Musik und Literatur im Hoftheater

Ohne Berührung spielt Carolina Eyck auf dem Theremin, einem elektronischen Musikinstrument aus dem Jahr 1920. (Foto: Ananda Costa)
 
Thorsten Encke begleitet die Lesung mit Essays von Theodor Lessing auf dem Cello. (Foto: Nader Ismail)

Die Region Hannover unterstürzt das Programm des Schauspielhauses und des Künstlerhauses Hannover

Region (r/fh). Die Theater sind weiter geschlossen, große Konzerte und Festivals wurden abgesagt - doch auf das gemeinsame Erlebnis von Kunst, Musik und Literatur müssen die Bürger in der Region Hannover in diesem Sommer trotz der Corona-Epidemie nicht ganz verzichten. Seit Montag sind in Niedersachsen wieder Kulturveranstaltungen mit bis zu 250 Besuchern erlaubt, sofern alle Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.
Diese Chance nutzt auch das Schauspielhaus Hannover und bietet in den nächsten Wochen jetzt ein abwechslungsreiches Programm unter freiem Himmel an: Mehr als 30 Konzerte, Lesungen und Kinovorstellungen sollen vom 11. Juni bis 11. Juli im Theaterinnenhof zwischen dem Schauspielhaus an der Prinzenstraße und dem Künstlerhaus in Hannover stattfinden. Auch die Region Hannover und die Hörregion beteiligen sich als Kooperationspartner. Karten sind nur telefonisch unter (0511) 99991111 sowie online über www.schauspielhannover.de erhältlich. Dort gibt es auch eine Übersicht über das komplette Hoftheater-Programm.

An den folgenden Veranstaltungen ist die Region Hannover beteiligt:

* Sonntag, 21. Juni, 21 Uhr: Die Hörregion steuert einen kosmischen Klangabend mit dem Titel „Im Sound der Sterne“ bei. Gestaltet wird er von der Schauspielerin Denise M’Baye, dem Sounddesigner Malte Lahrmann sowie dem Wissenschaftler Benjamin Knispel vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, der dem Sound von Schwarzen Löchern nachspürt. Außerdem tritt die Musikerin und Komponistin Carolina Eyck auf, die vor allem für ihre Interpretationen auf dem Theremin bekannt ist.
Dabei handelt es sich um ein elektronisches Musikinstrument, das bereits 1920 erfunden wurde. Es wird berührungslos gespielt: Die Klänge werden erzeugt, indem man die Position der Hände gegenüber zwei Elektroden verändert. Carolina Eyck ist mit dem Theremin bereits in mehr als 30 Ländern aufgetreten und hat mit namhaften Sinfonieorchestern zusammengespielt. 2015 erhielt sie den Echo Klassik in der Kategorie „Konzerteinspielung des Jahres“.
Mit an Bord bei dieser besonderen Hörreise ins All ist zudem Dr. Benjamin Knispel vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, der dem Sound von Schwarzen Löchern und interstellarem Plasma nachspürt.

* Mittwoch, 1. Juli, 20 Uhr: Das Team Kultur der Region Hannover hat den Schauspieler Burghart Klaußner eingeladen. Er wird aus seinem Debüt-Roman „Vor dem Anfang“ vorlesen. Er erzählt von Fritz und Schultz, die kurz vor Kriegsende den Auftrag erhalten, die Geldkasse ihrer Einheit ins Reichsluftfahrtministerium zu bringen. Nach Berlin-Mitte, einmal quer durch die zerschossene Stadt auf ihren klapprigen Fahrrädern. Doch Fritz will sich auf sein Segelschiff am Wannsee durchschlagen und dort untertauchen, bis der Sturm vorbei ist. Bekannt wurde Burghart Klaußner vor allem mit seiner Rolle als Pfarrer in dem Film „Das weiße Band“ sowie eines entführten Managers in „Die fetten Jahre sind vorbei“.

* Freitag, 3. Juli, 20 Uhr: Sharon Kam (Klarinette) und Stephan Kiefer (Klavier) spielen im Theaterhof Werke von Claude Debussy, Robert Schumann, Francis Poulenc, Niels Wilhelm Gade, Maurice Ravel, Gabriel Fauré und Fritz Kreisler. Kam lebt in Hannover und tritt weltweit auf. Sie wurde bereits zweimal mit dem Echo Klassik als Instrumentalistin des Jahres ausgezeichnet.

* Samstag, 4. Juli, 20 Uhr: Der Schauspieler Markus John liest Essays des hannoverschen Philosophen und Publizisten Theodor Lessing (1872-1933) vor. Der Musiker Thorsten Encke begleitet die Lesung am Cello. Im Zentrum stehen dabei kurze Tierporträts und Naturbeobachtungen, die als Ausgangspunkt dienen für überraschende Reflexionen über den Menschen und den Zustand der Welt.
Theodor Lessing war unter anderem als Privatdozent an der Technischen Hochschule in Hannover tätig und baute zusammen mit seiner Frau Ada die Volkshochschule Hannover-Linden auf. Immer wieder ist er mit seinen bissigen Publikationen angeeckt. Vor allem ein kritischer Artikel über den Generalfeldmarschall und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg brachte die deutschnationalen und völkischen Kreise gegen ihn auf. Im Februar 1933 floh er nach Tschechien und wurde dort im August von nationalsozialistischen Attentätern ermordet.