150 Jahre Ortsfeuerwehr Burgdorf

Ortsbrandmeister Florian Bethmann (hinten, von links) überreich Bürgermeister Armin Pollehn das Buch "112... nicht nur wenn's brennt" zum 150-jährigen Bestehen der Ortsfeuerwehr Burgdorf. Die Autoren Heidi Rust (vorne, von links) und Dieter Heun haben etwa ein Jahr lang daran gearbeitet. (Foto: Stadt Burgdorf)
 
Das Buch "112... nicht nur wenn's brennt" umfasst 242 Seiten im A5-Format. (Foto: r)

Zum Jubiläum haben Dieter Heun und Heidi Rust ein stadtgeschichtliches Buch verfasst

Burgdorf (r/fh). Die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben Dieter Heun und Heidi Rust ihr jetzt ein stadtgeschichtliches Buch mit dem Titel "112... nicht nur, wenn's brennt" gewidmet.
"Es ist keine klassische Chronik und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit", betonen die Autoren. Sie schildern darin die Vorgeschichte und Entwicklung der Burgdorfer Ortsfeuerwehr, versammeln aber auch spektakuläre Einsätze, außergewöhnliche Ereignisse und kuriose Details aus früheren Zeiten.
Darauf deutet schon der Untertitel "Die Burgdorfer Feuerwehr wie man sie nicht kennt" hin. So erfahren die Leser beispielsweise, dass die Burgdorfer Feuerwehr zwar viele Jahrzehnte lang nur männliche Mitglieder hatte, ihre ersten Uniformen aber von einem Damenschneider angefertigt wurden und dass ein 1882 gebauter Schlauchturm schon nach einem Jahr wieder zusammenbrach.
Außerdem wissen die Autoren zu berichten, dass bei großen Bränden mitunter nicht nur das Feuer, sondern auch der eigene Durst gelöscht wurde, weshalb ab 1826 bei solchen Ereignissen Aufseher in die Wirtshäuser geschickt wurden, um Exzesse zu verhindern.
Ortsbrandmeister Florian Bethmann zeigt sich von dem Ergebnis begeistert.
Er habe Dieter Heun und Heidi Rust angesprochen, weil er jemanden suchte, der sich mit stadtgeschichtlichem Hintergrundwissen durch das umfangreiche Archiv der Feuerwehr wühlen und eine Jubiläumsschrift verfassen könnte.
"Ursprünglich hatte ich an eine Chronik gedacht, aber die die Autoren haben mich davon überzeugt, dass sie bei den meisten doch nur im Bücherschrank einstauben würde", erinnert sich Bethmann und ergänzt: "Stattdessen wollten sie ein Buch schreiben, das wirklich gelesen wird. Und das ist ihnen hervorragend gelungen!"
In ihrem Vorwort räumen Heun und Rust ein, dass sie zunächst etwas gezögert hätten, als Bethmann auf sie zugekommen sei. Denn vor der Arbeit an dem Buch hätten sie von Feuerwehr "null Ahnung" gehabt. "Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass dies nicht nachteilig war. Denn es garantiert unverfälschte Neugier und Unbefangenheit", schreiben sie. So seien sie auch etlichen Fragen nachgegangen, auf die "kein vernünftiger Feuerwehrangehöriger kommen würde".
Etwa ein Jahr lang haben sie an dem Buch gearbeitet und dafür eine Fülle an Informationen und Anekdoten aus alten Urkunden und Aufzeichnungen, Zeitungsberichten und Gesprächen mit Feuerwehrleuten zusammengetragen.

Von 1871 bis 2021


Die Gründungsversammlung der Ortsfeuerwehr Burgdorf fand am 29. Oktober 1871 auf Initiative des Kaufmanns Heinrich Niemack und des Druckereibesitzer Wilhelm Rumpeltin statt. Bis dahin war die Brandbekämpfung lange Zeit Aufgabe aller Einwohner ab 16 Jahren gewesen und deshalb mitunter reichlich unkoordiniert und chaotisch verlaufen.
Um Feuerleitern und andere nützliche Geräte anschaffen zu können, musste damals jeder heiratswillige Mann in der Stadt vor der Hochzeit in einen Feuerwehr-Fonds einzahlen. Außerdem waren Neubürger im 17. Jahrhundert verpflichtet, als Einstand unter anderem einen ledernen Feuereimer mitzubringen.
Die Autoren berichten auch über die herausragenden Feuerwehreinsätzen zurückliegenden Jahrzehnte: 1960 entgleiste in Ehlershausen ein Güterzug, der mit brennbarem Gefahrengut beladen war. Und nur ein Jahr später verhinderte die Ortsfeuerwehr, dass der Brand eines Fachwerkhauses an der Mittelstraße auf die ganze Altstadt übergriff. Als Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit nennen sie das Feuer im Pfarrwitwenhaus im Jahr 2006.
Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sind aber nicht nur zur Stelle, wenn es Brandkatastrophen zu verhindern galt. 1985 haben sie beispielsweise bei zehn Grad Minus mehrere Stunden lang Wasser auf den zugefrorenen Schwanenteich gespritzt, um aus der buckeligen und beschneiten Oberfläche eine spiegelglatte Eisbahn für Schlittschuhläufer zu machen. Und im Dürresommer 1992 organisierte sie mit ihrem Tankwagen eine regelmäßige Bewässerung für die Straßenbäume.
Auch von den internationalen Ausflügen der Ortsfeuerwehr berichten die Autoren. Zu ihrem 40-jährigen Bestehen im Jahr 1911 nahm sie beispielsweise an einem Feuerwehrwettkampf bei der Weltausstellung in Turin teil. Dort gewann sie eine Silbermedaille und einen Pokal, der jahrzehntelang als verschollen galt und erst 2017 wieder aufgetaucht ist. Und 1992 flog eine Abordnung der Burgdorfer Feuerwehr nach New York und zog bei der traditionellen deutsch-amerikanischen Steuben-Parade über die Fifth Avenue.
Das Buch "112... nicht nur wenn's brennt. Die Burgdorfer Feuerwehr wie man sie nicht kennt" umfasst 242 Seiten im A5-Format und kostet 15 Euro. Es ist bei Bleich Drucken und Stempeln (Braunschweiger Straße 2), bei den Buchhandlungen FreyRaum (Marktstraße 59) und Wegener (Marktstraße 65) sowie an den Info-Theken im E-Center Cramer (Weserstraße 2 und Uetzer Straße 14-15) erhältlich.


Die Ortsfeuerwehr Burgdorf


Die Ortsfeuerwehr Burgdorf gliedert sich in fünf Abteilungen: Kinderfeuerwehr, Jugendfeuerwehr, Einsatzabteilung, Alters- und Ehrenabteilung sowie den Musikzug. Seit 2014 wird sie von Florian Bethmann als Ortsbrandmeister geleitet. Die insgesamt rund 250 Mitglieder verrichten ihren Dienst komplett ehrenamtlich. Die 81 Männer und 14 Frauen der Einsatzabteilung rücken jedes Jahr zu etwa 280 Einsätzen aus. Dafür stehen ihnen zehn Fahrzeuge zur Verfügung.