100 Jahre SV Ramlingen-Ehlershausen

Eine frühe Elf des SV Ramlingen-Ehlershausen mit dem Gründungsvorsitzenden Heinrich Könecke (hintere Reihe, 3. von rechts). (Foto: RSE/Archiv)
 
Winfried Leinweber hat die Chronik "Der Ball. Das Dorf. Der RSE" zum 100-jährigen Bestehen des Vereins verfasst. (Foto: privat)

Der Verein hat zu seinem Jubiläum eine umfangreiche Chronik zur Klub- und Dorfgeschichte veröffentlicht

Ramlingen/Ehlershausen (fh). Der SV Ramlingen-Ehlershausen (RSE) wird im Sommer 100 Jahre alt. Ob der Verein seinen besonderen Geburtstag am 5. Juni gebührend feiern kann, ist angesichts der Corona-Epidemie ungewiss. In jedem Fall aber können sich Mitglieder, Fans und alle anderen Interessierten schon jetzt auf das Jubiläumsjahr einstimmen. Denn kürzlich ist die umfangreiche Chronik „Der Ball. Das Dorf. Der RSE“ erschienen.
Auf rund 110 Seiten erzählt der Autor Winfried Leinweber darin nicht nur von der Entstehung und Entwicklung des Vereins, sondern bezieht immer auch den zeit-, regional- und sportgeschichtlichen Kontext ein. „Vereine existieren nicht im luftleeren Raum. Sie sind wichtig für die Dorfgemeinschaft und erfüllen gesellschaftliche Aufgaben, beispielsweise für Jugendarbeit und Integration“, begründet Leinweber.
Aber auch die sportlichen Erfolge des RSE kommen dabei nicht zu kurz. Im hinteren Teil des Buchs stellt Leinweber außerdem die gegenwärtig bestehenden Herren- und Jugendmannschaften vor und widmet dem Porta-Pokal und den Spielen gegen Hannover 96 jeweils ein eigenes Kapitel.
Fast sein ganzes Berufsleben lang hat Leinweber als Sportjournalist für Bild und Sport-Bild gearbeitet. Seine Erfahrung und sein handwerkliches Können hat er nun auch bei der RSE-Chronik in die Waagschale geworfen. Von den ersten konzeptionellen Überlegungen, über die Recherche und das Schreiben, bis hin zum Druck hat er rund anderthalb Jahre an dem Buch gearbeitet. Und das komplett ehrenamtlich. „Das war für mich keine Pflichtübung. Es war wirklich spannend“, betont er.
Schließlich habe er sich schon als Kind und Jugendlicher nicht nur für Sport interessiert, sondern auch für Geschichte. Doch während er seine eine große Leidenschaft zum Broterwerb machte, trat die andere in den Hintergrund. Bis er vor rund vier Jahren eine Chronik zum 150-jährigen Bestehen des Hannoverschen Rennvereins verfasste. „Dadurch habe ich Kontakte zu Historikern der Leibniz-Universität geknüpft und an der Hochschule ein Seminar zur Dorfgeschichte besucht“, blickt er zurück.
Mit diesem Hintergrundwissen gerüstet, begann er nun seine Recherche zum SV Ramlingen-Ehlershausen. Auf eigene Erlebnisse konnte er sich dabei nicht stützen. Denn Leinweber selbst ist erst vor rund fünf Jahren nach Ehlershausen gezogen. Vorher war sein Lebensmittelpunkt über viele Jahre hauptsächlich in Hannover. Um so gründlicher durchforstete er nun all die Leitz-Ordner mit Schriftstücken, die der Verein im Laufe der Jahre gesammelt und aufbewahrt hat. „Seit Alfred Runge 1977 den Vorsitz übernahm, ist die Geschichte des RSE ziemlich gut dokumentiert“, schildert Leinweber.
Aus der Zeit davor und vor allem aus der Anfangsphase nach der Gründung 1921 sei hingegen vergleichsweise wenig bekannt gewesen. In den Stadtarchiven von Burgdorf und Celle sowie in der Außenstelle des Niedersächsischen Landesarchivs in Pattensen machte er sich deshalb auf die Suche nach neuen Quellen aus diesen Jahren. „Ich habe beispielsweise alle Ausgaben des Burgdorfer Kreisblattes von 1921 bis 1936 gesichtet“, beschreibt er.
Während über den sportlich damals dominanten Verein Viktoria Burgdorf dort regelmäßig und penibel berichtet wurde, seien Artikel über den SV Ramlingen-Ehlershausen in dieser Zeit jedoch rar. Auch über das spätere Verhältnis des Vereins zum NS-Regime ließen sich aufgrund der dünnen Quellenlage keine sicheren Schlüsse ziehen. Dennoch reißt Leinweber dieses dunkle Kapitel der Dorfgeschichte an. Er beschreibt, wie sich die nationalsozialistische Ideologie bereits 1933 mit Fackelzug, Sonnenwendfeier und anderen Veranstaltungen vor Ort manifestierte. Auch den Sport habe die Gleichschaltung zügig erfasst. „Ein Problem für Sportvereine wurde, dass die Hitlerjugend ihnen den Nachwuchs entzog“, schreit Leinweber. Und im Burgdorfer Kreisblatt sei nun weniger über Fußball berichtet worden, dafür deutlich mehr über militärische Wettkämpfe wie Gepäckmärsche.
Einige Hinweise zur frühen Vereinsgeschichte entnahm Leinweber auch der Schulchronik und einem von den Ramlinger Lehrern geführten Strafbuch. In letzterem fänden sich auffällig viele Namen, die später in frühen Mannschaften des Vereins wieder auftauchten. „Für Lehrer Jarfe dürften anfangs der zwanziger Jahre die Fußballer eher die Prügelknaben als brave Musterschüler gewesen sein“, resümiert Leinweber. Der Fußball sei zu jener Zeit in den Städten zwar schon weit verbreitet gewesen, habe es auf den Dörfern aber noch schwer gehabt. „Gleichwohl gehörten 1921 auch die Ramlinger Lausbuben mit ihrem neu gegründeten Klub im ländlichen Fußball noch zu den Vorreitern“, schreibt der Autor dazu.
Der RSE-Vorsitzende Jürgen Stern lobt das Ergebnis: „Es ist ein außergewöhnliches Buch geworden. Man erfährt beim Lesen nicht nur viel über unseren Verein und Fußball im Allgemeinen, sondern auch über die Dorfgeschichte“, beschreibt er. Er selbst habe es mit großem Interesse gelesen. „Seit ich 1999 den Vorsitz übernommen habe, habe ich mich vor allem um die Gegenwart und Zukunft gekümmert und mich nicht so sehr mit der Vergangenheit beschäftigt“, so Stern. Dementsprechend habe er selbst aus der Chronik noch eine ganze Menge gelernt.
Für Druck und Bindung des Buchs hat der Verein insgesamt einen fünfstelligen Betrag ausgegeben. „Dank der großartigen Unterstützung unserer Freunde und Sponsoren konnten wir diese Kosten aber komplett refinanzieren“, sagt Stern. Die Chronik ist in einer Auflage von 1500 Exemplaren erschienen. „Allein 600 davon habe ich an unsere Mitglieder und Förderer verschickt. Unser ganzes Haus war voller Pakete“, sagt Stern mit einem Schmunzeln. Darüber hinaus sei auch der Verkauf schon gut angelaufen.
Wer sich noch ein Exemplar sichern möchte, kann sich an den Vorsitzenden wenden, unter Telefon (0 50 85) 70 29.