Schlafprobleme und häusliche Gewalt

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchen in einer Studie die psychischen Auswirkungen der Corona-Epidemie

REGION (r/fh). Einsamkeit durch die Kontaktbeschränkungen, familiäre Konflikte wegen Home Office und Schulschließungen oder die Angst vor Arbeitslosigkeit und finanzieller Not - die Corona-Epidemie und ihre sozialen Auswirkungen belasten viele Menschen auch psychisch. Das haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jetzt in einer Studie nachgewiesen. Demnach hätten Stress, Angst, depressive Symptome, Schlafprobleme, Reizbarkeit und Aggression in den vergangenen Wochen zugenommen. Außerdem sei es vermehrt zu häuslicher Gewalt gekommen.
Vom 1. bis 15. April haben die Mitarbeiter des Zentrums für Seelische Gesundheit der MHH über das Internet insgesamt 3.545 Freiwillige befragt. Das Durchschnittsalter lag bei 40 Jahren; die Frauen waren mit 83 Prozent deutlich in der Überzahl. Die Mehrheit der Teilnehmer, nämlich 60 Prozent, gaben an, sehr gut oder gut mit der veränderten Situation und den entsprechenden Maßnahmen klarzukommen. 26,9 Prozent der Befragten hingegen erklärten, schlecht oder sehr schlecht mit der Situation umgehen zu können. Die befragten Frauen wiesen dabei signifikant höhere Depressions- und Angstwerte auf.
45,3 Prozent der Befragten gaben an, im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie schlechter zu schlafen. Bemerkenswert ist, dass 50,9 Prozent aller Teilnehmenden ausführten, reizbarer zu sein und sich 29 Prozent als wütender und aggressiver erlebten. Fünf Prozent aller Teilnehmer gaben an, häusliche Gewalt auf verbaler (98, 4 Prozent), körperlicher (41, 9 Prozent) oder sexueller (30, 2 Prozent) Ebene zu erleben.
„All diese Themen sind uns nicht unbekannt. Aber die Restriktionen während der Coronavirus-Pandemie und die damit assoziierte räumliche Enge in Familien können zu einem erheblichen Aufflammen dieser Probleme führen“, erklärt Professor Tillmann Krüger, Leiter der Studie. Er und seine Kollegen appellieren deshalb, die seelische Gesundheit der Bevölkerung im Blick zu behalten und Hilfsangebote kontinuierlich vorzuhalten und auszubauen - sowohl während der akuten Pandemie als auch im Nachgang.
Denn die Autoren gehen davon aus, dass sich die Corona-Pandemie auch langfristig auf die seelische Gesundheit auswirken wird. Deshalb führen sie jetzt eine zweite Befragung durch. Interessierte können sich daran beteiligen unter https://ww2.unipark.de/uc/MHH_Umfrage_COVID-19.