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Kaum Platz für Windenergie?

Georg-Wilhelm Buchholz, Jörg Hattendorf und Carsten Grupe setzen sich für den Bau eines Windparks an der Immenser Landstraße ein.
  • Georg-Wilhelm Buchholz, Jörg Hattendorf und Carsten Grupe setzen sich für den Bau eines Windparks an der Immenser Landstraße ein.
  • hochgeladen von Franka Haak

Burgdorf (fh). Die politischen Forderungen nach dem Ausbau der erneuerbaren Energien sind lauter denn je: zum einen um die Klimaziele zu erreichen und zum anderen vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine auch, um sich von russischem Öl und Gas unabhängig zu machen. Doch was im Bundestag, im Landesparlament und auch vor Ort im Stadtrat breite Zustimmung erfährt, stößt schnell auf Hindernisse, wenn es um die konkrete Planung geht. Das zeigt sich jetzt auch in Burgdorf.

Region Hannover legt Entwurf vor

Die Region Hannover hat kürzlich einen Entwurf vorgelegt, auf welchen Flächen Windräder künftig vorrangig gebaut werden sollen. Jetzt laufen politische Beratungen und Beteiligungsprozesse dazu. „Der Vorschlag ist eine Enttäuschung für uns“, sagt Carsten Grupe. Er ist Nebenerwerbslandwirt und hat eine Fläche an der Immenser Landstraße im Burg­dorfer Stadtgebiet. Zusammen mit rund 40 weiteren Grundstückseigentümern aus diesem Bereich hat er sich zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen. „Wir setzen uns schon seit über 20 Jahren dafür ein, dort einen Windpark zu errichten. Damit verfolgen wir nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern wollen vor allem aus Überzeugung einen Beitrag zur Energiewende leisten“, sagt er. Doch nie wurde die Fläche in den Raumordnungsprogrammen auf Kreis- und später Regionsebene berücksichtigt.
Im neuen Entwurf taucht sie nun zwar auf, fällt allerdings deutlich kleiner aus, als von den Eigentümern angestrebt. Kürzlich hatte das Hannoversche Büro planGIS im Auftrag der Stadt Burgdorf eine Analyse vorgelegt und dort insgesamt acht Potenzialflächen für den Bau von Windrädern benannt. Das Areal an der Immenser Landstraße war dort mit rund 165 Hektar sogar die größte gewesen. Nur rund ein Viertel davon, nämlich 40 Hektar, will die Region nun als Vorranggebiet festlegen. „Wenn es dabei bleibt, ist es fraglich, ob sich das von der Größe und vom Flächenzuschnitt her wirtschaftlich überhaupt lohnt und ob sich dann ein Investor findet“, so Grupe.
Im Prinzip müsste sich die Stadt Burgdorf davon nicht beeindrucken lassen, sondern könnte dessen ungeachtet an der gesamten Fläche festhalten. Denn 2019 hatte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Festlegungen zur Windenergie im Regionalen Raumordnungsprogramm gekippt. In der Neufassung will die Region nun zwar wieder Vorranggebiete festlegen – allerdings ohne Ausschlusswirkung, sodass Kommunen die Möglichkeit bekommen, auch darüber hinaus weitere Flächen für Windenergie festzulegen.

