24 Jahre für die Kirche im Stadtteil

Matthias Paul verabschiedet sich nach 24 Jahren von der St.-Paulus-Gemeinde.
 
Der stellvertretende Superintendent Dirk Jonas (von links) dankt Matthias Paul für die geleistete Arbeit und überreicht ihm als Abschiedsgeschenk eine Maurerkelle.

Pastor Matthias Paul verabschiedet sich von der St.-Paulus-Gemeinde

Burgdorf (fh). Nach fast 24 Jahren hat sich Pastor Matthias Paul von seiner St.-Paulus-Gemeinde verabschiedet. Mit viel Abstand, Masken und vorheriger Anmeldung sind Familie, Freunde und Gemeindemitglieder aus diesem Anlass zum Gottesdienst zusammengekommen. Musikalisch begleitet wurde er von Matthias Schorr (Violine), Thomas Hildebrand (Violine) und Jan Hildebrand (Orgel). "Ich bin froh, dass es trotz der Corona-Epidemie kein ganz lautloser Abschied ist", betonte die Vorsitzende des Kirchenvorstands Annegret Oelschlägel.
Seine letzte Predigt als Pastor der St.-Paulus-Gemeinde Burgdorf hat Matthias Paul aufgrund der besonderen Situation gleich zweimal gehalten. Denn bei der offiziellen Verabschiedung des Kirchenkreises am Nachmittag war die Platzzahl stark begrenzt. Damit trotzdem möglichst viele Gemeindemitglieder daran teilhaben konnten, gestaltete Paul deshalb zusätzlich schon am Sonntagmorgen einen kleinen Abschiedsgottesdienst, in dem er die gleiche Predigt hielt.
Darin griff er eine Frage auf, die er auch bei seinem Einführungsgottesdienst in der Gemeinde vor mehr als 20 Jahren gestellt hatte: "Was wäre wohl, wenn Jesus heute hier bei uns durch die Südstadt ginge?" Paul skizzierte, wie er über den Friedhof am Niedersachsenring ginge, die Hochhäuser am Berliner Ring ebenso besuchte wie die Neubausiedlung An den Hecken, mit den Jugendlichen im Südstadtbistro ins Gespräch käme und auch mit den Gefangenen in der JVA-Abteilung am Peiner Weg. "Und vielleicht würde er sich, so wie zu den beiden Männern am Beginn des Johannes-Evangeliums, zu uns umwenden und fragen: Was sucht ihr?"
Eben diese Frage beschreibe auch Pauls Arbeit in der Südstadt, betonte Pastor Dirk Jonas in seiner Abschiedsrede. Als stellvertretender Superintendent dankte er ihm im Namen des Kirchenkreises für seinen jahrzehntelangen Einsatz in der St.-Paulus-Gemeinde. Der diakonische Gedanke habe für ihn immer eine große Bedeutung gehabt, also der der Auftrag der Kirche, Menschen durch soziale Arbeit zu unterstützen. "Dabei wollte er aber nicht bevormunden und aus überlegener Position das aufzwängen, was vermeintlich gut für die Ratsuchenden war, sondern sie selbst zum Handeln ermächtigen", betonte Jonas. Auch er habe also gewissermaßen gefragt: Was sucht ihr?
Das Paulus-Kirchenzentrum wurde vor 48 Jahren eingeweiht und etwa die Hälfte dieser Zeit habe Matthias Paul die Gemeinde als Pastor ganz wesentlich geprägt. Für ihn habe die Kirche nicht irgendwo außerhalb gestanden, hoch oben auf einem Hügel, sondern mitten im Stadtteil als Akteur in der Zivilgesellschaft. "Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne hat er in der Südstadt Räume dafür geöffnet, dass Menschen mit ihren Ideen kommen und sich einbringen können", so Jonas. Matthias Paul habe die Gemeinwesenarbeit gefördert, initiiert und gestützt.
Auf diese Weise habe sich die St.-Paulus-Gemeinde in den zurückliegenden 24 Jahren auch immer wieder neu erfunden und neuen Herausforderungen gestellt. Es sei vergleichbar mit einem Gebäude, das nie ganz fertig ist. "Es wird immer weiter an- und umgebaut, Altes abgerissen, auch mal eine Zeit brachliegen gelassen und neu gebaut", beschrieb Jonas. Daran habe Matthias Paul in der Südstadt-Gemeinde federführend mitgewirkt.
Zusätzlich zu einem Buch als offizielles Abschiedsgeschenk überreichte Jonas ihm deshalb eine Maurerkelle und schlug damit zugleich den Bogen in die Zukunft: Denn Matthias Paul tritt eine Stelle als Berufsschulpastor an der BBS 3 in Hannover an, die für Berufe am Bau ausbildet.