Blutgerinnsel und Gefäßneubildungen

Professor Danny Jonigk von der MHH hat das Forschungsteam geleitet. (Foto: MHH)

Ein Forschungsteam um den MHH-Professor Danny Jonigk untersucht, wie das Coronavirus die Lunge schädigt

REGION (r/fh). Bei einem schweren Verlauf greift das Coronavirus die Atemwege massiv an und kann zu einem tödlichen Lungenversagen führen. Das gleiche gilt auch für die saisonale Grippe. Ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, den USA, Belgien und der Schweiz hat untersucht, welche Schäden die beiden Infektionskrankheiten in dem Organ anrichten und wie sie sich diesbezüglich unterscheiden. Geleitet wurde es von Professor Danny Jonigk, der Lungenspezialist am Institut für Pathologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist. Die Ergebnisse der Untersuchung haben die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. 
Im Mittelpunkt stehen dabei drei Beobachtungen: 1) Das Coronavirus schädigt die Blutgefäße in der Lunge massiv. 2) Es bilden sich viele Blutgerinnsel und verstopfen die feinsten Lungengefäße. 3) Der Körper reagiert mit Gefäßneubildungen in der Lunge, wie sie sonst bei Krebs und Autoimmunerkrankungen auftreten. „Die Studie verbessert unser Verständnis, warum die Lungenfunktion bei SARS-CoV-2-Infizierten mit schweren Krankheitsverläufen so stark beeinträchtigt ist“, betont Professor Jonigk.
Dafür haben die Forscher post mortem die Lungen von Patienten untersucht, die zum Teil an Covid-19 gestorben sind, zum Teil an Influenza. Die Gewebeproben wurden mit einer Vielzahl von Methoden untersucht wie Mikro-Computertomografie, 3D-Elektronenmikroskopen und molekularbiologische Analysen.
So konnten die Wissenschaftler zunächst das bereits bekannte akute Schadensmuster in der Lunge von Covid-19- Patienten nachweisen: den sogenannten diffusen Alveolarschaden. Dabei entzünden sich die Wände der Lungenbläschen und werden flächenhaft von Eiweißablagerungen bedeckt, sodass die Sauerstoffzufuhr in das Blut erschwert wird.
Zudem haben die Forscher eine große Anzahl von Blutgerinnseln in allen Abschnitten der Blutgefäße in der Lunge gefunden, vor allem aber in den feinsten Gefäßen, den Kapillaren. „Diese Mikrothromben verstopfen die feinen Lungengefäße und vergrößern so zusätzlich die Atemnot des Patienten", so Jonigk. Das komme zwar auch in schwer geschädigten Lungen nach Influenza-Infektionen vor, aber die Anzahl dieser kleinen Verstopfungen sei bei Grippetoten wesentlich geringer.
Besonders auffällig seien zudem besondere Gefäßneubildungen in der Lunge. Mediziner kennen dieses Phänomen ansonsten vorrangig nur von Tumorerkrankungen, Autoimmunkrankheiten und Vernarbungsprozessen. „Das unterscheidet Covid-19 grundlegend von vergleichbar schweren Lungeninfektionen durch Influenzaviren“, betont Professor Jonigk.