Innovativer Promille-Fahrsimulator in Burgdorf

Der Leiter der BBS Burgdorf, Oberstudiendirektor Reiner Behrend, Alexander Tacer und Berend Lindner (v. li.) vor ihrer "Promillefahrt" im computergesteuerten Fahrsimulator. Foto: Georg Bosse
 
Reiner Behrend testete den computergesteuerten und mit VR-Technik ausgestatteten Fahrsimulator. Foto: Georg Bosse

Verkehrssicherheitsinitiative "Don`t drink and drive" tourt durch Niedersachsen

BURGDORF (gb). Die gute Nachricht zuerst: Die Anzahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle sinkt seit 1991 kontinuierlich. Junge Fahrer und Fahranfänger im Alter zwischen 18 und 24 Jahren sind jedoch noch immer überproportional häufig an Alkoholunfällen beteiligt. Mangelnde Fahrpraxis, Selbstüberschätzung und ein geringes Wissen über die körperlichen Auswirkungen von Alkohol verschärfen deren Risiko. Sie fahren manchmal zu schnell in Kurven oder können Bremswege in Extremsituationen und Überholvorgängen nicht richtig einschätzen. Kommt dann noch Alkohol ins Spiel, potenziert sich die Gefahr. 
Im Jahr 2018 ereigneten sich in Niedersachsen insgesamt 32.946 Unfälle, bei denen 421 Menschen ums Leben kamen. Darunter 20 Personen, die bei alkoholbedingten Crashs getötet wurden. Der Anteil der Alkoholunfälle mit Personenschaden lag mit 1.426 (4,3 Prozent) etwas niedriger als im Bundesdurchschnitt (4,5 Prozent). Auch wenn alkoholbedingte Unglücksfälle auf den Straßen seit Jahren tendenziell sinken, gibt es für die Kampagne "Don´t drink and drive" (DDAD) keinen Grund in ihrem Bemühen nachzulassen, junge Menschen frühzeitig für das Thema "Alkohol im Straßenverkehr" zu sensibilisieren. Zum Auftakt der "DDAD Academy-Tour 2019", für die der Niedersächsische Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) die Schirmherrschaft übernommen hat, machte die aufklärende Initiative am vergangenen Donnerstag in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Burgdorf am "Berliner Ring" Station.
"Die Botschaft "Wer fährt, bleibt nüchtern!" ist nicht nur für Minister Althusmann, sondern auch für mich eine Herzenssache", sagte Dr. Berend Lindner, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehrs und Digitalisierung. Dabei die Zielgruppe der 18 bis 24-Jährigen in den Blick zu nehmen, sei nicht nur die Aufgabe der Politik und Polizei, sondern der ganzen Gesellschaft, so Lindner. Dr. Alexander Tacer, Kampagnensponsor und Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Sektkellereien trat der Ansicht entgegen, dass das langjährige Engagement im Widerspruch zur Alkoholbranche stehe: "Wir haben tolle Produkte aber auch volle Verantwortung."
Mit Mittelpunkt der Aktion stand der computergesteuerte Promille-Fahrsimulator mit innovativer Virtual Reality-Technik. Der/die Fahrer/in trägt bei der "So tun als ob"-Promillefahrt eine VR-Brille, die Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit bei zirka 0,8 Promille hautnah und ungefiltert erleben lässt. Der Simulator zeigt aus der Driverperspektive, wie sich die Sehleistung vermindert und Geschwindigkeiten falsch eingeschätzt werden, wie Lenkbewegungen unkoordiniert werden und wie sich Reaktionszeiten vor allem beim Bremsen vor plötzlich auftauchenden Hindernissen verlängern.
Die Kampagne "Don`t drink and drive" der Spitzenverbände aus den Branchen Bier, Wein, Sekt und Spirituosen besteht seit 1993 und ist somit die älteste fortlaufende Verkehrssicherheitsinitiative Deutschlands. Nach Burgdorf führt die "DDAD Academy-Tour" noch an neun weitere Berufsschulstandorte in Niedersachsen (siehe: www.ddad.de).