Unwetter fordeten die Ortsfeuerwehr Sehnde

Sehnde: Feuerwehrhaus Sehnde |

Turnhallenbrand 2016 war der größte Einsatz

SEHNDE (r/kl). Auch zahlreiche Gäste aus den Bereichen Politik und Wirtschaft konnte Ortsbrandmeister Sven Grabbe im Feuerwehrhaus am Borsigring zur Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Sehnde begrüßen.
Insgesamt, so wies Grabbe in seinem Bericht aus, wurde die Ortsfeuerwehr Sehnde im vergangenen Jahr 99 Mal alarmiert und rückte zu 123 Einsätzen aus. Darunter waren 37 Brand- und 35 Hilfeleistungseinsätze, mehrere Fehlalarme, eine Einsatzübung und allein 24 Unwettereinsätze am 22. Juli.
Anfang 2016 bildeten, wie schon im Jahr zuvor, ausgelöste Brandmeldeanlagen den Schwerpunkt der Einsätze. Erneut stieg auch die Anzahl der Einsätze „Hilflose Person hinter verschlossener Tür“.
Neben den mehrfachen Fehlauslösungen der Sirene auf dem Rathaus und der Kooperativen Gesamtschule Sehnde (KGS) im Februar, blieb den Kameraden der Brand der Turnhalle an der KGS am 22. Juni ganz besonders in Erinnerung.
Mehr als 255 Einsatzkräfte aus dem Stadtgebiet sowie von den Ortsfeuerwehren Lehrte, Ahlten und der Berufsfeuerwehr Hannover kämpften gegen die lichterloh brennende Halle über Stunden an.
Auch die nächsten Tage sowie zweieinhalb Wochen nach dem Großbrand führten immer wieder zu Alarmierungen in die Waldstraße zum Ablöschen kleiner Feuererscheinungen in der Brandruine, da Brandherde unter den Trümmern der einsturzgefährdeten Halle durch die Feuerwehrleute nicht erreicht werden konnten.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging der Ortsbrandmeister auf die geleisteten Dienste und Veranstaltungen ein.
Neben zahlreichen Ausbildungs- und Monatsdiensten sowie Lehrgängen, Baubesprechungen und Baubegehungen führte die Ortsfeuerwehr Sehnde erneut das Sehnder Osterfeuer auf dem Parkplatz der K+S in Sehnde durch und nahmen am Sehnder Weihnachtsmarkt teil.
Ein Highlight aus Sicht der Kameraden war der diesjährige, sehr gut besuchte "Tag der offenen Tür" bei der Ortsfeuerwehr Sehnde. Dieses Event soll jetzt regelmäßig stattfinden betont Ortsbrandmeister Sven Grabbe.
Weitere Veranstaltungen im Jahr 2016 waren die Absicherung des Hannover Marathons, die Teilnahme am Volkstrauertag, die Aufstellung des Weihnachtsbaums am Sehnder Rathaus sowie die Brandsicherheitswache in der Kreuzkirche zum weihnachtlichen Mitternachtsgottesdienst.
Ebenfalls wurden mehrere feuerwehrinterne Veranstaltungen wie das Sommerfest sowie das Uno- und Skatturnier durchgeführt die sich weiterhin großer Beliebtheit erfreuen.
Ebenfalls fand eine Mitgliederversammlung statt, bei der einige Führungspositionen in der Ortsfeuerwehr neu besetzt worden. Zum Gerätewart wurde Marco Pohl gewählt, die Kinderfeuerwehr wurde unter die Leitung von Lars Ascher gestellt und als neuer Sicherheitsbeauftragter wurde Christian Wittenberg bestimmt.
Änderungen gab es auch bei der Ausrüstung der Feuerwehr. So konnte die Ortsfeuerwehr Sehnde einen neuen Rettungssatz mit Schere, Spreizer und weiterem Zubehör übernehmen. Auch ein Haligantool sowie ein Kellersaugkorb wurden neu beschafft.
Doch es gab nicht nur viele positive Neuerungen 2016. So bemängelte Ortsbrandmeister Sven Grabbe, dass derzeit noch vier hitzebeständige Rettungswesten für Atemschutzgeräte beim Einsatz auf dem Wasser bei zum Beispiel einem Schiffsbrand fehlen. Diese sind jedoch zwingend vorgeschrieben, um den Einsatzkräften mit ihrer schweren Ausrüstung eine sichere Brandbekämpfung auf dem Wasser zu ermöglichen.
