Anerkennung zum Abschied

Bürgermeister Alfred Baxmann (vorne rechts) und seine Frau lauschen dem vergnüglichen Ständchen der SPD-Fraktion.
 
Detlef Knauer (von rechts), Hartmut Braun und Simone Heller von der Grünen-Ratsfraktion überreichen dem scheidenden Bürgermeister Alfred Baxmann ein Abschiedsgeschenk.
 
Die Schlussworte bei der Abschiedsfeier gehören dem scheidenden Bürgermeister Alfred Baxmann.

Festakt für den scheidenden Bürgermeister Alfred Baxmann mit 250 geladenen Gästen im Stadthaus

BURGDORF (fh). Wie lassen sich 23 Jahre in wenigen Minuten zusammenfassen? Diese Frage stellte bei der offiziellen Verabschiedung von Bürgermeister Alfred Baxmann nicht nur den WGS-Ratsherrn Kurt-Ulrich Schulz vor eine Herausforderung, der bedauernd feststellte: "Das ist nicht genug Zeit für lange Loblieder." Und so gerieten die elf Grußworte auch fast alle ein wenig länger, als eigentlich vorgesehen. Dabei konnten sich die Rednerinnen und Redner, die dem scheidenden Bürgermeister ihre Wertschätzung und Anerkennung zollten, aber in guter Gesellschaft wissen.
Denn zu Beginn der Feierstunde hatte der Erste Stadtrat Michael Kugel in weiser Voraussicht daran erinnert, dass eine "kurze Rede" ohnehin ein sehr dehnbarer Begriff sei - zumal wenn es um den langjährigen Burgdorfer Bürgermeister ginge. "Wenn er das Wort ergreift und ankündigt, dass er noch kurz etwas sagen wolle, gucken sich viele, die ihn kennen, suchend um - entweder nach einem Sitzplatz oder nach einem Platz am Büfett", sagte Kugel in seinem Beitrag, den er mit reichlich trockenem Humor und einigen liebvollen Spitzen gespickt hatte. Wer also wollte da ausgerechnet bei Baxmanns Verabschiedung kleinlich auf die Uhr zu schauen? Und außerdem: Einen Sitzplatz hatten die rund 250 Gäste im großen Saal des Stadthauses ohnehin schon und wurden vom Service-Team bestens mit Getränken versorgt. Gute Voraussetzungen also für den insgesamt mehr als zweieinhalbstündigen Redemarathon.
Nachdem er schon viel Gelächter und immer wieder spontanen Applaus geerntet hatte, wurde Kugel schließlich ernst: Für das Amt des Bürgermeisters brauche es ein dickes Fell, eine hohe Frustrationstoleranz, den Willen zur Bürgernähe und Zivilcourage, betonte er und fügte hinzu: "All das ist bei Ihnen sehr ausgeprägt." Außerdem sei Baxmann immer ein angenehmer Chef gewesen. "Zuhören, abwägen, eine Entscheidung treffen und sie dann im Zweifel auch gegen Widerstände verteidigen - so haben Sie das in Ihrer Amtsführung immer gehandhabt", lobte Kugel. Außerdem würdigte er Baxmanns rhetorisches Talent. "Ganz gleich zu welchem Thema - er kann aus dem Stegreif und ohne Konzeptpapier so sprechen, dass es zum Erkenntnisgewinn und zur Unterhaltung seiner Zuhörer beiträgt", so der Erste Stadtrat.
Fast alle Redner betonten außerdem, dass Baxmann für seine Überzeugungen und Vorschläge leidenschaftlich gestritten und sich nie weggeduckt habe. "Beim Abschied des Sehnder Bürgermeisters Carl Jügen Lehrke vor einigen Tagen habe ich hervorgehoben, dass er in seinem Amt immer um Harmonie und Ausgleich bemüht war. Das sage ich bei dir nicht", stellte etwa Regionspräsident Hauke Jagau mit einem Augenzwinkern fest. Vielmehr könne Baxmann sehr hartnäckig sein, wenn ihm etwas wichtig sei. "Du wusstest, wenn etwas eine Sauerei ist und dann hast du das auch gesagt", so Jagau. Das sei auch in der Runde der Bürgermeister der Regionskommunen so gewesen, betonte sein Uetzer Amtskollege Werner Backeberg. "Du warst ein engagierter Vertreter deiner Stadt und hast dich gewehrt, wenn du das Gefühl hattest, dass die Burgdorfer Interessen nicht ausreichend berücksichtigt würden", zollte er ihm Respekt.
