Viele Vögel bleiben im Wald

Der Rückgang der Grünfinken bereitet den Nabu-Vogelexperten weiterhin Sorgen. (Foto: Pixabay)
 
Die Teilnehmer haben bei der "Stunde der Wintervögel" so viele Haussperlinge gezählt wie noch nie seit Beginn der Aktion im Jahr 2011. (Foto: Nabu/Fotonatur)

Aufgrund der milden Temperaturen zählen die Teilnehmer bei der Nabu-Aktion weniger Vögel in den Gärten / Negativtrend beim Grünfink

REGION (r/fh). Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling – das sind erneut die fünf häufigsten Vögel in Niedersachsens Gärten, wie die „Stunde der Wintervögel“ Anfang Januar gezeigt hat.
Der Nabu Niedersachsen freut sich über die anhaltend hohe Beteiligung an Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion, die bei sehr mildem Winterwetter zum zehnten Mal stattfand. Innerhalb weniger Tage wurden in Niedersachsen bereits die Zählergebnisse von über 11.100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus über 7.700 Gärten erfasst. Pro Garten wurden dabei niedersachsenweit etwa 40 Vögel gemeldet – dies ist zwar ein höherer Wert als deutschlandweit (38), aber auch in Niedersachsen ist seit Start der Aktion langfristig ein deutlich negativer Trend zu erkennen.
„Das entspricht genau unseren Erwartungen“, sagt Matthias Freter vom Nabu Niedersachsen und ergänzt: „Die Daten aus inzwischen einem Jahrzehnt ‚Stunde der Wintervögel‘ zeigen, dass die Zahl der Vögel in den Gärten grundsätzlich umso geringer ist, je milder und schneeärmer der Winter ist.“ Erst wenn es sehr kalt wird und Schnee liegt, suchen viele Waldvögel Zuflucht in den Gärten der etwas wärmeren Städte, in denen sie oft reich bestückte Futterstellen vorfinden. „Dass der Wert der Vögel pro Garten in diesem Jahr in Niedersachsen dennoch höher liegt als im Vorjahr, ist vermutlich auf Teilzieher zurückzuführen, die in diesem Winter vermehrt zu beobachten waren“, so Freter weiter. „Dazu zählen unter anderem Star, Bachstelze, Hausrotschwanz und Zilpzalp.“
Die Nabu-Vogelexperten freuen sich zudem über das Spitzenergebnis des Haussperlings mit 7,3 Vögeln pro Garten (6,8 bundesweit). Noch nie waren es mehr Haussperlinge seit Beginn der Aktion im Jahr 2011. Offensichtlich kommt diese Art mit den zuletzt sehr warmen und trockenen Sommern gut zurecht. Damit bestätigt sich die leichte Bestandserholung nach Jahrzehnten eines deutlichen Rückgangs.
Die Amsel, die im vergangenen Winter aufgrund einer massiven Ausbreitung des für Amseln tödlichen Usutu-Virus im Jahr zuvor deutliche Einbußen zu verzeichnen hatte, verharrt auf diesem niedrigen Niveau. Die Usutu-Saison 2019 war deutlich schwächer und hat damit offensichtlich zu keiner weiteren Abnahme geführt.
Größtes Sorgenkind der Naturschützer ist weiterhin der Grünfink. Mit nur noch 1,15 Vögeln pro Garten (1,17 bundesweit) setzt diese vor allem in Städten und Dörfern lebende Art ihre Serie von Minusrekorden fort. Seit 2011 nimmt diese Art von Jahr zu Jahr um zwölf Prozent ab. Als Ursache vermutet der NABU unter anderem Trichomoniasis, eine Infektionen mit einem einzelligen Parasiten, mit dem sich diese Finken häufig an sommerlichen Vogelfutterstellen infizieren.
Auffällig war, wie erwartet, eine große Zahl von Eichelhähern in Deutschlands Gärten. In Niedersachsen waren dieses Jahr doppelt so viele Eichelhäher zu beobachten, wie im Vorjahr. Zum Rekord hat es trotz des im Herbst festgestellten massiven Einflugs nord- und osteuropäischer Häher jedoch nicht gereicht: Im Kältewinter 2011 waren es bundes- und niedersachsenweit noch etwas mehr.