100 Bücher für die Sommerferien

Die Leiterin der Stadtbücherei Andrea Nehmer-Rommel (links) und ihre Mitarbeiterin Canan Berse freuen sich auf den Julius-Club.

Stadtbücherei bietet Julius-Club für Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 14 Jahren an

Burgdorf (fh). Als Andrea Nehmer-Rommel und Canan Berse von der Stadtbücherei Burgdorf im vergangenen Herbst mit der Planung für den Julius-Club begonnen haben, hatten sie noch ganz andere Vorstellungen: Wie bei dem Projekt üblich, sollte es von Anfang Juli bis Anfang September eigentlich jede Woche ein Club-Treffen geben. Dafür hatten sie Aktionen mit unterschiedlichen Kooperationspartnern geplant, beispielsweise mit dem Unverpacktladen, einer Tagespflege und dem Bistro Glashaus. Doch wegen der Corona-Epidemie müssen die Teilnehmer nun auf all diese Veranstaltungen verzichten.
Den Julius-Club bietet die Stadtbücherei aber trotzdem an: Ab sofort können sich Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 14 Jahren dafür anmelden, die Flyer gibt es in der Stadtbücherei, in den Burgdorfer Schulen und Buchhandlungen. Bis zum 3. September stehen ihnen dann 100 Bücher zur Auswahl, die in einem separaten Regal im Untergeschoss zu finden sind. Angesichts der Corona-Epidemie sind außerdem zum ersten Mal auch alle Titel digital über die „Onleihe“ verfügbar.
Der Julius-Club ist ein Leseförderprojekt der VGH-Stiftung und der Büchereizentrale Niedersachsen. Jedes Jahr wählt eine Jury auf Landesebene dafür aktuelle Bücher aus, die ganz unterschiedliche Genres und Leseniveaus abdecken. „Im Fokus stehen dabei Themen, die Kinder und Jugendliche im Moment bewegen, wie beispielsweise Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Cybermobbing“, erläutert Nehmer-Rommel.
Nach dem Lesen können die Teilnehmer zu jedem Buch einen Bewertungsbogen ausfüllen. Für zwei bewertete Bücher gibt es eine Teilnehmerurkunde, bei fünf Büchern erhalten die Kinder und Jugendlichen ein Vielleser-Diplom und nehmen an einer Verlosung teil. Außerdem will die Stadtbücherei die Teilnehmer dazu ermutigen, sich in eigenen Texten oder Kurz-Videos kreativ mit den Inhalten und Themen der Bücher auseinandersetzen. „Sie können beispielsweise das Ende umschreiben, ein weiteres Abenteuer für eine der Hauptfiguren erfinden oder auch eine ganz eigene Geschichte zu Papier bringen“, skizziert Nehmer-Rommel die Möglichkeiten. Auch dafür gebe es kleine Belohnungen.
Dabei liegt es Andrea Nehmer-Rommel und Canan Berse am Herzen, nicht nur die Kinder und Jugendlichen zu erreichen, die sich sowieso mit einem Bücherstapel für die Ferien eindecken. „Der Julius-Club richtet sich gerade auch an diejenigen, die noch nicht solche Leseratten sind“, betonen sie. Das könnte in diesem Jahr wegen der Corona-Epidemie etwas schwieriger werden, denn eigentlich sollen gerade auch die Club-Treffen eine Brücke bauen und in die Bücherei locken. Sie hoffen aber, dass ihnen das auch unter den erschwerten Bedingungen gelingt.
Dafür haben sie das Projekt unter anderem in der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule vorgestellt. Ansonsten haben sie die Werbung in diesem Jahr aber etwas zurückgefahren, und das nicht nur wegen der Corona-Epidemie. „In den vergangenen Durchgängen hatten wir einfach zu viele Anmeldungen“, begründet Nehmer-Rommel. So habe es 2018 beispielsweise fast 90 Teilnehmer gegeben bei insgesamt 100 Büchern, von denen jeweils nur ein Exemplar vorhanden war. „Es ist aber frustrierend für die Kinder und Jugendlichen, wenn sie in die Bücherei kommen und dann kein Buch mehr da ist oder zumindest nichts, was vom Thema und vom Leseniveau her zu ihnen passt“, schildert die Leiterin der Stadtbücherei ihre Erfahrungen. Zwischenzeitlich habe sogar eine Nachbarbibliothek aus Lehrte ausgeholfen, damit das Julius-Club-Regal in Burgdorf nicht ganz leer laufe. „Es wäre also gar nicht schlecht, wenn die Gruppe in diesem Jahr etwas kleiner ist“, sagt sie.
Die Stadtbücherei Burgdorf bietet den Julius-Club schon seit vielen Jahren immer wieder an, allerdings nicht durchgängig. „Das ist für uns sehr arbeitsintensiv. Wir haben deshalb immer wieder pausiert, wenn bei uns andere große Projekte anstanden wie beispielsweise 2019 die Sanierung“, so Nehmer-Rommel.