MHH erforscht Spätfolgen der Corona-Infektion

Die Pneumologin Isabell Pink spricht in der Covid-Ambulanz für Genesene mit einem Patienten. (Foto: MHH/Carolin Schneider)

Covid-Ambulanz für offiziell Genesene begleitet Betroffene / Teilnehmer für Studie gesucht

Region (r/fh). Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) will in einer neuen Studie untersuchen, wie sich eine Infektion mit dem Coronavirus langfristig auswirkt. Dafür sucht sie insgesamt 100 Betroffene, die ursprünglich nur leicht an Covid-19 erkrankt waren und trotzdem an Spätfolgen leiden. Auch Patienten, die nicht in der MHH behandelt wurden, können teilnehmen. Interessierte melden sich bei der Covid-Ambulanz für Genesene, unter Telefon (0511) 5325030 oder per E-Mail an pneumologie.covid@mh-hannover.de.
Über die Langzeitfolgen einer Infektion mit dem Coronavirus sei insgesamt noch wenig bekannt. Bisherige Forschungen und klinische Beobachtungen zeigten jedoch, dass die Krankheit praktisch jedes Organ befallen und dort Schäden verursachen könne. "Wir nehmen an, dass Covid-19 das Immunsystem nachhaltig verändert", erläutert Professor Marius Hoeper, kommissarischer Direktor der Klinik für Pneumologie der MHH.
Einige Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, leiden noch Wochen und Monate nach der akuten Erkrankung an deren Folgen. Zu den Symptomen gehören Müdigkeit, verminderte körperliche Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche, Atemprobleme und Geschmacks- oder Geruchsverlust. "Diese Spätfolgen zeigen sich nicht nur bei Patienten, die schwer betroffen waren und stationär behandelt wurden, sondern auch bei solchen mit mittlerem oder mildem Krankheitsverlauf", erklärt Hoeper.
In der MHH-Klinik für Pneumologie gibt es seit Mitte Mai die Covid-Ambulanz für Genesene, in der Patienten nach ihrer Erkrankung begleitet werden. Für einige sei es aufgrund der Beschwerden auch nach drei oder vier Monaten noch schwierig, ihrem Beruf nachzugehen, selbst wenn es sich um einen Bürojob handele. Viele klagten über Luftnot bei Belastung und ein Engegefühl in der Brust.
Darunter seien auch Patienten zwischen 21 und 50 Jahren, die vor der Infektion mit dem Coronavirus vollkommen gesund gewesen seien. "Ihre Situation verbessert sich nur sehr langsam", sagt die Pneumologin Isabell Pink, Leiterin der Covid-Ambulanz. Medikamentös könne sie den Patienten nicht viel anbieten. "Wir können ihnen nur raten, auf ihren Körper zu hören, insgesamt einen Gang runterzuschalten und gegebenenfalls eine ambulante Reha zu beantragen."
In der Ambulanz verfolgen die Experten den Verlauf über mindestens ein halbes Jahr. Die Patienten werden dreimal untersucht: sechs bis acht Wochen, drei Monate und sechs Monate nach der akuten Infektion. Dazu gehören eine Lungenfunktionsmessung, die Analyse von Blut, Urin und Speichel, eine körperliche Untersuchung und ein Belastungstest sowie gegebenenfalls eine bildgebende Diagnostik.