Bei aller Freude am politischen Streit, die auch Baxmann selbst später eingestand, sei es dem langjährigen Bürgermeister aber auch gelungen, in der Mehrheitsgruppe im Rat ganz unterschiedliche Vorstellungen zusammenzubringen. "Als wir Alfred Baxmann 1996 zum ersten Mal zum ehrenamtlichen Bürgermeister wählten, damals noch in indirekter Wahl im Rat, verband uns Grüne mit der WGS eigentlich nur die Unterstützung für den SPD-Kandidaten", erinnert sich Hartmut Braun und fügt augenzwinkernd hinzu: "Die Wählergemeinschaft setzte sich damals für die Südumgehung ein und wir... wir wollten eigentlich gar keine Straßen." Doch trotz aller Gegensätze habe man immer fair zusammengearbeitet und Kompromisse ausgehandelt, die nun zum Teil schon seit 23 Jahren hielten.
Besonders persönliche Worte fand die Trägerin der Bürgermedaille, Margret Hoppe, aus Dachtmissen, die davon berichtete wie sie den kleinen Alfred Baxmann kurz nach dessen Geburt zum ersten Mal gesehen habe. In seinem Großvater, der Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde Dachtmissen war, habe er ein politisches Vorbild gehabt - wenngleich er inhaltlich nicht immer die gleichen Ansichten vertreten habe. Als prominentes Beispiel erinnerte Hoppe an den Streit der beiden Baxmanns im Hinblick auf die Gebietsreform von 1974: Während sein Großvater Dachtmissen mit Hänigsen zusammenschließen wollte, trat Alfred Baxmann für die Zugehörigkeit zu Burgdorf ein und setzte sich damit letztlich durch.
Eine Ausnahme in dem Redemarathon machte Matthias Paul als Vertreter der SPD-Fraktion, der sich auf wenige Worte beschränkte und stattdessen den Fraktionschor auf die Bühne holte, der auf die Melodie von "Biene Maja" das selbst gedichtete Ständchen "Unser Lieblingsbürgermeister, der heißt Baxmann" vortrug. Eine Erklärung dafür, dass sich vielleicht nicht immer ein harmonischer Gleichklang ergab, hatte Paul sicherheitshalber schon vorab geliefert. "Schließlich ist unsere Fraktion ja auch politisch vielstimmig", sagte der Ratsherr mit einem Augenzwinkern.
Das Schlusswort gehörte freilich dem scheidenden Bürgermeister selbst. Auf einen detaillierten politischen Rückblick verzichtete er und hob stattdessen hervor: "Ich hatte das Privileg, eine ganze Reihe von Menschen kennenzulernen, die mich bereichert und meinen Horizont erweitert haben." Dabei habe er auch gemerkt, wie facettenreich die Burgdorfer Stadtgesellschaft sei. Und auch das Amt selbst sei eine spannende, herausfordernde und niemals langweilige Aufgabe gewesen. "Eigentlich kein Tag ist so verlaufen, wie es geplant war", resümierte Baxmann.
Ohne die Unterstützung seiner Frau, seiner Familie, Freunde und Bekannten, wäre all das so nicht möglich gewesen, betonte er. "Obwohl es sehr schwierig sein konnte, mit mir einen Termin zu vereinbaren, haben sie dafür gesorgt, dass meine privaten Kontakte aufrecht erhalten geblieben sind", sagte Baxmann und fügte hinzu: "Das ist jetzt ganz besonders wichtig, um nicht ins Leere zu laufen."
Der Festakt und die vielen lobenden Worte hätten ihn tief bewegt. Dafür bedankte sich Baxmann bei den Rednern sowie dem Kinderzirkus Kritzpritzknuckelmuckeldü für seine artistische Einlage und dem Duo Matthias Schorr (Geige) und und Michael Chalamov (Klavier) für die musikalische Begleitung. Er freue sich aber auch über "alle, die gekommen sind, um mich zu verabschieden oder einfach nur, um zu gucken, ob ich jetzt wirklich weg bin."
Am heutigen Mittwoch ist nun offiziell sein letzter Arbeitstag als Verwaltungschef; am 1. November tritt dann offiziell sein Nachfolger Armin Pollehn dieses Amt an.