angefragt werden.
Wer Anleitungen oder Ideen benötigt, gibt am besten in einer Internet-Suchmaschine „Quadrate häkeln“ ein oder auch die englische Bezeichnung „Granny Square“. Alternativ darf übrigens auch gestrickt werden. Wichtig ist dann aber, dass auch dabei ein Netzmuster gewählt wird. Schließlich soll am Ende ja ein „Beziehungsnetz“ entstehen.