Straßenbahn-Museum Wehmingen feierte drei Tage Oktoberfest

Oktoberfeststimmung bei Traumwetter lockte die Gäste in den Kaffeegarten. (Foto: Dana Noll)
Sehnde: Hannoversches Straßenbahn-Museum Wehmingen |

Ein Beitrag von Dana Noll - Historische Triebwagen in Sehnde waren blau-weiß geschmückt

SEHNDE (dno). Mit der „Wien“ durch Sehnde nach München fahren. Wer jetzt nur Bahnhof versteht, dem sei erklärt: Die „Wien“ ist ein historischer Triebwagen, mit dem man seine Runden über das Gelände des Hannoverschen Straßenbahn- Museums (HSM) in Sehnde- Wehmingen drehen kann. Und an dem vergangenen Feiertagswochenende sogar gefühlt bis nach „München“, da auf dem Gelände Oktoberfest gefeiert wurde.
Drei Tage lang war am ersten Oktoberwochenende das Museum in blau- weiß geschmückt und Treffpunkt für Freunde historischer Straßenbahnen mit oder ohne Lederhose. Wer jedoch in bajuwarischer Tracht erschien, wurde mit freiem Eintritt belohnt.
Am Samstag waren alle Wehminger herzlich eingeladen und konnten kostenfrei das Hannoversche Straßenbahn-Museum besuchen. An diesem Tag stand Bodo Krüger, Pressesprecher, den Besuchern Rede und Antwort, zu den Zukunftsplänen des HSM, die eine Fahrtstreckenerweiterung bis zum Kanal vorsehen.
Bei strahlendem Sonnenschein schmeckten Weißwurst, Brezeln und Fleischkäse nochmal so gut. Sogar bayerisches Bier konnten sich die Museumsgäste munden lassen. Ein kostenfreies Kettenkarussell war der große Hit bei den Kindern. Wer genug „geflogen“ war, konnte auf die Hüpfburg wechseln. Im kleinen Kaffeegarten nahm man gemütlich unten schattigen Kastanien Platz, genoss Kuchen oder Eis, und tauchte in die Atmosphäre vergangener Zeiten ein.
Ein besonderes Vergnügen war die 2,4 Kilometer lange Rundfahrt mit einem historischen Triebwagen, die im Eintrittspreis enthalten war. Wer nicht genug bekam, konnte gegen ein kleines Entgelt noch einmal den Parcours – Rundkurs oder Außenstrecke - fahren.
Die oben genannte „Wien“, ein Triebwagen von 1921, war dabei im Dauereinsatz. Seit 2005 ist sie im Museum und bietet 24 Sitz- und 17 Stehplätze. Man fühlte sich schon in eine andere Zeit versetzt, wenn man seine Runden in so einem historischen Wagen dreht. Spätestens als der Schaffner kam, um die Fahrscheine abzustempeln, war das Gefühl von Vergangenheit ganz nah.
Im HSM stehen 134 Schienenfahrzeuge, wovon 70 teil- oder komplett- restauriert sind. Der älteste Wagen im Museum ist ein Ungar. Die „Budapest“ ging am 2. Mai 1896 in Betrieb und ist damit der zweitälteste U- Bahn- Wagen der Welt! Die Untergrundbahn in der ungarischen Hauptstadt war die erste auf dem europäischen Festland. Sie entstand, weil die Stadt auf der Prachtstraße Andrássy út. keine oberirdischen Straßenbahnen genehmigte.
Doch für das Jahr 1896 war die 1000- Jahr Feier zur Gründung Ungarns geplant, wofür zahlreiche Besucher zur Ausstellung transportiert werden mussten. Die Firma Siemens & Halske hatte dann den Vorschlag zu einer Untergrundbahn, die das Transportproblem löste.