Absagen häufen sich

Das Konzert der Kantorei in der St.-Pankratius-Kirche fällt aus.
 
Vorsichtsmaßnahmen bei Regiobus: Die Fahrer verkaufen keine Tickets mehr, und der Einstieg ist nicht mehr an der vorderen Tür möglich.

Auch mehrere kleinere Veranstaltungen vor Ort fallen aus / Busfahrer verkaufen keine Fahrkarten mehr / Besuchsverbot in den Krankenhäusern

BURGDORF/UETZE (fh). Als vor zwei Wochen in Eltze der regionsweit erste Corona-Fall aufgetreten ist, waren die Auswirkungen auf das öffentliche Leben noch überschaubar: Die engen Kontaktpersonen wurden unter Quarantäne gestellt, Grundschule und Kita in Eltze und die Grundschule in Uetze blieben für einen Tag geschlossen, der Dorfball und einige wenige Versammlungen in der Ortschaft wurden abgesagt. Ansonsten lief im Großen und Ganzen alles weiter wie bisher! Selbst in Eltze beschrieb Ortsbrandmeister Ralf Boeck die Atmosphäre als "business as usual".
Das hat sich in den vergangenen Tagen schlagartig geändert: Bund, Länder und Kommunen wollen alles daran setzen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen beziehungsweise zu verlangsamen. So hat die Niedersächsische Landesregierung am Freitag beschlossen, alle Schulen und Kitas ab Montag inklusive der Osterferien für insgesamt fünf Wochen zu schließen. Dieser Maßnahme hat sich auch die Musikschule Ostkreis Hannover angeschlossen, die damit einer Empfehlung des Landesverband der niedersächsischen Musikschulen folgt. Die Stadt Burgdorf bittet außerdem alle Bürger, nur in dringenden Fällen in den Rathäusern zu erscheinen und ihre Anliegen möglichst telefonisch zu klären.
Auch schon vorher waren die Vorsichtsmaßnahmen wegen des Coronavirus massiv verschärft worden: Nachdem sechs Fälle in der Landeshauptstadt Hannover bestätigt worden waren, untersagte die Region am Dienstag zunächst bis zum 22. März sämtliche Großveranstaltungen ab 1000 Personen, einen Tag später zog das Land Niedersachsen mit einem entsprechenden Erlass nach. Landesgesundheitsministerin Carola Reimann hat außerdem empfohlen, auch bei kleineren Veranstaltungen sehr genau abzuwägen.
Zu Absagen kommt es deshalb nicht nur in der Tui-Arena oder in der Swiss-Life-Hall in Hannover, sondern ebenso vor Ort in Burgdorf und Uetze. So ist bereits gestern Abend die Tanzshow der Turngruppen des SV Hertha Otze ausgefallen, ebenso ihre heutige Aufführung. Auch die Theater-AG des Gymnasiums Uetze am 19., 20. und 21. März sind gestrichen. Das Akkordeon-Orchester Hohner-Ring sagt seine für den morgigen Sonntag, 15. März, geplante traditionelle Märzmusik ebenfalls ab - trotz der langen Vorbereitung, inklusive Probenwochenende.
Das gleiche gilt für den Auftritt der Burgdorfer Kantorei, die ebenfalls am morgigen 15. März die Matthäus-Passion von Johann-Sebastian Bach aufführen wollte. Mehr als ein Jahr lang hatten sie intensiv auf das dreistündige Konzert hingearbeitet, das sie nun schweren Herzens ausfallen lassen.
Damit folgen die St.-Pankratius-Gemeinde und ihre Kantorei den Handlungsempfehlungen der Landeskirche Hannover, die der Kirchenkreis Burgdorf in vollem Umfang beherzigt: Während die sonntäglichen Gottesdienste weiter stattfinden, empfiehlt Superintendentin Sabine Preuschoff dringend, alle Konzerte abzusagen. Auch werde überlegt, die Konfirmationen in den Gemeinden des Kirchenkreises zu verschieben oder für einzelne Konfirmanden im Familienkreis abzuhalten.
Und nicht nur der Kirchenkreis, auch die Stadt Burgdorf hat Konsequenzen gezogen aus dem Erlass des Gesundheitsministeriums und den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts: So hat sie die für den 17. März geplante "Offenen Gesprächsrunde für Menschen mit Handicap" abgesagt. Bis zum 20. März fallen außerdem alle Ausschusssitzungen der Ratspolitiker aus. Betroffen sind davon Feuerwehr-, Sozial-, Bau- und Verkehrsausschuss.
Das seien Vorsichtsmaßnahmen, um die Ausbreitung präventiv zu verhindern beziehungsweise zu verlangsamen. "Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Infektionsgeschehens gilt auch für sehr kleine Veranstaltungen, für die kein generelles Veranstaltungsverbot ausgesprochen wurde, sorgfältig alle Risiken abzuwägen. Mögliche Ansteckungsfälle gilt es auf ein Minimum zu reduzieren", heißt es in der Begründung. Die Stadt empfiehlt daher, sich auch bei privaten Feierlichkeiten nach dieser Maßgabe zu richten.
Die Vorsichtsmaßnahmen aufgrund des Coronavirus wirken sich auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens aus: Wer in der Burgdorf, Uetze oder anderen Regionskommunen mit dem Bus unterwegs ist, darf beispielsweise nicht mehr vorne einsteigen, sondern soll die hinteren Türen nutzen. Die Tickets können auch nicht mehr beim Fahrer, sondern nur noch am Automaten, in den allgemeinen Service-Stellen und mit dem Handy über die GVH-App gekauft werden. Das soll die Ansteckungsgefahr für die Regiobus-Mitarbeiter reduzieren. Aus diesem Grund ist auch die erste Sitzreihe in den Bussen abgesperrt.
Eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Patienten in den Krankenhäusern dürfen keinen Besuch mehr empfangen. Das gilt auch für auch für die Standorte des Klinikums Region Hannover (KRH) in Großburgwedel und Lehrte. Bisher war das nur eine Empfehlung, nun besteht ein Besuchsverbot. "Das dient dem Schutz der Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken", heißt es zur Begründung.
Insgesamt waren, Stand Donnerstagabend, 45 Corona-Fälle in der Region bestätigt; insgesamt 350 Personen standen unter Quarantäne. Zuletzt sind täglich neue Infektionen hinzugekommen. Im Bereich des Altkreises gab es zusätzlich zu den zehn Infektionen in Uetze nun auch eine in Burgwedel und zwei in Isernhagen. Gegenüber den über 1000 Grippeinfektionen, die die Region in dieser Saison verzeichnet hat, sind diese Zahlen aber noch verschwindend gering.