Vom Reformationsgedenken zu Reformationsgedanken

Lucienne Schwarz ist sich sicher, dass Martin Luther heute den Unterschied zwischen Arm und Reich anprangern würde. (Foto: Steffen Lahmann)

Konfirmanden fragten: „Was müsste Luther heute sagen?“

HÄNIGSEN (r/jk). Die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Kirchengemeinde Hänigsen-Obershagen ließen sich für den Auftakt zum Lutherjahr etwas Besonderes einfallen. Am Samstag vor dem Reformationstag bauten die Jugendlichen einen Info-Stand zu Martin Luther auf dem Parkplatz des EDEKA-Marktes Ersu in Hänigsen auf. Das Leben des Reformators wurde dort ebenso dargestellt, wie die Positionen, die Martin Luther zu Lebzeiten in den gesellschaftlichen Diskussionen einnahm.
Daran orientiert, wurden Kunden gefragt, was Luther heute sagen müsste. In der rund dreieinhalbstündigen Aktion kamen über 200 Antworten zusammen, die auf einer großen Thesenwand gesammelt wurden. Die Befragten schrieben ihre Gedanken zu verschiedenen Themenbereichen auf.
Nicht nur Anliegen zu Gott, Kirche und Dankbarkeit kamen zur Sprache, sondern auch Positionen zu Frieden, Leistungsgesellschaft und Konsumverhalten. Klare Worte fanden viele Befragte zu Bereichen wie „Arm und Reich“, „Gerechtigkeit“ und „sozialem Frieden“. Zu den Befragten gehörte Lucienne Schwarz. Im Gespräch mit den Konfirmanden sagte die 46-jährige Verwaltungsangestellte: „Ich bin mir sicher, dass Martin Luther heute den immer größer werdenden Unterschied zwischen Arm und Reich anprangern würde, und dazu die Strukturen, die diesen Unterschied auslösen.“ Martin Schumann aus Hänigsen sieht die Kirche in der Pflicht, sich gesellschaftlich stärker zu positionieren. Der 32-jährige Ingenieur sagte: „Die Kirche kann zu einer gerechten Gesellschaft beitragen, wenn sie deutlich und unmissverständlich dazu aufruft, den Nächsten zu achten.“
Die Jugendlichen und Pastor Steffen Lahmann waren zufrieden mit der Beteiligung, die zeigte, dass das Reformationsgedenken auch offen für Reformationsgedanken ist. Mit der Aktion sei ein zentrales Anliegen Martin Luthers betont worden, sagte Lahmann und führte aus: „Ein Christenmensch kann sich in der Verantwortung gegenüber Gott und seinen Mitmenschen nicht durch andere vertreten lassen.“