"Heimische Fledermäuse sind harmlos"

Das Graue Langohr und alle anderen Fledermausarten in Europa stehen unter strengem Schutz. (Foto: Jakob Fahr/NLWKN)

Niedersächsischer Landesbetrieb: Tiere in Deutschland sind keine Überträger des Coronavirus

Region (r/fh). Unheimliche Blutsauger, Unglücksboten, Überträger von Krankheiten? Viele Vorurteile gegenüber Fledermäusen halten sich schon seit Jahrhunderten hartnäckig. Und laut dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat die aktuelle Pandemie einigen dieser Schauergeschichten neues Futter gegeben. Denn Wissenschaftler vermuten, dass das neue Coronavirus beziehungsweise verwandte Erreger in China zunächst bei Fledermäusen aufgetreten seien.
Endgültig nachgewiesen sei das aber nicht, der Ursprung des Virus bleibe weiterhin ungeklärt, heißt es aus der Behörde. Eine direkte Übertragung des Coronavirus von Fledermäusen auf Menschen sei nach aktuellem Wissensstand höchst unwahrscheinlich. Es sei anzunehmen, dass der Wechsel des Virus vom ursprünglichen Wirt auf einen Zwischenwirt und schließlich auf den Menschen bereits mehrere Jahrzehnte zurückliege.
Fest stehe indes, dass von den heimischen Tieren keine Gefahr ausgehe. „Die in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind keine Überträger des Corona-Virus SARS-CoV-2“, betont Melina Heinrich, Expertin für Fledermäuse im NLWKN und ergänzt: „Fledermäuse aus Angst vor dem Corona-Virus zu bekämpfen, entbehrt jeder Grundlage.“ Nicht nur das Töten, auch das Stören von Fledermäusen sowie die Beschädigung oder Zerstörung ihrer Quartiere sei gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz eine Straftat.
In Niedersachsen kommen gegenwärtig 19 Fledermausarten vor, einige weitere sind bereits ausgestorben. Vor allem der Insektenrückgang mache ihnen zu schaffen, weil sie damit ihre wichtigste Nahrungsquelle verlören, so Heinrich. Hinzu kämen weitere Faktoren wie der Verlust von Quartieren und Jagdgebieten. Fledermäuse zählten deshalb zu den am stärksten bedrohten Säugetieren in Deutschland. Alle Arten dieser Tiergruppe stehen deshalb in Europa unter strengem Schutz.
Ab Ende Mai beginnt in Deutschland die besonders sensible Zeit, in der Fledermäuse ihr zumeist einziges Junges zur Welt bringen. Die Weibchen schließen sich dafür zu Gruppen zusammen und ziehen den Nachwuchs in sogenannten Wochenstuben groß. Oft werden dafür Kirchen, Scheunen, Wohngebäude oder Bäume genutzt. "Es ist wichtig, dass diese Koexistenz im Siedlungsbereich auch in Zeiten von Covid-19 erhalten und wo möglich gefördert wird", appelliert Heinrich.
Wer eine Fledermaus findet, sollte sich an die zuständigen Experten vor Ort wenden: Ansprechpartner sind die Tierärztin Renate Keil vom Fledermausnotruf Stadt und Region Hannover, Telefon (0157) 30910222 und der ehrenamtliche Fledermausregionalbetreuer Bernd Rose, Telefon (05136) 81265. Wenn es nicht vermieden werden könne, lebende oder tote Fledermäuse oder deren Kot anzufassen, sollten Handschuhe getragen werden, rät Melina Heinrich vom NLWKN.
Allgemeine Informationen zu Fledermäusen bietet die Broschüre „Fledermäuse – geliebte Nachtschwärmer“. Sie steht auf der Internetseite des NLWKN als PDF zum Download bereit: www.nlwkn.niedersachsen.de/43960.html. Außerdem kann sie im Online-Shop der Behörde kostenlos bestellt werden: https://nlwkn-webshop.webshopapp.com.