Vergiss deinen Namen nicht!

Corinna Eckwerth vom Förderverein des Gymnasiums, der die Lesung finanziert hat, Schulleiterin Dr. Andrea Wundram, der Autor Alwin Meyer und Angelika Schmidt vom Antikriegshaus Sievershausen, das die Lesung vermittelt hat (v.l.). (Foto: Marion Arth)
 
Alwin Meyer demonstriert, wie sich die Kinder in einer überfüllten Baracke zum Schlafen voreinander setzen mussten. (Foto: Marion Arth)

Alwin Meyer stellt sein Buch über die Kinder von Auschwitz vor

UETZE (r/jk). „Vergiss deinen Namen nicht!“ – das hat ihre Mutter der kleinen Lidia im Konzentrationslager Auschwitz, wo jeder nur mit seiner eintätowierten Häftlingsnummer angesprochen wurde, eingeschärft. Dies wurde auch der Buchtitel des Buches, das Alwin Meyer über die Kinder von Auschwitz geschrieben hat. Dieses Werk hat er am 1. Februar 2017 anschaulich dem neunten, zehnten und elften Jahrgang des Gymnasiums unter den Eichen vorgestellt.
Vorher wurden die Schüler/innen von Schulleiterin Dr. Andrea Wundram mit den Worten, dass die uns gewohnte Freiheit nicht selbstverständlich ist, begrüßt. Sie dankte dem Förderverein des Gymnasiums unter den Eichen für die Finanzierung dieser Lesung. Anschließend begrüßte Bernd Waltje vom Antikriegshaus Sievershausen die Schüler/innen, weil es diese Lesung an das Gymnasium vermittelt hat. Er verwies darauf, dass man für den Erhalt des Friedens arbeiten muss.
Alwin Meyer hatte 1972 mit 21 Jahren zum ersten Mal die Gedenkstätte Auschwitz besucht und war so entsetzt und fassungslos, dass insbesondere das Schicksal der Kinder ihn sein ganzes Leben lang nicht mehr losgelassen hat. Mindestens 232.000 Säuglinge, Kinder und Jugendliche wurden nach Auschwitz verschleppt. Am 27. Januar 1945 bei der Befreiung des Lagers lebten davon noch 650, wovon auch noch einige nach der Befreiung an den Folgen starben. Manche Kinder kannten weder ihren Namen, ihr Alter noch ihre Herkunft. Fast alle waren Waisen. Auschwitz verfolgt sie und auch ihre Kinder und Enkel das ganze Leben z.B. wegen der Alpträume, bestimmter Gerüche oder bei der Suche nach ihrer Herkunft.
80 der überlebenden Kinder hat Alwin Meyer in seiner jahrzehntelangen Recherche in 65 Ländern gefunden. Erst vor zwei Wochen hat er wieder einen Tipp bekommen, wo ein Mann lebt, der am Tage der Befreiung geboren wurde. Er nahm Kontakt mit ihnen auf und hat geduldig ihr Vertrauen gewonnen, dabei haben manche zum ersten Mal vom Lagerleben erzählt – anscheinend hat es dieses Anstoßes gebraucht. Viele hatten leider keine Fotos mehr aus der Zeit des Nationalsozialismus. Aber die, die es noch gab, hat Alwin Meyer in seiner Präsentation gezeigt. Besonders eindrücklich war für die Schüler/innen der Kontrast zwischen den privaten Fotos der Kinder vor der Deportation und der Fotos des Konzentrationslagers, die SS-Leute für ihr privates Fotoalbum gemacht haben.
Alwin Meyer erzählte von den pseudomedizinischen Experimenten des SS-Arztes Mengele an Zwillingen, z.B. dass er ihnen blauen Farbstoff in die Augen gespritzt hat, um ihre braune Augenfarbe zu ändern. Eindrücklich schilderte er auch, dass Channa es sich Zeit ihres Lebens nicht verzeihen konnte, dass sie sich bei der Selektion von ihrer Mutter hat trennen lassen, statt mit ihr ins Gas zu gehen. Als ein Großteil der Häftlinge auf Todesmärsche Richtung Westen geschickt worden war und auch die meisten SS-Wachleute abgezogen waren, kamen einige kinderlos gebliebene polnische Paare ins Lager und nahmen sich eines der geschundenen Kinder an. Anfangs konnten diese kaum Essen bei sich behalten, sodass die Adoptiveltern fürchteten, sie nicht retten zu können. Eines dieser Kinder war Kola, der zehn Jahre brauchte, um zu verstehen, dass Menschen auch eines natürlichen Todes sterben können, da er glaubte, wenn jemand starb, dieser sei totgeschlagen worden.
Zum Abschluss seines interessanten Vortrages sagte Alwin Meyer, dass die überlebenden Kinder von Auschwitz von uns erwarten, dass wir ihre Geschichte kennen, damit sich so etwas nie wiederholt. Schließlich stellte er sich noch den Fragen der Schüler/innen, die er anschaulich mit Beispielen beantwortete. Oft wurden seine Interviewpartner im Laufe der Zeit seine Freunde, was sein Leben sehr bereichert.