Dies sei auch wichtig im Hinblick auf den zunehmenden Güterverkehr mit mehr als 400.000 Tonnen beförderten Gefahrgut im Jahr 2016 auf dem Mittellandkanal. Darüber hinaus fehlten ebenfalls noch vier Helme für die Bootsbesatzungen und Sprechgarnituren für die Funkgeräte.
Ein weiterer und auf dieser Jahresversammlung erneut erwähnter Mangel ist die in die Jahre gekommene Drehleiter der Ortsfeuerwehr Sehnde.Hier müsse dringend eine Entscheidung getroffen werden, da diese altersbedingt (Baujahr 1992) und größenbedingt an die Grenze der Belastung gekommen sei.
So komme die Drehleiter an einige Häuser im Ortsgebiet nicht mehr heran. Dies habe sich bereits beim Turnhallenbrand in Sehnde gezeigt.
Hier müssten endlich „Nägel mit Köpfen gemacht werden“ so der Ortsbrandmeister. Für das neue Jahr wünschte er sich eine bessere Gesprächs- und Kommunikationsbereitschaft zwischen Stadtrat, Verwaltung und den Feuerwehren und führte die Beschaffung und den Verkauf des Dekontaminations-Fahrzeugs für die Ortsfeuerwehr Bilm an.
Nachdem durch den Rat beschlossen wurde, das für die Ortsfeuerwehr Bilm beschaffte Dekon-Fahrzeug wieder zu verkaufen, hatte die Führung der Ortsfeuerwehr Sehnde angemerkt, diesen mit dem Gerätewagen Logistik (GW-L) der Ortsfeuerwehr zu tauschen und den GW-L zu verkaufen.
Der GW-L passe auf Grund seiner Größe nur vorwärts in das Sehnder Feuerwehrhaus und besitze zudem nur Platz für drei Einsatzkräfte. Das Dekonfahrzeug ähnelt dem Aufbau des GW-L mit dem Vorteil einer Sechs-Mann-Besatzung und der Möglichkeit, es richtig herum in die Fahrzeughalle zu stellen, wie eine Stellprobe aufzeigte.
Ein weiterer Wunsch des Ortsbrandmeisters war erneut, dass die Stadt Sehnde als Einstellungskriterium für Rathaus und Bauhof eine Bereitschaft zur Mitgliedschaft in der Feuerwehr, wie zum Beispiel in Lehrte und Laatzen einführt, um die Tagesalarmbereitschaft zu erhöhen, da viele Feuerwehraktive mittlerweile außerhalb von Sehnde arbeiteten und damit während der Arbeitszeit nicht für Einsätze zur Verfügung stünden.
Zum Abschluss dankte er allen Kameraden für die im Jahr 2016 geleistete Arbeit und ihr unbezahltes und unbezahlbares ehrenamtliches Engagement, den Arbeitgeber für die Freistellung ihrer Angestellten bei Einsätzen und Lehrgängen, dem Förderverein sowie den fördernden Mitgliedern und dem Musikverein für die Unterstützung der Feuerwehr sowie Rat und Verwaltung. Ein besonderer Dank ging auch an die Familien der Kameraden, die oft in Kauf nehmen müssen, dass diese ihre Männer und Frauen bei der Feuerwehr sind.
Nach dem Ortsbrandmeister erstatteten auch die weiteren Funktionsträger ihre Jahresberichte. Der Jugendfeuerwehrwart Dennis Kraft konnte von einem erfolgreichen Jahr berichten. Die 22 Jugendliche, davon fünf Mädchen der Jugendfeuerwehr, hatten bei der Winter- sowie der Sommerolympiade der Stadtjugendfeuerwehr den ersten Platz geholt und damit das Recht erkämpft, diese beim neuen Durchgang auszurichten.
Zehn Jugendliche hatten die Jugendflamme der Stufe 2 bestanden, eine Jugendliche sogar die der Stufe 3. Ebenfalls wurde die Leistungsspange von drei Kameraden der Jugendfeuerwehr erworben.
Erneut wurde am Stadtzeltlager der Stadtjugendfeuerwehr im Schwedeneck teilgenommen und eine Gruppe konnte den 5. Platz beim Bundeswettbewerb erreichen.
