„Alter Speicher“ platzte aus allen Fachwerkbalken

Roland Baumgarte und Sabine Göttel (v.li.) im übervollen „Alten Speicher“ in Otze, in dem sie ihrem Publikum musik- und wortreich hintergründige Einblicke ins Lebenswerk Kurt Tucholskys gewährten. (Foto: Georg Bosse)

Sabine Göttel inszenierte Tucholsky-Abend mit „ Herz und Schnauze“

OTZE (gb). Der Burgdorfer Kulturverein Scena hatte am vergangenen Mittwoch zu einem literarisch-musikalischen Abend in den „Alten Speicher“ in Otze eingeladen. Unter dem Programmtitel „Goldenes Herz und Eiserne Schnauze“ beschäftigte sich die Lyrikerin und Dramaturgin Dr. Sabine Göttel (Hannover) mit Texten von Kurt Tucholsky (1890-1935).
Kurt Tucholsky war als deutscher Journalist und Schriftsteller einer der schillerndsten Publizisten der Weimarer Republik. Der zeitweilige Mitherausgeber der Berliner Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“, der auch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel schrieb, verstand sich selbst als linker Demokrat, Pazifist („Soldaten sind Mörder“) und Antimilitarist. In diesem Selbstverständnis ist Tucholsky nach wie vor heftig umstritten.
In seinen „Weltbühne“-Aufsätzen erwies sich Tucholsky als Gesellschaftskritiker in der Tradition von Heinrich Heine (1797-1856) und blieb Zeit seines Lebens satirisch-kritischer Beobachter der gesellschaftlichen und politischen Zustände in Deutschland.
Vor annähernd 70 Gästen, die den „Alten Speicher“ fast aus allen Fachwerkbalken platzen ließen, bereitete die gebürtige Saarländerin Göttel mit ihrer Textauswahl Zeitgeschichte kompetent und kurzweilig auf. Für die musikalischen Überleitungen zwischen den Passagen sorgte Cellist Roland Baumgarte, der an der Musikschule Isernhagen lehrt. Insgesamt rund 90 Minuten erlebte das Publikum so einen literarisch-musikalischen Abend zum zum Zuhören, Mitdenken und Genießen.