Modellprojekt zur Öffnung des Einzelhandels

Die Stadt Hannover ist voraussichtlich dabei / Übrige Regionskommunen müssen abwarten

Region (r/fh). In der Landeshauptstadt Hannover werden einige Geschäfte und Straßencafés demnächst voraussichtlich in einem dreiwöchigen Modellprojekt öffnen können - begleitet von einer umfangreichen Teststrategie und wissenschaftlichen Untersuchungen. Die offizielle Entscheidung hatte die Landesregierung bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt gegeben. Doch eine Zusage gilt als wahrscheinlich.
Das Land Niedersachsen will insgesamt 25 Standorte für solche Modellprojekte auswählen. Dort soll erprobt werden, ob umfangreiche Corona-Schnelltests und eine digitale Kontaktnachverfolgung einen Anstieg der Infektionszahlen verhindern können, auch wenn Einzelhandel, Gastronomie und Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen. „Wir wollen untersuchen, wie wir schrittweise unser normales Leben zurückerobern können", erläutert die Niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens.
Voraussetzung sind strenge Schutzmaßnahmen und Testkonzepte in den Projektgebieten. So ist vorgesehen, dass der Zutritt zu Geschäften, Kultureinrichtungen, Straßencafés, Theatern, Kinos, Galerien oder Fitnessstudios nur mit negativem Schnelltest gewährt wird. Außerdem muss eine digitale Kontaktnachverfolgung wie die Luca-App zum Einsatz kommen. Die Gesundheitsämter sollen dabei einbezogen werden. Steigt der Inzidenzwert im jeweiligen Kreis über 200, muss der Modellversuch unverzüglich beendet werden.
Auch mehrere Kommunen aus der Region Hannover haben Interesse bekundet. Neben der Landeshauptstadt Hannover hätten auch Garbsen, Langenhagen, Neustadt am Rübenberge, Sehnde, Wunstorf und Wennigsen gern teilgenommen. Allerdings strebt die Landesregierung an, möglichst Kommunen aus allen Teilen Niedersachsens einzubinden. Deshalb soll pro Gesundheitsamt nur eine Kommune den Zuschlag bekommen. Da es in Niedersachsen 37 Landkreise und acht kreisfreie Städte mit insgesamt 43 Gesundheitsämtern gibt, ist aber auch klar, dass selbst dann nicht alle zum Zuge kommen können.
Vor diesem Hintergrund hat die Region entschieden, im ersten Schritt ausschließlich die Bewerbung der Stadt Hannover zu unterstützen, da sie als sogenanntes Oberzentrum ohnehin quasi gesetzt sei. Denn das Land will Städte unterschiedlicher Größe berücksichtigen. Mittel- und Grundzentren sollen deshalb vornehmlich in Landkreisen ausgewählt werden, die kein Oberzentrum haben.
Auch wenn sie nun erst einmal leer ausgehen, lobt Regionspräsident Hauke Jagau das Engagement der Umlandskommunen. „Die Städte und Gemeinden haben sich schon viele Gedanken gemacht und zum Teil gute Konzepte in Arbeit, die hoffentlich in den einigen Wochen die nächsten Schritte beschleunigen werden“, betont er. So habe er mit den Bürgermeistern auch vereinbart, dass sie ihre Vorbereitungen weiter vorantreiben, um für eine mögliche Öffnung von Einzelhandel und Gastronomie nach der Modellphase gerüstet zu sein. "Die Region Hannover versteht sich als ein Wirtschaftsraum. Die Konzepte aufeinander abzustimmen, ist genau der richtige Schritt“, so Jagau.
Darauf setzen auch der Burgdorfer Bürgermeister Armin Pollehn und der Uetzer Bürgermeister Werner Backeberg. Anders als ihr Sehnder Amtskollege Olaf Kruse haben sie eine Teilnahme an der Modellphase nicht angestrebt. "Das hätten wir von den Ressourcen her gar nicht stemmen können", sagt Pollehn. Schließlich sei mit dem Testkonzept und der wissenschaftlicher Begleitung ein großer Aufwand verbunden.
Ähnlich argumentiert auch Backeberg. "In einer Flächenkommune und Grundzentrum wie es die Gemeinde Uetze ist, lässt sich so ein Modellprojekt schwieriger umsetzen, da es für die überschaubaren Angebote im Einzelhandel und der Gastronomie im Verhältnis, einen großen organisatorischen Aufwand darstellt, die durch die mögliche Nachfrage nicht unbedingt gedeckt werden kann", sagt er. Die in Burgdorf und Uetze zuletzt besonders hohen Infektionszahlen seien ein zusätzlicher Hinderungsgrund gewesen.
Wenn sich das Modellprojekt in Hannover bewähre und die Inzidenz im besten Fall wieder sinke, könnten in gemeinsamer Abstimmung aber weitere Regionskommunen im zweiten Schritt folgen. Darauf arbeiteten auch Burgdorf und Uetze hin. "Wir stellen uns den Herausforderungen und treffen Vorbereitungen, um gewappnet zu sein, wenn nach der Pilotphase eine Öffnung mit Tests möglich wird", so Pollehn.