„Time to say good bye“: Manfred Rathmann im Ruhestand

„Tschüss Herr Rathmann“ steht in bunten Blockbuchstaben auf den Schildern, die die Kinder hochhalten: Nach 38 Jahren im Schuldienst, davon 26 Jahre als Leiter der Grundschule Höver, ging Manfred Rathmann nun in den Ruhestand. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Hase, Hirsch, Eule und Wildschwein und die anderen Waldtiere werden nun, da Manfred Rathmann in Pension gegangen ist, wohl keine Ruhe mehr finden – die Kinder hatten Rathmanns Jagdleidenschaft spielerisch in Szene gesetzt. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - "Muntermacher" Rathmann prägte 26 Jahre lang die Grundschule Höver

SEHNDE-HÖVER (sv). Etliche Schülergenerationen aus Höver und Bilm kamen an ihm nicht vorbei – und haben das sicher auch nicht bereut: Über ein Vierteljahrhundert lang, nämlich 26 Jahre, gestaltete Manfred Rathmann die Geschicke der Grundschule Höver. Mit einer groß angelegten Feier, die der sich die Schüler kräftig ins Zeug gelegt hatten, wurde der beliebte Schulleiter jetzt in den Ruhestand entlassen.
„Eine Ära geht zu Ende!“ Treffender hätte es Oliver Brandt nicht formulieren können. Der Regierungsschuldirektor hatte tief in den Schulakten gewühlt und gab bei der Verabschiedung so einiges aus dem Leben Rathmanns zum Besten, was der eine oder die andere vielleicht noch nicht wussten.
Beispielsweise, dass er nicht über Gymnasium, Abitur und Studium direkt ins Pädagogenfach durchmarschiert war, sondern erst nach Mittlerer Reife, Wirtschaftsgymnasium und Wehrdienst auf Lehramt studierte.
„Die Fächer waren Werken und Biologie – also Hochsitze bauen, Jagd und Tiere“, scherzte Brandt im Hinblick auf Rathmanns Naturverbundenheit. „Ihr seht, liebe Kinder, man muss nicht unbedingt gleich aufs Gymnasium gehen. Lasst Euch nicht unter Druck setzten“, riet Brandt den Erst- bis Viertklässlern.
Seine Frau Inge hatte er bei der TÜV-Inspektion seines Autos kennen gelernt. „Ihm gab sie den Stempel für lebenslang“, scherzte Brandt. Kollegium und Vorgesetzte bescheinigten ihm große Einsatzfreude, viel Herzenswärme und Humor.
Dank seiner Initiative gibt es im Dreieck zwischen Höver, Bilm und Ahlten einen Schulwald und die Grundschüler aus Höver nahmen regelmäßig an den mit der Jägerschaft und mit dem Eilenriedeförster Gerd Garnatz organisierten Waldjugendspielen teil.
„Wir werden Sie und das Bellen ihrer Hunde sehr vermissen“, sagte Maike Schroer, designierte Schulleiterin im Namen des Kollegiums. Anstelle pädagogischer Fachgespräche habe er in der wöchentlichen Lehrerrunde lieber das Thema Fischteiche erörtert oder darum gewetteifert, wer den größten Auto-Anhänger hatte; anstelle von Lern-Entwicklungsbögen sei auch mal ein Lottoschein ausgefüllt worden, plauderte auch sie aus dem schulinternen Nähkästchen und verriet: „Dass morgens schon im Lehrerzimmer gelacht wurde, wollen wir auf alle Fälle beibehalten!“
Bei Rathmanns Jagdleidenschaft setzten auch die Kinder in ihrem Aufführungsprogramm mit einer Spielszene aus dem Wald an. „Früher, als er noch in der Schule arbeitete, hatten wir wenigstens vormittags unsere Ruhe“, sagte das Häschen.
Die Waldtiere beratschlagten, wie sie den Jäger austricksen könnten. Ein Bestandteil ihrer Strategie gegen die nun drohende Vollzeit-Hatz war die Übergabe zahlreicher vegetarischer Rezepte an den scheidenden Schulleiter.
„Das hat mich fast aus den Schuhen gehauen“, sagte der sichtlich angetan. Die Rührung kam vollends durch, als Maike Schroer am Klavier mit 44 Schulkindern in perfektem Englisch „Time To Say Good-Bye“ anstimmte – ein Lied, das er bei ihrer Prüfung erwähnt hatte.
„Mir fehlen ja selten die Worte, aber jetzt fehlen sie mir“, sagte Rathmann angesichts der zahlreichen Präsentationen. Auch er ließ noch einmal 38 Jahre Schuldienst Revue passieren. „Noch habe ich hier das Sagen, und Ihr müsst mir zuhören“, scherzte er. Neben dem maroden Schwimmbad in Höver als Dauerbrenner erinnerte er unter anderem an die Bosnien-Hilfsaktion 1993, die Anlage des Schulwalds 1996 und die Pflanzung von zwei Walnussbäumen auf dem Schulhof und versprach: „Wenn die Nüsse reif sind, komme ich vorbei!“