Auf der Spur des mysteriösen Autors „A.K. Kormoran“

Die Theatergruppe BretterWelt lädt am 29. Oktober zur Premiere des Stücks „Kormoran“ ein. (Foto: BretterWelt)

Theatergruppe BretterWelt wagt sich an anspruchsvolles Stück

UETZE (r/jk). Die Theatergruppe BretterWelt, die sich im Jahr 2000 gegründete, führt mit dem Stück „Kormoran“ des Schweizer Autors Lukas B. Suter ihr derzeit 17. Stück auf.
Die Schauspieler haben sich nach ihrem großen Erfolg mit dem Krimi „Mord im Pfarrhaus“ von Agatha Christie im letzten Jahr einem anspruchsvollen Theaterstück des Schweizer AutorsLukas B. Suter gewidmet. Das Stück spielt in einem Hotel am Ufer des Genfer Sees. Don, ein amerikanischer Drehbuchautor, gerät durch einen alten Zeitungsartikel, den er zufällig unter seinem Bett findet, auf die Spur eines mysteriösen russischen Autors namens „A.K. Kormoran“. Die Geschichte aus der Gegenwart wird gekreuzt mit einer älteren Geschichte im Sommer 1935, die im gleichen Hotel spielt: Andrej, adliger russischer Schriftsteller, und seine jüdische Frau Tamara warten auf ihr Visum nach Amerika. Der Revolutionär Kaschmarin, Tamaras Geliebter, ist den beiden nachgereist. Unter dem Pseudonym „A.K. Kormoran“ sollen, nach dem Wunsch von Tamara, ihr Ehemann mit Unterstützung des Liebhabers Kaschmarins dessen Leben zum Roman umschreiben.
Aber nicht nur Gegenwart und Vergangenheit, sondern auch Fiktion und Wirklichkeit durchdringen sich, wenn z.B. eine Edelprostituierte aus Dons Filmskript auf der Bühne erscheint und Don Liebesavancen macht. Ein weiteres Spannungsfeld besteht im „Kormoran" zwischen den beiden Polen „privat“ und „öffentlich“. Der aus dem revolutionären Russland emigrierte aristokratische Schriftsteller Andrej hat sich ganz ins Private zurückgezogen, während sein Gegenspieler, der Kommunist Kaschmarin, in seinem Denken dem öffentlichen Interesse alles andere unterordnet, wobei seine Liebe zu Tamara widersprüchlich erscheint und zu seinem schicksalhaften Ende führt.
Der historische Rahmen (russische Revolution, deutscher Nationalsozialismus, Exil) spielen eine große Rolle für Suters gesamtes Werk bei dem Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft: „Solange eine Gesellschaft noch Zukunft hat, ist es ein Irrtum zu glauben, die Vergangenheit sei tot.“ (Suter)
Somit ist das Fremdsein mit seiner eigenen Identität ein für uns aktuelles Thema, wenn Andrej im Stück sagt: „Wir sind aus der Bahn geworfen, verwirrt, weil die vertraute Welt noch in uns spricht, aber außerhalb nicht mehr da ist, weggefegt über Nacht. Meine Fiktion ist nichts anderes als der bodenlose Fall in die Zukunft.“
Das Werk von Suter, der 1957 in Zürich geboren und 1984 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde, ist so vielschichtig – auch Liebes- und Todessymbole spielen eine Rolle –, dass die Schauspieler unter der Regie von Thomas Stolze hohe Ansprüche erfüllen müssen.
Es spielen: Leon Fauth, Felix Finger, Fabian Gelin, Birgita Habemann, Yvette Gehlhar, Birgit Rode, Antonia Molle und Klaus-Peter Großmann. Folgende Vorstellungen werden angeboten: Samstag, 29. Oktober (Premiere), Freitag, 4. November (2. Vorstellung) und Samstag, 5. November (3. Vorstellung) – jeweils um 19.30 Uhr in der Agora des Schulzentrums Uetze. Der Eintritt kostet für Erwachsene 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Kartenvorverkauf bei Schüler/asnet Uetze & Hänigsen, im Lottopoint Uetze und im Reisebüro Holiday hat begonnen.