„Als der ‚Schwarze Herzog’ kam“

Gruppenbild der an der Ausstellung beteiligten Vereine. (Foto: Joachim Lührs)
 
Denkmal für den „Schwarzen Herzog“ in den 1920er Jahren. (Foto: VVV)
 
Bildnis des „Schwarzen Herzogs“. (Foto: VVV)

Neue Ausstellung: Burgdorf im Mittelpunkt der europäischen Geschichte

BURGDORF (r/bs). In den ersten Augusttagen des Jahres 1809 bewegte die Einwohner Burgdorfs nur eine Frage: Würde ihre vom Schicksal geschlagene Stadt, die nur fünf Wochen zuvor am Sonntag, dem 25. Juni, eine Brandkatastrophe heimsuchte, deren gefräßiges Feuer die Mehrzahl der Häuser vernichtete, jetzt zum Schauplatz einer blutigen Vernichtungsschlacht?
Welche Vorgänge zu dieser wie eine gewitterbeladene Wolke über der Stadt hängenden Situation führten, zeigt die neue Ausstellung „Als der ‚Schwarze Herzog’ kam“. Der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und der Stadt Burgdorf präsentieren die kulturgeschichtliche Schau vom Samstag, 6. Juli, bis zum Sonntag, 11. August, im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) mit einem attraktiven Beiprogramm. Sie erinnert an den Zug des „Schwarzen Herzogs“ von Oelper nach Elsfleth, der vor 210 Jahren auch Burgdorf berührte und die Stadt kurzfristig in dem Mittelpunkt der europäischen Geschichte rückte.
Für die Zusammenstellung zeichnet ein Projektteam verantwortlich, das sich aus Mitgliedern der Vereine Herzog Braunschweigisches Feldcorps, Leibbataillon Braunschweig, 2. Westfälisches Infanterieregiment, Braunschweiger Stab und Buckskinners Otze/Living History zusammensetzt. Den Aufbau übernahmen Jens Kalle und Michael Theobald. Die Textbeiträge stammen von Nils Holtenbucher.
Die Organisation liegt in den Händen von Uwe Heusmann und Jürgen Stange. Fördernde Unterstützung leisteten die Region Hannover und die Stadtsparkasse Burgdorf. Die Ausstellung ist samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Nach Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136 – 1862) sind auch Führungen innerhalb der Woche möglich.

Aktionstage am 3. und 4. August

Bürgermeister Alfred Baxmann eröffnet die kulturgeschichtliche Schau am Samstag, 6. Juli, um 11.00 Uhr. Die Einführung übernimmt Jens Kalle (Living History). Danach schlüpft der Schauspieler Andreas Jäger in die Rolle des „Schwarzen Herzogs“ und erzählt aus dessen Leben. Um 14.00 Uhr findet eine Führung durch die Ausstellung statt.
Weitere Führungstermine sind am 21. Juli und 11. August jeweils um 14.00 Uhr. Zwei Aktionstage mit historischen Darstellergruppen (u.a. mit Schaubiwak) rund um das Stadtmuseum finden am 3. August (14.00 bis 17.00 Uhr) und 4. August (11.00 bis 17.00 Uhr) statt. Der „Schwarze Herzog“ steht auch im Mittelpunkt einer Erlebnisführung, zu der der VVV am Sonntag, 28. Juli, um 14.30 Uhr einlädt.
Treffpunkt ist der Gedenkstein an der Immenser Straße/Ecke Dammgartenstraße vor dem ehemaligen Hotel. Teilnehmerkarten gibt es bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136 – 1862.

Die „Schwarze Schar“

Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels (* 9. Oktober 1771 in Braunschweig; † 16. Juni 1815 in der Schlacht bei Quatre-Bras in Belgien) ist einer der bekanntesten deutschen Heerführer der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte gewesen. Wegen der von ihm getragenen dunklen Uniform trug er den Beinamen der „Schwarze Herzog“.
Nach dem Tode seines Vaters 1806 übernahm er das Herzogtum Braunschweig, aus dem ihn ein Jahr später Napoleon vertrieb, der das Land in das von seinem Bruder regierte Königreich Westfalen eingliederte. Herzog Friedrich Wilhelm zog sich das durch Erbschaft erworbene Herzogtum Oels in Schlesien zurück.
Dort stellte er 1809 ein Freikorps zusammen, deren Soldaten wie ihr Anführer dunkle Uniformen verwendeten und sich deswegen als „Schwarze Schar“ bezeichneten.
Mit dieser 2.000 Mann umfassenden Truppe wollte der Herzog den Freiheitskampf gegen Napoleon aufnehmen und brach am 12. Mai 1809 in Richtung Nordsee auf. Dabei zog er über Böhmen, Leipzig, Halle und Halberstadt nach Braunschweig.

