Ohne Versicherung zum Arzt?

Region Hannover richtet neue Clearingstelle ein: Sie soll den Zugang zu medizinischer Versorgung verbessern und dabei helfen, Ansprüche auf Kassenleistungen geltend zu machen

REGION (r/fh). Alle Menschen haben das Grundrecht auf Gesundheit und medizinische Versorgung – unabhängig von Herkunft oder sozialer Situation. Doch nicht alle Frauen und Männer, die in der Region Hannover leben, haben einen gültigen Versicherungsschutz und somit Zugang zur medizinischen Regelversorgung. Besonders Obdachlose, Zuwanderer aus EU-Ländern und Menschen in prekären Lebensverhältnissen sind davon betroffen. Um ihre persönliche Situation konkret zu verbessern, hat die Regionsversammlung Ende September beschlossen, eine Clearingstelle einzurichten (Clearing, englisch für bereinigen oder klären). Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und die Region veranschlagt dafür Kosten von rund 170.000 Euro jährlich.
Die Clearingstelle soll Betroffenen dabei helfen, ihre Ansprüche auf Leistungen der Krankenkassen zu klären und ihren Zugang zur ärztlichen Versorgung verbessern. „Oft suchen Menschen ohne klaren Versicherungsschutz erst sehr spät medizinische Versorgungsangebote auf, wenn Krankheiten schon weit fortgeschritten sind", schildert Cora Hermenau, die Gesundheitsdezernentin der Region. Das mache die Behandlung komplizierter und erhöhe außerdem das Risiko, dass Krankheiten chronisch würden. "Die Clearingstelle soll hier ansetzen und frühzeitige Versorgung erleichtern“ , so Hermenau.
Das Konzept: Eine sozialversicherungsrechtlich ausgebildete Fachkraft soll mit den Betroffenen den individuellen Anspruch ermitteln – von der Aufnahme in eine gesetzliche oder private Krankenversicherung bis zu Leistungen der Sozialhilfe oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Bei Bürgerinnen und Bürgern aus den EU-Ländern soll zum Beispiel mit den jeweiligen Generalkonsulaten geprüft werden, ob über das Herkunftsland noch eine Versicherung oder zumindest ein Versicherungsanspruch besteht.
„Viele Betroffene haben durchaus Ansprüche auf Leistungen einer Krankenversicherung, wissen es aber nicht“, berichtet Andrea Hanke, Dezernentin für Soziale Infrastruktur der Region Hannover. Zudem könne es sehr kompliziert sein, die Ansprüche geltend zu machen. Eine zweite Fachkraft in der Clearingstelle soll die Betroffenen deshalb gezielt dabei unterstützen, Anträge zu stellen.
Die Trägerschaft der Clearingstelle soll in die gemeinsamen Hände von Trägern der freien Wohlfahrtspflege gegeben werden, wie beispielsweise Caritas, Diakonie und Malteser. Das begründet die Region damit, dass sie schon jetzt niedrigschwellige Versorgungsangebot machen und bei den Betroffenen deshalb bereits bekannt sind.