30 Jahre Gemeindearbeit

In drei Alben hat Ruth Beneke Erinnerungsfotos von den Radtouren gesammelt und schaut sie sich immer wieder gern an.
 
Bevor sie mit der Gruppe auf Tour geht, fährt Ruth Beneke vorher jede Strecke mindestens einmal mit dem Fahrrad ab. Ihr Mann Ernst-August begleitet sie jetzt meistens dabei.

Ruth Beneke erhält für ihr ehrenamtliches Engagement die Verdienstmedaille des Bundes

BURGDORF (fh). Als sie vor ein paar Wochen den Umschlag von der Region Hannover aus dem Briefkasten angelte, habe sie zuerst an einen Bußgeldbescheid gedacht, erinnert sich Ruth Beneke. Um so größer war dann ihre Freude über den tatsächlichen Inhalt des Schreibens: Sie erhält die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Damit wird ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement vor allem in der St.-Pankratius-Gemeinde gewürdigt. Die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz hat ihr die hohe Auszeichnung gestern in einer Feierstunde im Regionshaus in Hannover überreicht (nach Redaktionsschluss).

Jeden Monat eine Radtour

Eine besondere Herzensangelegenheit ist der 67-Jährigen bis heute die Radfahrgruppe für Senioren, die sie im Jahr 2000 unter dem Motto "Kirche in Bewegung" ins Leben gerufen hat. Einmal im Monat machen sich die Teilnehmer auf den Weg, meist zu einer Kirche, einer Kapelle oder einem Museum. Und immer sorgt Ruth Beneke dafür, dass sie vor Ort eine kleine Führung bekommen und etwas über die Geschichte und Besonderheiten erfahren. "Wenn ich mir ein Ziel ausgesucht habe, überlege ich zuerst, ob ich dort einen Ansprechpartner kenne", erläutert Beneke. Fast immer fallle ihr jemand ein. Schließlich hat sie in ihrer Zeit beim Kirchenkreistag von 2001 bis 2007 viele Kontakte in den zugehörigen Gemeinden geknüpft.
Doch damit ist die Planung für Beneke noch lange nicht abgeschlossen: Mindestens einmal fährt sie jede Strecke vorher mit dem Fahrrad ab, um sicher zu gehen, dass die Tour in der vorgesehenen Zeit zu bewältigen ist, die Wege in gutem Zustand sind und sie sich später mit der Gruppe nicht verfährt. Früher habe sie diese Ersterkundungen oft zusammen mit einer Freundin gemacht; seit ihr Mann Ernst-August Beneke, im Ruhestand ist, begleitet er sie meistens.
Nur selten wiederholt sie mit der Gruppe eine besonders schöne Tour. Wie beispielsweise die Fahrt zu den Seerosenteichen im Burgdorfer Holz, die die Teilnehmer jedes Jahr wieder machen möchten. Meistens steuert sie hingegen neue Ziele an. Im Laufe der 19 Jahre sind so eine ganze Reihe von Radtouren zusammengekommen. Davon zeugen auch drei Fotoalben, in denen Beneke die Handzettel zu den einzelnen Touren aufhebt, und dahinter jeweils einige Erinnerungsfotos. "Ich freue mich immer, wenn ich sie mal wieder durchblicke und an all die schönen Ausflüge zurückdenke", so Beneke.

Immer wieder neue Ehrenämter

Ihr Engagement bei der St.-Pankratius-Kirche hat aber nicht erst mit den Radtouren begonnen, sondern geht schon viel weiter zurück. Vor 30 Jahren hat sie dort auf Initiative der damaligen Diakonin Edeltraud Maxeiner die Familiennachmittage aufgebaut. Bis 1996 hat sie dafür das breit gefächerte Freizeitprogramm mit Spiel- und Bastelangeboten und Ausflügen geplant. "Mit der Zeit ist das richtig groß geworden. Am Wochenende zogen wir teilweise mit 50 Leuten los", erinnert sie sich. Als die Kinder älter wurden, sei das Angebot dann eingeschlafen.
Doch Ruth Beneke hatte ohnehin immer mehrere Ehrenämter gleichzeitig und wenn eines endete, dauerte es nie lange, bis wieder ein neues dazukam. "Es gibt so vieles, was man machen kann. Ich schaffe es gar nicht alles umzusetzen, was ich im Kopf habe", sagt sie. Im Jahr 2007 hat sie beispielsweise "Kirchen Sommergarten" initiiert, um das Gemeindehaus an der Lippoldstraße zu beleben. Dieses Projekt wird mittlerweile von anderen Ehrenamtlichen fortgeführt.

Keine Zeit für Langeweile

Bereits einige Jahre zuvor, 2002, war Beneke Mitbegründerin der Senioren Café Stube im Paulus-Kirchenzentrum in der Südstadt. Von 2003 bis 2012 organisierte sie Jahr für Jahr die dreitägige Winterfreizeit nach Bad Bevensen. Und bis zu diesem Frühjahr hat sie zusammen mit einer weiteren Ehrenamtlichen den Seniorenkreis der St.-Pankratius-Gemeinde geleitet, der sich einmal wöchentlich immer mittwochs getroffen hat. Von 1994 bis 2012 hat sie außerdem als Mitglied im Kirchenvorstand und viele Jahre lang als Kirchenvorsteherin das Gemeindeleben mitgestaltet.
Langeweile sei jedenfalls nie aufgekommen. Zumal sie und ihr Mann drei Kinder großgezogen haben und Ruth Beneke nach einer Erziehungspause auch wieder in ihren Beruf einstieg. "Irgendwie haben wir das immer alles hinbekommen. Im Nachhinein wundert man sich manchmal", sagt sie. Und ihr Mann ergänzt: "An manchen Tagen haben wir uns Zettel geschrieben, weil wir uns zu Hause immer verpasst haben."
Denn auch er war nicht nur bei der Burgdorfer Stadtverwaltung beschäftigt, sondern engagierte sich außerdem ehrenamtlich bei der Feuerwehr und war viele Jahre lang Ortsbrandmeister. Die beiden Söhne folgten seinem Beispiel und traten bei der Jugendfeuerwehr ein. "Aber ich wollte lieber etwas anderes machen. Es muss ja nicht die ganze Familie zur Feuerwehr", sagt Ruth Beneke mit einem Augenzwinkern. Und so habe sie sich für das Engagement bei der Kirche entschieden. "Wo man sich einsetzt, ist doch letztlich egal. Wichtig war mir aber immer, etwas für das Allgemeinwohl zu tun", resümiert sie.