Täglich mehrere hunder Gespräche

Carsten Lambrich aus Isernhagen betreibt fünf Apotheken. (Foto: privat)

Apotheker Carsten Lambrich spricht im Marktspiegel-Interview über Medikamente und Schutzmaßnahmen

REGION (sch). Wie sehr das Coronavirus nun auch in der Region Hannover die Menschen beschäftigt, wird nicht nur an der extremen Nachfrage nach Atemschutzmasken deutlich, täglich kommen Verunsicherte in die Arztpraxen und Apotheken, um sich Rat zu holen, wie sie sich schützen können. Carsten Lambrich aus Isernhagen betreibt gemeinsam mit seiner Ehefrau Katrin fünf Apotheken. Dem Marktspiegel gegenüber schildert er seine Erfahrungen im Umgang mit besorgten Kunden.

Herr Lambrich, haben Sie Angst vor dem Coranavirus?

Angst habe ich nicht, ich verstehe die Sorgen der Menschen hier vor Ort aber gut. Es wird sicher noch weitere Infektionen geben, bei den meisten erwartet man allerdings einen milden Krankheitsverlauf. Parallel zum Auftreten der ersten Coronainfektionen befinden wir uns in der jahreszeitüblichen Phase von Erkältungen und grippalen Infekten. Menschen mit Husten und Fieber oder deren Umfeld reagieren entsprechend verunsichert.

Wie oft werden Sie derzeit mit Fragen zum Coronavirus konfrontiert?

Die letzten Tage war die Nachfrage in unseren Apotheken angesichts der aktuellen Situation extrem hoch. Täglich haben wir mehrere hundert Gespräche mit verunsicherten Kunden zu führen. Anfangs stand der Wunsch nach Atemmasken im Vordergrund, mittlerweile kommen auch verstärkt Fragen nach wirksamen Präventionsmaßnahmen hinzu.

Gibt es medizinische Präparate, die zur Behandlung der Krankheit zur Verfügung stehen?

Aus der Erfahrung mit den verwandten Viruserkrankungen wie SARS und MERS wurden Medikamente entwickelt, die für das neue Coronavirus auch eingesetzt werden können. Darüber hinaus gibt es neue, in den USA entwickelte Medikamente, die sich derzeit noch in der Testphase befinden. Bei einer Verschärfung der Krisensituation würden diese aber vermutlich bereits eingesetzt werden. Für die Entwicklung eine Impfstoffes wird es aber noch einige Monate Zeit in Anspruch nehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einer Unterversorgung mit Medikamenten, Atemschutzmasken und Schutzbekleidung für medizinisches Personal. Wie sehen Sie die aktuelle Versorgungslage bei uns?

Aktuell ist der Markt an Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel fast leer und der spärliche Nachschub wird leider erheblich überteuert angeboten. Bei der Versorgung mit Medikamenten haben wir unabhängig von der aktuellen Situation bereits seit einem Jahr bei bis zu 500 Medikamenten Engpässe, die sich nun noch verschärfen. Viele Arzneimittel werden in China produziert, wo sich die Lage noch nicht wieder normalisiert hat.