Aschenputtel mit Witz und im modernen lokal-colorierten Outfit

Lachtauben: Purri und Gurri beweisen sich als echte Spaßkanonen. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Der Schuss ging nach hinten los: Gedemütigt und als verirrte Kölner Jungfrau kehrt Gloria vom Ball zurück. (Foto: Svenja Steinseifer)

VVV-Theater landet mit dem Weihnachtsmärchen einen Theater-Treffer für jedes Alter

BURGDORF (svs). Die erste sieht aus wie eine Schleiereule, die „Freifrau von und zu allen Fragen“ watschelt und die letzten kommen mit „Begleitperson Trottel“ zum königlichen Ball, auf dem es Kartoffelsalat und Frikadellen gibt. Die witzig moderne Bühnenfassung des „Aschenputtels“ von Bernhard Wiemker unter der Regie von Mary Hamm-Rixen lockte große und kleine Theaterfans ins VVV-Theater.
Wie fängt man ein flüchtendes Reh? Für den Pagen Rudi kein Problem: „Ganz einfach. Abschießen. Peng.“ Ganz so einfach ist es denn doch nicht: Das „Reh“ ist eine unbekannte Tänzerin auf der Brautschau des Prinzen, heißt Aschenputtel, gespielt von Silke Köppe, und wird pausenlos von ihrer Stiefmutter (Jutta Wulf) und ihren hochnäsigen Stiefschwestern Gloria und Victoria gepeinigt. Mit viel Witz, jeder Menge Situationskomik und modernen Elementen bringt Regisseurin Mary Hamm-Rixen eine erfrischend andere Fassung des Märchens aus der Feder von Bernhard Wiemker zu Weihnachten auf die Bühne des JohnnyB.
„Ich wollte weg von den traditionellen, oft grausamen, historischen Märchen“, begründet Hamm-Rixen ihre Entscheidung. Moderne Dialoge und Kostüme und der Humor hätten den Ausschlag für diese Variante gegeben. Die im ganzen Stück versteckten Parodien auf die Stadt Burgdorf habe sie selbst geschrieben. So baden die Zaubertauben „Purri (Simone Grickscheit) und Gurri (Rhonda Neumann)“ im Wieckenthies-Brunnen auf dem Spittaplatz. Auch die „Freifrau von und zu allen Fragen“ stamme aus ihrer Feder. Um keinen Spaß und keine verrückte Idee verlegen, zeigt sich auch Yannick Will als „Page Rudi“.
Denn als seine Angebetete zum zweiten Mal nach dem Ball klammheimlich und schnell verschwindet, wird es dem Prinzen Roland (Sven Müller) schließlich zu bunt. Er will sie festhalten, hoch soll sie leben, fest soll sie kleben. Er ahnt nicht, dass sich Aschenputtel Abend für Abend hinter dem Zauberbaum in seine wunderschöne, unbekannte Tänzerin verwandelt. „Die Verwandlungsszene hat mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet“, sagt Regisseurin Hamm-Rixen. Mystisch sollte sie sein und lang genug. „Aber es hat ja alles wunderbar geklappt.“
Wunderbar funktioniert Rudis Plan nicht, denn als er eigens den königlichen Hof einkleistert, damit Aschenputtel dem Prinzen auf den Leim gehen kann, bleibt nur ihr goldener Schuh kleben. Wild entschlossen, die Kleisterfirma zu verklagen, suchen der Page und die königliche Familie nach dem Besitzer des zierlichen Schuhs. Gloria (Monika Büntjen), mittlerweile verschrien als „verirrte Kölner Jungfrau“, und die maulende Victoria (Maike Henningsen) sind es jedenfalls nicht – denn sie tragen „Elbkähne“ an den Füßen.
„Es gefällt uns supergut“, sagt Robert Dunjaski, „es ist wunderbar kindgerecht und witzig!“ Auch die vierjährige Megan und die fünfjährige Finija genießen die Aufführung. „Gut“, finden sie das moderne Aschenputtel. „Für Kinder zu spielen, ist immer besonders schön“, findet Mary Hamm-Rixen, „es ist so ehrlich, was sie sagen.“ Immer wieder sei das VVV-Theater zu Weihnachten für ihn ein Genuss, sagt Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD). „Man merkt den Schauspielern die Spielfreude richtig an. Ich finde die Tauben besonders gut.“
Auch wenn Aschenputtel alias Elisabeth ihre Schwestern sorgfältig frisiert, lackiert und illuminiert hat, es nützt nichts. Am Ende jault Gloria und Victoria mault. Und Aschenputtel? Damit kennt sich Finija aus. Denn sie hat ein Buch davon Zuhause und weiß, wie das Märchen ausgeht: „Die heiraten ja sowieso!“ Ruckediguh.