Protest gegen Pläne von K+S

K+S will die Kalihalde in Wathlingen abdecken und begrünen. Die betroffenen Kommunen protestieren vor allem gegen das Verkehrskonzept. (Foto: Wikipedia)
 
Das Aktionsbündnis "Hänigsen sagt Nein" hat sich Ende Januar und Anfang Februar zweimal an Demos in Wathlingen gegen beteiligt. (Foto: privat)
Wathlingen: Kaliwerk Niedersachsen |

Bürger und Kommunen bemängeln das Konzept zur Abdeckung der Kalihalde / Hauptkritikpunkt ist der zusätzliche LKW-Verkehr

UETZE/BURGDORF/WATHLINGEN (fh). Die betroffenen Kommunen lehnen die Pläne von K+S Baustoffrecycling zur Abdeckung der Kalihalde in ihrer jetzigen Form ab. Das ist das Ergebnis eines gemeinsamen Treffens der Bürgermeister von Burgdorf, Uetze, Hänigsen, Nienhagen und Wathlingen. „Das jetzt vorgelegte Konzept stößt auf unseren entschiedenen Widerstand“, sagte Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann. Bei den Niedersächsischen Ministerien für Umwelt und für Verkehr will er zusammen mit seinen Kollegen aus den anderen Kommunen vor allem darauf hinwirken, dass andere Routen für den Zulieferverkehr gefunden werden.
Allerdings liegt die Entscheidung letztlich weder bei den Stadt- und Gemeinderäten noch bei den Kommunalverwaltungen, sondern beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie. Gemeinden, Naturschutzvereine und betroffene Bürger können zu dem beantragten Projekt schriftlich Position beziehen. Das Landesamt muss diese Stellungnahmen im Prüfverfahren berücksichtigen, ist aber nicht an sie gebunden.
Der Anlass für den Protest: K+S Baustoffrecycling will die 85 Meter hohe Kalihalde des früheren Salzbergwerks Niedersachsen-Riedel mit Bauschutt und Bodenaushub abdecken und anschließend begrünen. Dafür müssen insgesamt zehn bis 15 Millionen Tonnen Material nach Wathlingen geschafft werden. Den Transport will K+S mit Lastwagen organisieren. Nach den jetzigen Plänen müsste Hänigsen die Hauptlast tragen: Montags bis freitags würden auf der L311 täglich zusätzlich 150 Lastwagen durch den Ort fahren (75 in Richtung Kalihalde, 75 auf dem Weg zurück). Das wäre eine Verdopplung des LKW-Verkehrs auf dieser Strecke. Was für die Anwohner besonders ins Gewicht fällt: Diese zusätzliche Belastung wäre nicht nur ein kurzes Intermezzo, sondern würde sich – je nach Variante – über 16 bis 25 Jahre hinziehen.
Sorgensen und Dachtmissen sollen von dem zusätzlichen Verkehr weitgehend verschont bleiben: Denn K+S will mit den Transportunternehmen vereinbaren, dass die Lastwagen nicht auf der Landstraße durch diese Dörfer fahren, sondern den Weg über die B188 wählen und dann erst in Hänigsen auf die L311 abbiegen. Die beiden Burgdorfer Ortsteile müssten demnach nur rund zehn zusätzliche Fahrten pro Tag verkraften.
Doch die Burgdorfer Stadtverwaltung hat Zweifel daran, dass der Plan aufgeht. So könnten Fahrer die Absprache ignorieren und stattdessen auf ihre Navigationsgeräte oder Ortskenntnisse vertrauen. In diesem Fall, so schätzt die Stadt, würden auf Dachtmissen und Sorgensen eine Zunahme um 60 Fahrten pro Tag zukommen. Sie plant deshalb eine Stellungnahme und eine Einwohnerversammlung für die betroffenen Bürger.
Nicht nur die betroffenen Stadtverwaltungen kritisieren das Konzept. Mehr als 640 Bürger (allerdings nicht nur aus den betroffenen Ortschaften) haben bisher die Online-Petition des Aktionsbündnisses „Hänigsen sagt nein“ unterzeichnet. In erster Linie will die Initiative verhindern, dass Hänigsen die Hauptlast des Zulieferverkehrs tragen muss. „Wir wollen aber auch nicht, dass stattdessen andere Ortschaften darunter leiden müssen“, betont Bündnis-Sprecher Michael Miethe.
Das sieht auch Werner Backberg, Bürgermeister der Gemeinde Uetze, so. Des halb hätten sich die Bürgermeister der betroffenen Kommunen auch auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt, um sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Ihr Ziel sei ein Verkehrskonzept, das für alle Ortschaften verträglich ist. Dafür sieht er durchaus Möglichkeiten. „Eine sinnvolle Alternative wäre beispielsweise der Transport mit Zügen“, sagt Backeberg. Denn die Schienen seien vorhanden und die Belastung für die Menschen würden dadurch erheblich reduziert.

Ziel der Abdeckung

K+S will die Kalihalde abdecken und begrünen, damit sich künftiger weniger neues Salzwasser bildet. Die Rückstandshalde besteht zu rund 95 Prozent aus Steinsalz, das vom Regenwasser gelöst wird. Das dabei entstehende Salzwasser darf nicht einfach in die Umgebung gelangen, weil es Tieren und Pflanzenwelt schaden würde. Stattdessen leitet K+S es aktuell in einen Hohlraum im Grubengebräude ein. Wenn der Berg entsprechen abgeschirmt wäre, würde das Niederschlagswasser weniger Salz lösen und könnte dann beispielsweise in die Fuhse eingeleitet werden, so der Plan von K+S. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass der Hohlraum begrenzt sei, sodass das Haldenwasser dort nicht dauerhaft entsorgt werden könne. Außerdem will K+S dort auch Haldenwasser anderer stillgelegter Werke eentsorgen, die diese Möglichkeit nicht bieten.