Aktion gegen die Todesstrafe

Mazen Assi (links) und Erika Büchse setzen sich gegen die Todesstrafe ein.

Die Burgdorfer Ortsgruppe von Amnesty International erregt Aufmerksamkeit und sammelt Unterschriften

BURGDORF (fh). Mit einer provokanten Aktion hat die Burgdorfer Ortsgruppe von Amnesty International (AI) auf die Schrecken der Todesstrafe aufmerksam gemacht: Die Vorsitzende Erika Büchse hatte dafür eine lebensgroße Holzfigur mit einem Strick an einen Baum vor dem Rathaus I an der Marktstraße gehängt. Die Augenpartie der Puppe war mit einem schwarzen Tuch verdeckt. "Damit wollen wir Aufmerksamkeit erregen und das Thema ins Bewusstsein bringen", so Büchse.
Die Holzfigur in den Baum zu hängen, sei gar nicht so einfach gewesen. Sie habe dabei Unterstützung von Mazen Assi bekommen. Der gebürtige Syrer lebt seit vier Jahren in Deutschland. Erika Büchse hat ihn im Flüchtlingswohnheim kennengelernt, wo sie ehrenamtlich Deutschkurse gegeben hat. "Seitdem packt er immer mit an, wenn wir Unterstützung brauchen", lobt Büchse. Die Arbeit von Amnesty liege ihm am Herzen. "Es ist eine Organisation, die Menschen in aller Welt zu ihren Rechten verhilft", begründet Assi.
Für die Aktion am Internationalen Tag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober hatte die AI-Gruppe die Holzfigur zweckentfremdet. Denn ursprünglich sollte die Figur aufgestellt und nicht gehängt werden. "Jugendliche aus Uetze hatten sie hergestellt, um auf die Menschenrechte aufmerksam zu machen", erläutert Büchse. Deshalb sind auf dem gesamten Körper kleine Felder mit Nummern eingezeichnet, die auf die Artikel der Menschenrechtserklärung verweisen. "Aber insofern passt das auch gut zu unserem Einsatz gegen die Todesstrafe", ist Büchse überzeugt. Schließlich widerspreche sie dem Recht auf Leben (Artikel 3) und dem Recht, keiner grausamen Strafe unterworfen zu sein (Artikel 5).
Drei Stunden lang, von 10 bis 13 Uhr, sammelte die Gruppe neben dem Baum Unterschriften gegen die Todesstrafe in Ghana. Das war Teil einer bundesweiten Aktion. "Der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Markus N. Beeko, wird Mitte Oktober nach Ghana fliegen und die Listen überbringen", so Büchse. Eigentlich sei die Aktion schon abgeschlossen gewesen. "Aber ich habe ausgehandelt, dass ich sie noch nachreichen kann. Der Briefumschlag liegt schon beschriftet und frankiert bereit", sagte Büchse.
Ziel ist es, den derzeitigen Hinrichtungsstopp in ein formelles Aussetzen der Strafe umzuwandeln. Denn auch wenn sie in dem afrikanischen Land seit einigen Jahren nicht mehr vollstreckt wurde, sind dort zur Zeit nach Informationen von Amnesty International noch 172 Menschen zum Tode verurteilt. Die Chancen stünden nicht schlecht, dass die Aktion Erfolg habe, ist Büchse überzeugt. "Bei großen Ländern wie Russland oder China ist das schwierig. Aber bei kleineren Ländern bewirkt der internationale Druck meistens etwas", schildert die Gruppensprecherin ihre Erfahrungen.
Die Burgdorfer AI-Gruppe hat zur Zeit zehn Mitglieder und trifft sich einmal im Monat. "Wir würden uns freuen, auch junge Leute für unsere Arbeit zu begeistern. Denn wir brauchen dringend Nachwuchs", sagt Büchse. Sie selbst unterstützt Amnesty International seit rund 35 Jahren, wirkt seit 25 Jahren aktiv in der Gruppe mit und ist seit zwölf Jahren Sprecherin.