Stadt Sehnde erinnert zum dritten Mal mit Gedenktag an die Pogromnacht

Die Zahl der Stühle im Ratssaal reichte diesmal nicht, um dem Andrang der Besucher gerecht zu werden. Sie lauschten zu Beginn einer Lesung von Anne Heineke (am Pult). (Foto: Horst-Dieter Brandt)
Sehnde: Ratssaal Rathaus Sehnde |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Hans-Hermann Seiffert stellt sein Buch über Gerda Wassermann vor

SEHNDE (hdb). Zum dritten Mal hat die Stadt mit einer Gedenkstunde im Ratssaal an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. „Gegen das Vergessen“ lautete dabei die Botschaft von Regina Runge-Beneke, die für die aktive Projektgruppe „Stolpersteine“ vorläufige Bilanz zog. Außerdem stellte Hans-Hermann Seifert das jüngst erschienene Buch „Ein Sehnder Jüdin kehrt zurück“ vor.
Schon am Vormittag hatte Jürgen Wattenberg vor Schülern der KGS – laut Runge-Beneke der Keimzelle der Projektgruppe - aus Seifferts Buch vorgelesen. Er sagte am Rande der Gedenkveranstaltung: „Ich war angenehm überrascht, wie aufmerksam die Jugendlichen waren, das hatte ich so nicht erwartet.“
Das Werk des in Konstanz lebenden Autors umfasst 130 Seiten und ist nach Wattenbergs Angaben nicht im Buchhandel zu erwerben, weil sich niemand für den Vertrieb interessiert habe. Er verkaufte etliche Exemplare direkt vor und nach der Veranstaltung. Wer Interesse hat, kann sich an die Kommunalverwaltung oder den Arbeitskreis wenden.
In der Nacht vom 9. zum 10 November hatten die damals herrschenden Nazis jüdische Synagogen angezündet, Geschäfte und Wohnungen von jüdischen Mitbürgern geplündert. Die weiteren Folgen mit Deportation, Konzentrationslager und Hinrichtungen ereilte später auch die Sehnder Familie Rose mit deren Tochter Gerda Wassermann. Deren Schicksal schildert mit Kapiteln wie „Transport 1941 nach Riga“, “Die Hölle von Stutthof“, „Amerika – Neues Leben in neuer Heimat“ und „Rückkehr auf Zeit“ der Schriftsteller akribisch.
„Das alles hat nicht irgendwo, sondern hier in Sehnde stattgefunden“, mahnte Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke in seinen Grußworten, während Anne Heineke in ihrer Lesung auf Einzelheiten auf die Familie Rose einging und Runge-Beneke sagte: „Wir haben allen Grund das geläufige Sprichwort ‚Wehret den Anfängen‘ ernst zu nehmen.“ Auf ihre Projektgruppe wartet noch viel Arbeit: unter anderem weitere Stolpersteine, auch in Ilten, und die Ergänzung von Namen auf der Gedenktafel.
Die stark besuchte Gedenkstunde umrahmte musikalisch das Duo „dilula“ und die Jazz-AG der Kooperativen Gesamtschule. Das Buffet und die Getränke ganz zum Schluss hatte ein Team um Almuth Gellermann vorbereitet.