Bange Stunden für die Burgdorfer

Nach einem Gefecht, das am 1. August 1809 in der Nähe von Ölper bei Braunschweig stattfand, konnte der Herzog dem gegnerischen Druck nur kurzfristig standhalten und trat den Rückzug über Peine an. In den Abendstunden des 2. August traf er mit seiner „Schwarzen Schar“ vor der fast völlig zerstörten Stadt Burgdorf ein.
Da die Nachwirkungen der verheerenden Brandkatastrophe einen Einzug in die Stadt nicht gestatteten, ließ er am Försterberg vor dem Braunschweigischen Tore ein Biwak errichten, in dem er mit seinen Soldaten die Nacht verbrachte. Zwischen Angst und Hoffnung schwankend, erwarteten die Burgdorfer Einwohner die heran nahenden Morgenstunden und fragten sich, ob der neue Tag Tod und Verderben bringen und vor der Stadt zu einer opferreichen Schlacht zwischen den Truppen des Herzogs und den anrückenden französischen Truppen führen würde?
Doch die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht, da die „Schwarze Schar“ schon in den frühen Morgenstunden des 3. August wieder aufbrach. Über Hannover, Neustadt am Rübenberge und Delmenhorst erreichte der Herzog am 6. August Elsfleth an der Wesermündung. Von dort gelangte er mit seinen Soldaten auf englischen Schiffen in das Inselreich. Sein Vetter Georg III. König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover nahm ihn und seine Soldaten auf. Bis 1813 harrte Friedrich Wilhelm im englischen Exil aus.

Denkmal „Schwarzen Herzog“

Nach den Befreiungskriegen konnte Herzog Friedrich Wilhelm 1813 wieder die Regierung in Braunschweig übernehmen. 1815 kämpfte er unter Marschall Blücher erneut gegen Napoleon und starb am 16. Juni 1815 während der Schlacht bei Quatre-Bras in Frankreich.
50 Jahre später ermöglichten Burgdorfer Bürger durch Spenden den Bau eines Denkmals zur Erinnerung an den „Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels und seine kühne Schar". Am 2. August 1859 feierlich geweiht, steht es noch heute an der Immenser Straße.

Von der Uniform bis zur Kanone

Eine umfangreiche Ausstellungspalette mit vielen Exponaten und Bildtafeln gibt einen realitätsnahen Einblick in den Zug des „Schwarzen Herzogs“ und dessen Vor- und Nachgeschichte. Zu sehen sind Uniformen und Tschakos, die die braunschweigischen Soldaten und die Gegner aus dem Königreich Westphalen trugen. Dazu kommen ein Leiterwagen, ein Lagerzelt, Fahnen, Karten und andere zeitgeschichtliche Dokumente.
Als wirkungsvoller Bestandteil des damaligen Waffenarsenals begegnet den Museumsbesuchern eine 4-Pfünder Kanone, die Jürgen Meise (Hamburg) zur Verfügung stellte. Ein Karreemodell des 1. Linieninfanterieregiments Braunschweig (Arndt Wolfram) zieht ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich. Im 1. Stock des Museums geben detailreiche Dioramen der Burgdorfer Zinnfigurensammlung markante Szenen aus dem Freiheitskampf des „Schwarzen Herzogs“ wieder.
Daraus ragt eine Darstellung seines Lagers vor den Toren Burgdorfs hervor. Zudem ist ein drei mal drei Meter großes Diorama mit einem Nachbau der Schlacht von Waterloo zu sehen, die am 18. Juni 1815 das endgültige Ende der napoleonischen Herrschaft besiegelte. Nur zwei Tage zuvor starb der „Schwarze Herzog“ im Kampf gegen die Franzosen.

Anlage: Fotos (BU´s, Foto 1: Gruppenfoto der an der Ausstellung beteiligten Vereine, Foto von Joachim Lührs, Foto 2: Denkmal für den „Schwarzen Herzog“ in den 1920er Jahren, Foto 3: Zeichnung „Biwak vor Burgdorf 1809“, Foto 4: Bildnis des „Schwarzen Herzogs“)