Herberge für Obdachlose

Die Landeshauptstadt, die Region Hannover und das Land Niedersachsen haben den befristeten Mietvertrag für die Jugendherberge verlängert

Region (r/fh). "Stay at home" - dieser Slogan hat sich vor allem zu Beginn der Corona-Epidemie schnell auf Internetplattformen und in den sozialen Medien verbreitet: Alle sollten, soweit möglich, zu Hause bleiben, um Kontakte zu vermeiden und die Ansteckungsgefahr zu senken. Doch was bedeutete das für jene Menschen, die kein Zuhause haben? Um die Ausbreitung des Virus auch unter Obdachlosen zu reduzieren, hat die Stadt Hannover Mitte April die örtliche Jugendherberge als vorübergehende Unterkunft angemietet - nun wurde der Vertrag bis zum 15. Juli verlängert.
Das Angebot richtet sich an Obdachlose, die bis daher auf der Straße gelebt oder in sogenannten Sleep-Ins übernachtet hatten. Betrieben wird die Jugendherberge während dieser Zeit vom Caritasverband und dem Diakonischen Werk. Die Kosten für Anmietung, Versorgung und Warmverpflegung werden zu je einem Drittel vom Land Niedersachsen, der Region Hannover und der Landeshauptstadt Hannover getragen.
Rund hundert Betroffene haben sich seitdem für diese Alternative zur Straße entschieden. „Ich bin froh, dass dank der Kooperation mit dem Land und der Landeshauptstadt und der engagierten Unterstützung von Diakonie und Caritas dieses zentrale Hilfeangebot entstanden ist, das so gut angenommen wird", betont die Sozialdezernentin der Region Hannover Andrea Hanke. Dabei zeige das Projekt auch positive Wirkungen, die weit über den akuten Infektionsschutz während der Corona-Epidemie hinausgingen.
Viele Bewohner seien durch die Rückzugsmöglichkeit zur Ruhe gekommen und gewöhnten sich an die geregelten Tagesabläufe, die ihnen Halt gäben. Sie zeigten sich zusehends offener für Hilfs- und Förderprogramme und einige hätten sogar schon eine Arbeit gefunden. "Viele berichteten, dass sie Hoffnung und Kraft geschöpft haben, um neue Perspektiven für sich zu entwickeln", sagt Konstanze Beckedorf, Sozialdezernentin der Landeshauptstadt Hannover. Deshalb wolle man die Erfahrungen der zurückliegenden Wochen auch in langfristige Angebote einfließen lassen. "Wie denken über Konzepte nach, die obdachlosen Menschen dauerhaft und nachhaltig dabei zu unterstützen, ihre Situation zu verbessern“, so Beckedorf.