Alle Infos für den Notfall

Die Initiatoren stellen die digitale Notfallkarte vor: Gerd Müller vom Freiwilligenzentrum (von links), Notarzt Dariusz Nowak, Hans Bauer vom Freiwilligenzentrum, Jürgen Lange vom DRK Burgdorf, die Landtagsabgeordnete und Schirmherrin Thordies Hanisch, Ralf Antabi vom DRK-Regionsverband, die Direktorin des Klinikums Ost Antje Hoffmann und der Vorsitzende des Seniorenrates Wolf Büttner.
 
Mit der digitalen Notfallkarte sind die wichtigsten medizinischen Daten immer griffbereit.

Seniorenrat entwickelt zusammen mit dem DRK Burgdorf und dem Freiwilligenzentrum eine digitale Notfallkarte

BURGDORF (fh). Der erfahrene Burgdorfer Notarzt Dariusz Nowak hat das nur allzu oft selbst miterlebt: Ein Patient hat einen schweren Herzinfarkt erlitten und ist nicht mehr ansprechbar. Bei der Einlieferung kann Nowak seinen Kollegen im Krankenhaus keinerlei Infos liefern - weder zu Vorerkrankungen, noch zu Medikamenten und Allergien. Und auch zu einer möglichen Patientenverfügung oder wichtigen Kontaktpersonen kann er keine Angaben machen. "Die Ärzte in den Kliniken haben oft geschimpft, wenn ich quasi mit leeren Händen ankam", erinnert er sich.
Deshalb war er sofort begeistert, als der Seniorenrat und das DRK Burgdorf ihm ihre Idee einer digitalen Notfallkarte vorstellten. Sie ist knallrot, aus Plastik, passt in jedes Portemonnaie und verfügt über einen integrierten USB-Stick, den Ärzte am Computer auslesen können. Darauf können die Nutzer alle wichtigen Daten und Dokumente abspeichern, die im medizinischen Notfall schnell verfügbar sein müssen. Nowak zufolge könne das nicht nur Leben retten, sondern spare zudem auch noch wertvolle Zeit in den häufig überfüllten Notaufnahmen.
Doch was ist eigentlich relevant für den Notfall? Bei eben dieser Frage hat der Seniorenrat sich von Nowak beraten lassen. Dafür hat der Mediziner auf Grundlage seiner Erfahrung und im Gespräch mit Kollegen mehrere Vordrucke entworfen, die jetzt als PDF-Dateien auf dem Stick mitgeliefert werden. Herzstück ist ein zweiseitiges Infoblatt mit Angaben zu Kontaktpersonen, Krankenversicherung, Vollmachten sowie den wichtigen Medikamenten, Allergien und Diagnosen. Zusätzlich empfiehlt Nowak, auf der digitalen Notfallkarte relevante Arztbriefe und Befunde, Impfpass, Organspendeausweis und die Patientenverfügung zu hinterlegen.
Und auch für all diejenigen, die mit "USB" und "PDF" wenig anfangen können oder keinen eigenen Computer besitzen, hat sich der Seniorenrat etwas einfallen lassen. Denn er hat das Burgdorfer Freiwilligenzentrum mit ins Boot geholt. Dort wird ein Team um den Bundesfreiwilligendienstler Gerd Müller Ratsuchende unterstützen. "Wer Hilfe braucht, kann einfach die nötigen Dokumente in Papierform mitbringen. Wir scannen sie ein und speichern sie ab", verspricht Müller.
Den Nutzern drückt dann die die fertig eingerichtete Notfallkarte mit allen wichtigen Daten in die Hand. Aber wie ist sichergestellt, dass die Ärzte die digitale Notfallkarte auch finden und etwas damit anzufangen wissen? Dafür hat Dariusz Nowak seine guten Kontakte zu Kollegen genutzt. Schnell konnte er die Direktorin des Klinikums Ost der Region Antje Hoffmann und Ralf Antabi vom DRK-Regionsverband von dem Konzept überzeugen. So sollen jetzt alle Krankenwagen des DRK-Rettungsdienstes Region Hannover mit entsprechenden Lesegeräten für die Karten ausgestattet werden. Und auch die Ärzte der Regionskliniken in Lehrte und Großburgwedel sind im Bilde und wollen mit der Notfallkarte arbeiten.
Bleibt noch eine letzte Frage: Sind die teils sehr intimen Daten auf der digitalen Notfallkarte sicher oder ist mit Missbrauch zu rechnen? Die Antwort ist relativ simpel: Solange das Portemonnaie nicht verloren geht, kann wenig passieren. Denn alles wird ausschließlich auf der Karte gespeichert - und nicht etwa über das Internet übermittel. "Jeder hat die volle Kontrolle über seine Daten und entscheidet, was er hinterlegt und was er wieder löscht", beschreibt der Seniorenratsvorsitzende Wolf Büttner den Vorteil der Karte. Allerdings: Wenn jemand anders die Karte findet, kommt er problemlos an alle Daten heran; ein Passwortschutz ist nicht vorgesehen.
Für zu Hause empfiehlt Nowak zusätzlich zur Notfallkarte auch einen Notfallordner, in dem alle wichtigen Dokumente in Papierform abgeheftet werden. "Dort findet der Arzt dann alles auf Anhieb ganz ohne Computer", erläutert Nowak. Auch eine Nofalldose, die im Kühlschrank deponiert wird, sei hilfreich. Diese beiden Varianteneigneten sich aber nicht für unterwegs. "Und genau da kommt dann die digitale Notfallkarte ins Spiel", sagt er.
Wer die digitale Notfallkarte am liebsten sofort einsetzen möchte, muss sich übrigens noch ein bisschen gedulden. Für den Mittwoch, 27. März, lädt der Seniorenrat zu einer Infoveranstaltung ein. Sie beginnt um 16 Uhr im DRK-Aktiv-Treff, Wilhelmstraße 1b. Von da an sollen die Notfallkarten erhältlich sein; sie kosten 15 Euro.