Auf der Suche nach Erkenntnis und dem Zuhause im Fremden

Die von Roger Willemsen (re.) am Ende der Erzählreise handsignierten „Enden der Welt“ wurden dem Autor förmlich aus den Händen gerissen. (Foto: Georg Bosse)

Roger Willemsen reiste mit dem Burgdorfer Publikum zu seinen „Enden der Welt“

BURGDORF (gb). Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Grenzen der Welt zu finden. Dabei stieß er auf atemberaubende Regionen, wie den Himalaya, Patagonien und Polynesien, oder auf bewundernswerte Menschen, die der etwas andere Reiseschriftsteller in seinem Bestseller-Buch „Die Enden der Welt“ in unnachahmlichen Sprachbildern skizziert hat. So führte Willemsen am vergangenen Samstagabend den gut 400 Zuhörern im Burgdorfer Veranstaltungszentrum (VAZ) die an einem gottverlassenen Flecken des unwirtlich-windigen Patagoniens vereinsamt lebende Witwe Maria, einen todkrank röchelnden Greis in einem Krankenhaus im weißrussischen Minsk, den betörenden und schielenden Tuareg-Jungen im vom sandigen Wüstenwind heimgesuchten Timbuktu und Douglas, einen ganzkörpertätowierten, tongaischen Rugbyspieler vor Augen.
Mit Roger Willemsen hatte die Buchhandlung „Wegeners“ einen der anregendsten und geistreichsten publizierenden Männer der deutschsprachigen Kulturszene, so Inhaberin Gitana Wegener, nach Burgdorf einladen. „Auch Burgdorf kann ein Ende der Welt sein, wenn man sich eine Raumdiagonale vorstellte, die irgendwo in Polynesien auslaufen würde“, begann der 56-Jährige. „Eigentlich hat meine Reise schon vor 35 Jahren begonnen, als ich mich in einem Krankenhaus gemeinsam mit einem krebskranken, siebenjährigen Jungen imaginär zu den Enden der Welt aufmachte, um ihm die Langeweile zu vertreiben.“
Es gibt verschiedene Arten und Intensitäten des Reisens. Einmal der Tourist, der oberflächlich auf (Foto-)Trophäenjagd geht, oder einer wie Willemsen, der auf der Suche nach Erkenntnissen und einem Zuhause im Fremden ist. Dabei geht es ihm in seinem Buch immer um Endpunkte in einem völlig anderen, individuellen Sinn: um das Ende des Begehrens und der Liebe, die Überwindung der Einsamkeit, tief verwurzelte Gastfreundschaften sowie das Ende von Illusionen, Ordnung und Verständigung.
Roger Willemsen ist ein umfassend gebildeter Schöngeist mit einem tief reichenden Beobachtungstalent. Sein präzises und reichhaltiges Sprachvermögen, hin und wieder schmunzelnd mit einer Prise Selbstironie garniert, schlug die Zuhörer von Anbeginn in seinen Bann. Aufbrechen und neugierig sein. Dabei Reisebilder zeichnen, die dem Publikum den Blick in Winkel einer grandiosen Welt erlauben, die dem flüchtigen Besucher nie begegnen würden. So wird die Lektüre von „Die Enden der Welt“, die den Käufern am Ende der rund zweistündigen Reiselesung vom Autor signiert wurde, von der ersten bis zur letzten Zeile eine Freude und ein Gewinn sein.