Ja-Wort in besonderem Ambiente

Doris Knops-Vehling (rechts) zeigt Bürgermeister Armin Pollehn und seiner Mitarbeiterin Mareike Ripke die Alte Dorfschule in Heeßel.
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Burgdorf (fh). Das Burgdorfer Standesamt soll zwei neue Trauerzimmer bekommen: Voraussichtlich ab Juni können sich Paare auch in der Moormühle und in der Alten Dorfschule in Heeßel das Ja-Wort geben. Bis dahin sollen die beiden Gebäude noch gewidmet werden und offizielle Schilder erhalten. Außerdem werden standesamtliche Hochzeiten weiterhin im Rathaus I und im Altenteilerhaus in Otze möglich sein.
Kürzlich hatte die Stadt mit einer öffentlichen Ausschreibung nach neuen Orten für die Eheschließung gesucht. Aus mehreren Bewerbern seien dann zwei ausgewählt worden, die alle Kriterien erfüllten. Beide schaute sich Bürgermeister Armin Pollehn am Dienstag bei blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen an – Hochzeitswetter wie aus dem Bilderbuch.
Die Betreiber der Moormühle Christine Römer-Hellmann und ihr Mann Theo Hellmann waren mit der Idee an die Stadt herangetreten. „Bei uns werden viele Hochzeiten gefeiert, zum Teil auch mit einer freien Trauung. Immer wieder haben Paare gefragt, ob sie sich nicht auch gleich bei uns vor Ort standesamtlich das Ja-Wort geben können“, begründet Hellmann. Er freue sich, dass das künftig möglich sein werde.
Nach einer langen Durststrecke wegen der Corona-Epidemie gehe es nun wieder bergauf. „Von Mai bis Oktober haben wir jedes Wochenende ein bis zwei Hochzeiten hier“, sagt er. Vor rund sechs Jahren hat er die Moormühle zusammen mit seiner Frau übernommen. Gemeinsam haben sie den Gebäudekomplex saniert und umgebaut. „Wir haben da viel Kraft und Geld reingesteckt“, betont Hellmann. Nicht nur der große Veranstaltungsaal und die Hotelzimmer sind jetzt liebevoll gestaltet, auch die Außenanlage bietet mit großen Grünflächen, Teichen und romantischer Kutsche eine schöne Kulisse für Hochzeitsfeiern und Erinnerungsfotos.
Auch die Alte Dorfschule in Heeßel hat einen idyllischen Garten. Allerdings könnte der Verkehrslärm auf der Dorfstraße die feierliche Stimmung bei einer Zeremonie vor der Haustür ein wenig stören. „Das hängt aber von der Uhrzeit ab. Vormittags ist es hier deutlich ruhiger als abends während des Berufsverkehrs“, betont Doris Knops-Vehling. Und in den ehemaligen Klassenraum, der künftig als Trauzimmer dienen soll, dringen ohnehin kaum Geräusche ein.
Der alte Fachwerkbau ist in den Jahren 1770 bis 1790 entstanden und diente zunächst als Armenhaus, in dem zeitweise vier Familien unterkamen. Als die Preußen die Schulpflicht auch im ländlichen Raum durchsetzten, wurde 1877 das Klassenzimmer mit einfachen Backsteinwänden angebaut. Bis 1931 war dort die Dorfschule untergebracht. „Den Bauern gefiel das anfangs gar nicht, weil sie die Kinder bei der Feldarbeit brauchten. Dazu gibt es einen spannenden Schriftwechsel zwischen Heeßel und dem preußischen Schulamt“, so Knops-­Vehling.
In den zurückliegenden Jahren hat sie das Gebäude gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Heinz Vehling aufwendig saniert. Jetzt vermieten sie die Räume für Familienfeiern, Seminare und andere Veranstaltungen. Im Obergeschoss ist ein kleines Apartment für Übernachtungsgäste eingerichtet. Da sie mit diesem Angebot mitten in der Corona-Epidemie starteten, trage es sich bisher nur gerade so. „Aber durch Mund-zu-Mund-Propaganda spricht es sich immer mehr herum“, so Knops-Vehling.
Bisher werde es vor allem für Familienfeiern genutzt. „Querbeet von Kommunion oder Konfirmation über runde Geburtstage bis hin zur Goldenen Hochzeit“, so die Eigentümerin. Von Mai bis September sei die Alte Dorfschule auch bereits für vier Hochzeitsfeiern gebucht. „Deshalb freut es uns, wenn hier künftig auch die standesamtlichen Trauungen stattfinden können“, betont sie.
Von den Räumen zeigte sich Pollehn auf Anhieb angetan. Schließlich habe die Stadt nach besonderen Orten gesucht, die beispielsweise durch regional typische Bauweise, überregionale Bekanntheit oder historische Bedeutsamkeit für Burgdorf prägend seien. „Das trifft sowohl auf die Moormühle als auch auf die Alte Dorfschule zu“, betonte der Bürgermeister.
Demnächst will er auch selbst Paare trauen. „Ich möchte eine Ausbildung zum Standesbeamten absolvieren. Aber es ist gar nicht so leicht, einen Platz zu bekommen. Ich stehe auf zwei Wartelisten“, sagt er. Er hoffe, dass es im Laufe des Sommers klappen werde.

Autor:

Franka Haak aus Burgdorf

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