Belange der Bundeswehr und des Artenschutzes

Allerdings begründet die Region den Ausschluss der restlichen 120 Hektar mit Tiefflugkorridoren für Bundeswehr-Hubschrauber in diesem Bereich. Und darüber könnte sich auch die Stadt nicht einfach hinwegsetzen. Während sich das Areal an der Immenser Straße dadurch verkleinert, finden vier der acht Potenzialflächen aus der Analyse von planGIS bei der Region Hannover gar keine Berücksichtigung: Denn die Gebiete bei Hülptingsen und Flaatmoor kollidierten ebenfalls mit Hubschraubertiefflugkorridoren.
Ähnlich verhalte es sich mit einer Fläche an der B3 bei Ehlershausen, auf der bereits Windräder stehen. Wegen der Nähe zum Heeresflugplatz Celle sei dort ein Repowering mit leistungsstärkeren, höheren Anlagen nicht möglich. Ein weiterer Hinderungsgrund seien Brutnachweise des Rotmilans. Mit Belangen des Artenschutzes begründet die Region auch den Ausschluss der Fläche bei Beinhorn. Dort komme der streng geschützte Schwarzstorch vor.
Die Region Hannover will auf dem Burgdorfer Stadtgebiet deshalb lediglich die Gebiete bei Schillerslage, Otze, Dachtmissen und das deutlich reduzierte Areal an der Immenser Landstraße als Vorranggebiete für Windenergie ausweisen. Auch die Stadt Burg­dorf muss in den weiteren Planungsschritten die Belange der Armee und des Artenschutzes einbeziehen. Zwar müssten die weiteren Analysen im Detail abgewartet werden, aber Regionssprecher Klaus Abelmann macht auf Nachfrage des Marktspiegels deutlich: „Auf Flächen, bei denen Hubschraubertiefflugstrecken zu einem Ausschluss führten, wird eine Windenergienutzung nicht möglich sein.“

Stadt will ihre Planung fortsetzen

Die Stadt will nach eigenen Angaben trotzdem daran festhalten, einen sachlichen Teil-Flächennutzungsplan Wind aufzustellen und darin nach Möglichkeit zusätzlich zu den Vorranggebieten der Region weitere Bereiche ausweisen. „Zu den Realisierungschancen können derzeit keine Prognosen abgegeben werden, da der Planungsprozess mit der Erstellung der Potenzialflächenanalyse erst begonnen hat“, teilt Stadtsprecher Sebastian Kattler auf Anfrage des Marktspiegels mit.
Beim Planungsprozess gebe es derzeit allerdings Verzögerungen. Als nächstes sollten eigentlich artenschutzrechtliche Belange auf den acht Flächen untersucht werden. Doch für 2022 habe die Stadt mangels Bewerbungen keinen Auftrag dafür vergeben können, sodass dies nun erst im nächsten Jahr möglich sei. „Um die Zwischenzeit zu nutzen, soll aber bereits ein Abgleich der Potenzialflächenanalyse Wind mit den Hubschraubertiefflugstrecken erfolgen, damit die Flächenkulisse weiter angepasst werden kann“, kündigt Kattler an.

Eigentümer fordern Überprüfung

Zumindest in Bezug auf die Immenser Landstraße zeigen sich die dortigen Flächeneigentümer skeptisch hinsichtlich der Interessen der Bundeswehr. „In den siebziger und achtziger Jahren wurden dort tatsächlich viele Übungsmanöver geflogen. Aber seit 30 Jahren ist da nichts mehr los“, sagt Landwirt Georg-Wilhelm Buchholz, der ebenfalls eine Fläche in dem Bereich besitzt. Im Sommer sei er dort täglich auf dem Feld. „Da findet kein großer Flugverkehr mehr statt“, sagt er. Das verhindere allein schon die nahe Autobahn.
Diese Einschätzung bestätigt auch Landwirt Jörg Hattendorf, der ebenfalls zur Interessensgemeinschaft gehört. Deshalb wünsche er sich eine genaue Überprüfung des Sachverhalts. „Zumal die Fläche ansonsten hervorragend geeignet ist“, sagt er und begründet: „Sie hat eine gute Windhöfigkeit. Und aufgrund der nahen Deponie, der Strommasten, der Landstraße und des Sandabbaus in der gegenüberliegenden Kiesgrube, kommt sie für viele andere Nutzungen gar nicht in Frage.“
Auch der Abstand zur Wohnbebauung sei ausreichend. „Und falls hier ein Windpark entstehen sollte, würden wir uns dafür einsetzen, dass auch die Bürger etwas davon haben“, so Hattendorf. Möglichkeiten seien zum Beispiel Bürgerstrom und Windsparbriefe für Kleinanleger. „Außerdem könnten wir das Projekt nutzen, um in Abstimmung mit dem Realverband das Radwegenetz im Grenzbereich zwischen Burgdorf und Lehrte auszubauen“, fügt Carsten Grupe hinzu.

Autor:

Franka Haak aus Burgdorf

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