Region setzt auf Wasserstoff

Stellen die Wasserstoff-Strategie der Region Hannover vor: Professor Richard Hanke-Rauschenbach (von links), Professor Lars-Oliver Gusig, Gernot Hagemann von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft hannoverimpuls, Projektleiterin Tanja Göbler von der Region Hannover sowie Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz. (Foto: Region/Christina Kreutz)

Regionversammlung stellt 6,5 Millionen Euro für Projektentwicklung und Investitionen bereit

Region (r/fh). Die Region Hannover hat Anfang Juni eine Strategie zur Produktion und Nutzung von Wasserstoff vorgestellt. Mit der neuen Technologie sollen fossile Brennstoffe ersetzt werden, um den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu reduzieren. Die Regionsversammlung hat für die Wasserstoff-Strategie bis zum Jahr 2024 zunächst 1,5 Millionen Euro für die Projektentwicklung und 5 Millionen Euro für Investitionen bereitgestellt. „Die öffentliche Hand muss ein Innovationstreiber sein“, betont Ulf-Birger Franz, Regionsdezernent für Wirtschaft und Verkehr.
Die Wasserstoff-Technologie sei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, aber auch eine Chance, um den Wirtschaftsstandort zu stärken, argumentiert er. Seit März untersuchen Wissenschaftler von der Leibniz Universität und von der Hochschule Hannover, welches Potenzial sie für die Region hat. Dafür analysieren sie unter anderem den künftigen Bedarf an Wasserstoff im Verkehrssektor und in der Industrie. "Gerade bei kommunalen Nutzfahrzeugflotten und Sonderfahrzeugen hat Wasserstoff Vorteile gegenüber dem Batterieantrieb", erläutert Professor Lars-Oliver Gusig von der Hochschule Hannover.
So können beispielsweise Busse und Müllfahrzeuge künftig mit Wasserstoff anstatt mit Diesel angetrieben werden. Laut einer EU-Richtlinie müssen bei kommunalen Unternehmen wie Regiobus und Aha bis 2030 ein Drittel der Fahrzeuge emissionsfrei sein, also ohne klassischen Verbrennungsmotor auskommen. Üstra und Regiobus haben bereits 2020 Tests mit einem Wasserstoff-Bus unternommen und der geplante Regiobus-Betriebshof in Ronnenberg-Weetzen soll eine Wasserstoff-Tankstelle erhalten. Auch der Abfallentsorger Aha will ab 2022 mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug auf die Straße gehen.
Um die gegenwärtig noch sehr hohen Produktionskosten zu senken und den Einsatz von Wasserstoff wirtschaftlicher zu machen, könnten Synergieeffekte genutzt werden. „Unser Hauptaugenmerk gilt hierbei der Kopplung unterschiedlicher Industriesektoren beim Einsatz von Wasserstoff, Sauerstoff und Wärme", sagt Professor Richard Hanke-Rauschenbach, Leibniz Universität Hannover. Dazu könnte noch in diesem Jahr ein erstes Modellprojekt starten: Dabei soll Wasser mittels eines Elektrolyse-Verfahrens in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff getrennt werden. Den Sauerstoff kann die Stadtentwässerung Hannover zur effizienteren Abwasserklärung nutzen und die Abwärme soll ins Fernwärmenetz des Energieversorgers Enercity einspeist werden. Der Wasserstoff selbst steht dann als Energieträger zur Verfügung, beispielsweise für Regiobus.
Ein zentrales Element der Wasserstoff-Strategie wird laut Regionsverwaltung auch das Thema Ausbildung sein. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, damit das Thema und die beteiligten Unternehmen wachsen können. Dafür müssen wir in den Hochschulen wie in den Berufsschulen neue Ausbildungsangebote schaffen“, sagt Franz. In den kommenden Jahren soll ein neuer „Wasserstoff-Campus Hannover“ mit verschiedenen Instituten der Leibniz Universität entstehen. Und gemeinsam mit der Handwerkskammer sollen in der dualen Berufsausbildung Angebote für das Handwerk geschaffen werden.