App lotst zum Einsatz

Ortsbrandmeister Florian Bethmann lässt sich auf dem neuen Tabletcomputer die Rettungspunkte in dem Programm "Hilfe im Wald" anzeigen.
 
Überall im Stadtgebiet sind an Sitzbänken Notfallplaketten angebracht. Anhand der Nummer können Feuerwehr und Rettungsdienst den jeweiligen Standort finden. (Foto: Archiv/Georg Bosse)

Ortsfeuerwehren erhalten Tabletcomputer, um die Notfallpunkte schnell zu finden

Burgdorf (fh). Was aus dem Alltag für viele kaum noch wegzudenken ist, ist bei der Ortsfeuerwehr Burgdorf eine echte Neuheit: Seit Kurzem verfügt sie jetzt über einen eigenen Tabletcomputer mit mobilem Internetzugang. Als eines der ersten Programme hat die Einsatzabteilung darauf die App "Hilfe im Wald" installiert, die auch der Hauptgrund für die Anschaffung war. "Damit können wir die Punkte des Notfall-Orientierungs-Systems finden", erläutert Ortsbrandmeister Florian Bethmann.

Handlicher als eine Papierkarte

Dieses war im Frühjahr 2019 auf Initiative des Ratsherrn René Arand und Beschluss des Verwaltungsausschusses eingeführt worden. Dafür hat die Stadt an nahezu jeder Sitzbank eine SOS-Plakette angebracht - insgesamt gibt es in Burgdorf seitdem mehr als 300 solcher Punkte. Sie sollen es den Bürgern erleichtern, ihren genauen Standort anzugeben, wenn sie beispielsweise nach einem Unfall oder Herzinfarkt, aber auch bei anderen Notfällen, unterwegs Hilfe rufen wollen. Anhand der Plaketten-Nummer können Rettungsdienst und Feuerwehr zu der entsprechenden Stelle navigieren.
Bisher fehlten bei der Feuerwehr dafür aber die technischen Voraussetzungen. "Eine Karte aus Papier wäre nicht wirklich praktikabel gewesen", betont Bethmann und ergänzt: "Um alle Punkte darstellen zu können, hätten wir dafür einen unheimlich großen Maßstab benötigt. Das wäre im Einsatz sehr umständlich gewesen." Mit der digitalen Version auf dem Tablet sei das nun deutlich komfortabler. Laut Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer sollen bis Jahresende alle Ortsfeuerwehren mit einem entsprechenden Gerät ausgestattet werden.

Erster Einsatz mit Rettungspunkt


In der Praxis habe das Notfall-Orientierungs-System bei den Burgdorfer Feuerwehren bisher noch keine große Rolle gespielt. "Erst vor drei Wochen sind wir zum ersten Mal mithilfe eines Rettungspunktes alarmiert worden", berichtet Ortsbrandmeister Bethmann. Im Stadtpark drohte ein größerer Ast auf den Weg zu fallen. "Die Polizei war als erstes vor Ort und hat unsere Hilfe angefordert", beschreibt er das Szenario. Als Ortsangabe habe sie die Nummer der nächstgelegenen Notfall-Plakette genannt.
Ansonsten sei das innerhalb der Kernstadt aber nur selten erforderlich. "Innerorts hätten es auch ein paar Plaketten weniger getan. Dort können wir uns anhand der Straßennamen meist viel besser orientieren", so Bethmann. Potenzial sehe er in den Rettungspunkten deshalb vor allem außerhalb der Ortschaften in Feld, Wald und Flur, wo die genaue Standortbestimmung sonst oft nicht ganz einfach sei. "Von der Grundidee her ist es super und kann Leben retten", resümiert der Ortsbrandmeister.

Alarmierung per Smartphone

Zusätzlich zu den neuen Tablet-Computern steht demnächst noch eine weitere digitale Neuerung bei der Feuerwehr an: die Alarmierung per Smartphone. "Die Stadt will ein geeignetes Programm voraussichtlich nächstes Jahr flächendeckend bei allen Ortsfeuerwehren einführen. Sie hat dafür schon Angebote eingeholt", sagt Stadtbrandmeister Heuer. In Heeßel sowie Ramlingen/Ehlershausen sei das bereits getestet worden und er habe viele positive Rückmeldungen bekommen.
Die Vorteile: Bei einem Alarm sei auf dem Smartphone dann sofort sichtbar, um was für einen Einsatz es sich handele und auch die Adresse werde angezeigt. Außerdem könnten die Einsatzkräfte ihrerseits zurückmelden, wann sie am Feuerwehrhaus eintreffen und welche Qualifikationen sie haben. "Das hilft bei der Entscheidung, ob man schon losfährt oder vielleicht noch 30 Sekunden wartet, weil dann genügend Atemschutzgeräteträger dabei sind oder bestimmte Funktionen besetzt sind", erläutert Heuer.
Sirene und Meldeempfänger könne das nicht ersetzen - schließlich müssten die Aktiven auch erreichbar sein, wenn der Strom ausfalle oder das Internet zusammenbreche. Doch die Smartphone-App sei eine sinnvolle Ergänzung und trage bestenfalls dazu bei, die Ausrückzeiten noch weiter zu verkürzen und den Personaleinsatz noch besser zu steuern.