Weniger Gäste am Futterhäuschen

In diesem Jahr wurden weniger Kleiber gezählt. Aufgrund des europaweit zunächst milden Winters sind vermutlich weniger Artgenossen aus dem Norden nach Deutschland gekommen. (Foto: Nabu/Frank Derer)

„Stunde der Wintervögel“ 2021 übertrifft bisherige Teilnahmerekorde

Region (r/fh). Über 236.000 Menschen haben am Wochenende vom 8. bis 10. Januar bundesweit an der „Stunde der Wintervögel“ teilgenommen – ein sattes Plus von 65 Prozent zum Vorjahr. Auch in Niedersachsen haben mit fast 23.500 Teilnehmenden noch einmal gut 52 Prozent mehr mitgemacht als im landesweiten Rekordjahr 2019. „Mit dieser Menge an Beobachtungen werden die Ergebnisse von Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion noch aussagekräftiger“, betont Matthias Freter vom Nabu Niedersachsen. Schon seit einigen Jahren zeichne sich eine steigende Beteiligung ab, in diesem Jahr habe der Lockdown den Trend noch verstärkt.
Bei den gezählten Vögeln beobachtet der Nabu hingegen einen Rückgang. „Die Gesamtzahl von 34,5 Vögeln pro Garten stellt den zweitniedrigsten Wert seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 dar, zwölf Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt“, so Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Nur im Januar 2017 seien die Zahlen noch etwas niedriger gewesen.
Zu den Futterplätzen in den Gärten sind vor allem weniger Meisen, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer gekommen. Eine mögliche Erklärung: Normalerweise würden Artgenossen aus dem Norden den Winter in Deutschland verbringen. „Dieser Zuzug ist im bis kurz vor der Zählung europaweit sehr milden Winter wohl teilweise ausgeblieben“, so Lachmann.
Rekordwerte erreichten dagegen Standvogelarten wie Haussperling und Stadttaube sowie Arten, die grundsätzlich mildere Winter bevorzugen, wie Rotkehlchen und Ringeltaube. „Seit 2011 nehmen die Winterbestände von Vogelarten, die auf Zuzug aus dem Norden und Osten angewiesen sind, ab. Im Winter standorttreue Arten und solche, die teilweise von uns nach Süden ziehen, zeigen dagegen stabile oder gar wachsende Winterbestände“, so Lachmann. Je milder der Winter, desto geringer die Neigung der Vögel in wärmere Regionen im Süden und Westen auszuweichen.
Ein besorgniserregend schwaches Ergebnis, das nicht mit dem Wetter erklärt werden kann, liefert der Grünfink. Sein Abwärtstrend setzt sich unverändert fort. Diesmal wurden nur noch 0,9 Exemplare pro Garten gemeldet. Damit gibt es heute nur noch ein Viertel der Grünfinken, die 2011 die Gärten bevölkerten. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit Trichomonaden an sommerlichen Futterstellen.
Die fünf in Niedersachsen am häufigsten gemeldeten Arten waren – wie schon im Vorjahr – Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling. Bundesweit führen ebenfalls Haussperling und Kohlmeise, gefolgt von Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Die Amsel erhole sich weiter langsam von ihren Tiefstwerten nach der schweren Usutu-Epidemie des Sommers 2018. Besonders niedrig waren dagegen die gemeldeten Zahlen der Blaumeise, wobei unklar bleibt, ob fehlender Zuzug aus dem Norden oder die Folgen einer Bakterien-Epidemie im vergangenen Frühjahr die Hauptursache dafür ist.
Zu der Aktion „Stunde der Wintervögel“ hatten wieder der Nabu und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), aufgerufen. Die nächste Vogelzählung findet mit der „Stunde der Gartenvögel“ vom 13. bis 16. Mai statt. Noch bis zum 19. März läuft die Wahl des Vogels des Jahres. Aus zehn Kandidaten, die vorab in einer öffentlichen Online-Wahl bestimmt worden waren, kann jeder seinen Favoriten wählen. Infos zu allen Aktionen gibt es auf der Internetseite www.nabu.de.