Wahlkandidaten in Sehnde streiten über Konzepte zu Arbeit und Bildung

Munterer Schlagabtausch vor der Wahl (v.l.): Mario Espenschied (Piraten). Andrea Giese (FDP), Christoph Dreyer (CDU), Moderator Steffen Holz (DGB), Dr. Silke Lesemann (SPD), Jessica Kaußen (Die Linke) und Elke Thielmann-Dittert (Bündnis '90/Die Grünen) auf dem Podium im Apart Hotel. (Foto: Walter Klinger)
 
Fast 80 ZuhörerInnen im Wintergarten/Frühstücksraum des Apart Hotels verfolgten die Debatte der LandtagskandidatInnen. (Foto: Walter Klinger)
Sehnde: Apart Hotel Sehnde |

DGB-Podiumsdiskussion zeigt die politischen Lager auf

SEHNDE (kl). Selten haben sich im Landtagswahlkampf in der hiesigen Region die Gemüter so erhitzt wie bei der schon traditionellen Podiumsdiskussion des DGB-Ortskartells Sehnde im Wintergarten des Apart Hotels Sehnde: Die unterschiedlichen Ansichten und Konzepte der beiden Regierungsparteien und der Opposition prallten hier schon fast hitzig aufeinander. Einig waren sich die KandidatInnen einzig mit dem Appell, den die DGB-Vorsitzende Regine Höft den fast 80 ZuhörerInnen am Ende mit auf den Weg gab: "Gehen Sie zur Wahl, gestalten Sie mit!".
Schon in der Analyse unterscheiden sich die Parteien: In fünf Landkreisen Arbeitslosigkeit bereits um nur fünf Prozent, in sechs weiteren Nahe an dieser Marke - das erfülle voll und ganz die Kriterien einer erfolgreich erreichten Vollbeschäftigung, hatte FDP-Kandidatin Andrea Giese (Wedemark) bilanziert. Und erntete dafür heftigen Widerspruch von SPD, Grünen, der Linken und den Piraten, denn die Zahl von prekären Arbeitsverhältnissen von Aufstockern, Mini-Jobs und Leiharbeitern sei ein Skandal.
Mario Espenschied aus Diepholz, für den verhinderten Kandidaten Heiko Schönemann eingesprungen, forderte - unterstützt von Jessica Kaußen (Laatzen) von der Linken, einen gesetzlichen Mindestlohn, wie von der UNESCO verlangt, von 10,50 Euro, die SPD votiert, von den Grünen unterstützt, für mindestens 8,50 Euro.
Es sei Aufgabe der Tarifparteien, Mindestlöhne auszuhandeln, unterstrich der erneut kandidierende CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Dreyer aus Laatzen. Er betonte zugleich die Bildungsanstrengungen der Landesregierung mit mehr eingestellten LehrerInnen als jemals zuvor und Förderung der dualen Ausbildung (und des Hochschulzugangs nach einem erlernten Beruf) durch die Bildung der Oberschulen aus Haupt- und Realschule, denn es gäbe viele, die mit der Hand geschickter seien als mit dem Kopf. Auch müsse Bildung darauf ausgerichtet sein, irgendwann in einem festen Arbeitsverhältnis zurückzuzahlen, was die Gesellschaft zuvor in einen investiert habe: "Irgenwann ist Schluss mit Freibier . . .".
"Was haben Sie denn für ein Menschenbild?", attackierte die SPD-Landestagsabgeordnete Dr. Silke Lesemann aus Sehnde-Bolzum ihren Parlamentskollegen von der CDU, dem sie Bildungspolitik nach "die mit Köpfchen ins Kröpfchen, die mit der Hand in die Oberschule" vorwarf - und auch dessen Befürwortung auch der Studiengebühren. Die brächten zwar 100 Millionen für die Hochschulen, aber allein 80 Millionen habe die Regierung diesen schon bei der Strukturreform genommen. Arbeiterkinder seien immer noch eine Seltenheit an den Hochschulen, die Gebühren gehörten abgeschafft, das Bildung dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen und das Bildungssystem durchlässiger werden. Auch Jessica Kaußen von der Linken stimmte zu, dass Bildung keine "Luxusware" werden dürfe.
Gute Bildung sei ein Schutzschild gegen Armut, untermauerte Elke Thielmann-Dittert aus Springe, für die Grünen-Direktkandidatin Regina Asendorf eingesprungen, die Forderung schon nach mehr ErzieherInnen - mehr frühkindliche Förderung sei auch die Voraussetzung für eine spätere gute Schule.
Aber auch die Gewerkschaften wurden ins Visier genommen: Wie man diese denn dazu bringen könne, wieder vernüftige Lohnforderungen zu stellen, fragte der "Pirat", denn sonst torpediere die ausbleibende Nachfrage doch den Binnenmarkt. Darauf gab es von DGB-Moderator Steffen Holz zwar keine Antwort, aber die nächste Kandidatendiskussion kommt ja schon bald zur Bundestagswahl . . .