Artenschutz im Ackerland

Karsten Behr von der Bingo-Umweltstiftung (von links) und Bingo-Moderator Michael Thürnau besuchen das das Ehepaar Hinrich und Anne Grundstedt, um sich über die Blühfläche zu informieren. Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege und Joachim Hasberg vom Landvolkverband Hannover erläutern den Besuchern die Projektidee. (Foto: Bingo-Umweltstiftung)

Bingo-Moderator Michael Thürnau und Vertreter der Bingo-Umweltstiftung besuchen Hülptingser Landwirt

HÜLPTINGSEN (fh). So bunt, wild und vielfältig wie auf der Blühfläche des Hülptingser Landwirts Hinrich Grundstedt soll es bald auch auf vielen weiteren Flächen in in Niedersachsen aussehen. Das hat sich die Bingo-Umweltstiftung zum Ziel gesetzt. Am vergangenen Dienstag haben NDR-Moderator Michael Thürnau von der Lotteriesendung Bingo und der Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, Karsten Behr, sich in Hülptingsen vor Ort ein Bild davon gemacht.
Hinrich und Anne Grundstedt beteiligen sich an einem Projekt, das die Region Hannover zusammen mit der Stiftung Kulturlandpflege und dem Landvolk initiiert hat. Dafür hat das Hülptingser Ehepaar auf einer Fläche von fast einem Hektar auf den Anbau von Kartoffeln oder Getreide verzichtet und stattdessen Blütenpflanzen gesät. Sie sollen einerseits Nahrung für Bienen und andere Insekten liefern, zugleich aber auch Schutz für Wildtiere bieten. „Insbesondere in der Agrarlandschaft muss die Artenvielfalt erhalten und erhöht werden“, betont Behr von der Bingo-Umweltstiftung.
Dem stimmen Anne und Hinrich Grundstedt zu. Das sei aber nur mit entsprechenden Fördermitteln möglich. "Es kann nicht erwartet werden, dass die Landwirte die Kosten für den Naturschutz alleine tragen", so Anne Grundstedt. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt von Region Hannover, Landvolk und der Stiftung Kulturlandpflege an. Die Landwirte, die sich beteiligen, erhalten nicht nur das Saatgut kostenlos, sondern außerdem Ausgleichszahlung, weil sie die Flächen in dieser Zeit nicht bewirtschaften können.
Schon im vergangenen Jahr, als das Projekt ins Leben gerufen wurde, beteiligte sich das Ehepaar Grundstedt daran. Zunächst legten sie eine einjährige Blühfläche an. In diesem Frühjahr haben sie die spezielle Saatmischung nun erneut ausgebracht und sich diesmal für eine dreijährige Laufzeit entschieden. Und was hat sie dazu bewegt, sich zu beteiligen? "Wir sind auch Jagdpächter und wollen die Artenvielfalt in unserem Revier erhalten", betont Anne Grundstedt. Die Blühflächen seien ein Rückzugsort für Hasen und Rehe und gerade Bodenbrüter fänden dort nicht nur Unterschlupf, sondern auch Insekten als Nahrung. "Ein besonderer Vorteil ist, dass wir die Flächen zum Winter nicht abmähen. Die Tiere können sich dort also das ganze Jahr über verstecken", so Grundstedt.
Die Projektidee kommt auch bei anderen Landwirten gut an. Im vergangenen Jahr haben sich 90 Betriebe daran beteiligt, in diesem Jahr sind es schon 143. Die Region stellt dafür 300.000 Euro bereit. Der Erfolg hat sich herumgesprochen und so wurde auch die Bingo-Umweltstiftung darauf aufmerksam, als sie nach einem besonderen Artenschutzprojekt anlässlich ihres 30. Geburtstags suchte. Nach dem Vorbild aus der Region Hannover will sie nun ähnliche Kooperationen mit Landwirten auch in anderen Gegenden in Niedersachsen fördern. "Neun Landkreise haben sich bei uns beworben, von denen wir nun drei für unser Jubiläumsprojekt auswählen werden", erläutert Marita Wilmes von der Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung. Das lasse sich die Stiftung rund 480.000 Euro kosten. "Es ist damit das größte Projekt, das wir je genehmigt haben", betont Wilmes.

Die Bingo-Umweltstiftung
Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) wurde 1989 als Niedersächsische Umweltstiftung vom Land Niedersachsen gegründet und 2009 in ihre heutige Struktur umgeformt. Die Finanzierung erfolgt seitdem aus Mitteln der Glückspielabgabe, die sich zu einem großen Teil aus Einnahmen durch „Bingo-Die Umweltlotterie“ speisen. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert ergänzend zu staatlichen Pflichtaufgaben Umwelt- und Naturschutzprojekte sowie Projekte zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit und der Denkmalpflege. In der Region Hannover wurden dafür in 2018 insgesamt 1.375.405 Euro Fördermittel für 63 Projekte bereitgestellt.