Ein ähnliches Programm hatte auch die 19 Kinder zählende Kinderfeuerwehr unter der Leitung des Kinderfeuerwehrwartes Lars Ascher 2016 erlebt. Neben den zahlreichen Diensten und Veranstaltungen zusammen mit der Jugendfeuerwehr stand als besonderer Highlight der Besuch des Serengetiparks auf dem Dienstplan.
Im Laufe des Jahres konnten von den 19 Kindern acht an die Jugendfeuerwehr übergeben werden.
Der Atemschutzgerätewart Nils Haase konnte vermelden, dass der Ortsfeuerwehr Sehnde derzeit 14 Atemschutzgeräteträger zur Verfügung stehen.
Im Verlauf des Jahres wurden zehn Dienste durchgeführt, bei denen in verschiedenen Ausbildungen Themen wie zum Beispiel der Einsatz der Wärmebildkamera und Notfalltasche sowie das Öffnen von verrauchten Räumen ausgebildet wurden.
Zwei besondere Dienste waren den Kameraden besonders in Erinnerung geblieben. Zum einen die Besteigung des Sehnder Kalibergs unter Atemschutz und der, durch den Förderverein ermöglichte Besuch der Brandcontainer in Bad Gandersheim, der den Trägern wertvolle Erfahrungen unter realen Bedingungen verschaffte.
Im Anschluss stellte der Tauchwart der Feuerwehrtaucher, Meinhard Griepentrog-Bätge, das Jahr aus Sicht der Feuerwehrtaucher vor.
Derzeit verfügt die Fachgruppe Feuerwehrtaucher über sieben ausgebildete Taucher und eine Feuerwehrtaucherin in der Ausbildung. Diese kommen aus den Ortsfeuerwehren Sehnde, Höver und Müllingen.
Im Jahr 2016 wurden zahlreiche Tauchdienste in den Seen und Gewässern der Region Hannover sowie dem Hallenbad in Höver durchgeführt. Unter anderem wurde das bei der Jahreshauptversammlung im Vorjahr übergeben Tauchertelefon sowie das neue Spineboard intensiv getestet.
2016 wurde die Fachgruppe zu vier Einsätzen alarmiert und nahm an diversen Veranstaltungen wie dem "Tag der offenen Tür", dem Jugendfeuerwehrtag in Lühnde und dem Allerschwimmen in Celle teil.
Nach den Berichten ging es zu den Tagesordnungspunkten Übernahmen, Verleihung von Dienstgraden und Auszeichnungen über. Aus der Jugendfeuerwehr übernommen bzw. neu dazu gekommen wurden die Kameraden Dennis Ascher, Anja Falkenhagen, Niclas Wölbitsch, Nico Lobenstein und Rene Isler.
Alex Müller, Cedric Bätge, Jesko Wanecke, Dennis Ascher und Niclas Wölbitsch durften sich über die Beförderung zum Feuerwehrmann freuen.
Torsten Klein wurde der Dienstgrad Oberfeuerwehrmann verliehen und Klaus Bause, Steffen Bartelt sowie Jörn Alfeld wurden zum Hauptfeuerwehrmann ernannt.
Der neue Sicherheitsbeauftragte Christian Wittenberg wurde zum Löschmeister befördert.
Eine besondere Auszeichnung erhielt Ron Breitenherd durch den Abschnittsleiter des Brandabschnitts IV und stellvertretenden Regionsbrandmeister Detlef Hilgert.
Ihm wurde für sein langjähriges Engagement in der Feuerwehr insbesondere im Bereich der Jugendarbeit die Ehrennadel in Bronze des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen verliehen.
Im Anschluss an die Verleihung erfolgten die Grußworte verschiedener Würdenträger der Feuerwehr sowie zahlreicher geladener Gäste aus Rat, Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Auch der Stadtbrandmeister Jochen Köpfer richtete das Wort an die Kameraden und konnte verkünden, dass die Stadtfeuerwehr aus dem Feuerwehrhaus in die ehemalige Rettungswache des DRK ziehen wird und somit die Räume für die Ortsfeuerwehr frei werden - und damit der Jugendfeuerwehr endlich ein angemessen großer Raum zur Verfügung stehen wird.