SPD-Landtagsabgeordnete hospitierten im Unterricht der Kooperativen Gesamtschule Sehnde

Der Achtklässler Amir Mohammed Atai (v.l.), KGS-Schulleiter Carsten Milde und die Neuntklässlerin Mona Kamarehfar im Gespräch mit den SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Silke Lesemann, Hans-Michael Höntsch und Uwe Santjer. (Foto: SPD LTFS)
Sehnde: Kooperative Gesamtschule Sehnde |

Arbeitskreis "Kultus" fragte nach Erfahrungebn mit Inklusion und Sprachlernklassen für Migranten

SEHNDE (r/kl). Als etwas ganz Besonderes bezeichneten die SPD-Landtagsabgeordneten des Arbeitskreises Kultus ihren kürzlichen Besuch in der Kooperativen Gesamtschule Sehnde (KGS), die mit 1.700 Schülern eine der größten in Niedersachsen ist.
„Die Schule hat sich für uns sehr viel Zeit genommen. Wir haben sehr viele Eindrücke über die Umsetzung der Inklusion und die Situation in den Sprachlernklassen bekommen können“, sagte die Sehnder Landtagsabgeordnete Dr. Silke Lesemann, die von ihren Kollegen Uwe Santjer und Michael Höntsch begleitet wurde.
Die Abgeordneten nahmen jeweils eine Schulstunde am Unterricht in einer der momentan zwei Sprachlernklassen teil sowie am inklusiven Unterricht des fünften und achten Jahrgangs. In einem gemeinsamen Gespräch mit den beiden Flüchtlingskindern Mona Kamarehfar (Iran) und Amir Mohammed Atai (Afghanistan), erhielten die Politiker Einblick in den Alltag von Schülern der Sprachlernklassen.
„Das ist sehr wichtig für unsere Arbeit im Landtag, denn nur so erfahren wir, was funktioniert und wo wir nachbessern müssen“, sagte Lesemann. Ein Problem sei, dass sich die Lehrer neben ihrer eigentlichen Arbeit um Verwaltungsaufgaben kümmern müssen. „Wir haben ein Zeitproblem“, sagte KGS-Schulleiter Carsten Milde. Gerade bei der Inklusion und Integration von Flüchtlingen käme ein großer Teil der zu bewältigenden Aufgaben auf die normale Arbeitszeit der Lehrer und der Schulleitung oben drauf.
„Wir müssen uns über den Beruf des Lehrers verstärkt unterhalten“, sagte Lesemann. Ziel müsse es sein, den Verwaltungsaufwand für Lehrkräfte zu verringern. Milde hält es daher für den richtigen Weg, dass die Landesregierung in einer Untersuchung zunächst erst einmal die tatsächliche Arbeitszeit der Lehrer erfassen möchte.
Im Bereich der Flüchtlingsarbeit habe Niedersachsen zuletzt viel geleistet, betonte Lesemann. Die rot-grüne Landesregierung habe beispielweise die Zahl der Sprachlernklassen in den Schulen auf mehr als 550 enorm erhöht. „Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und zur Integration“, sagte Lesemann.
Doch derzeit kommen täglich hunderte Asylsuchende nach Niedersachsen, was die Schulen vor Ort vor große Herausforderungen stellt. Derzeit stehen der KGS Sehnde 90 Stunden pro Woche für drei Sprachlernklassen zur Verfügung.
Wegen eines Brandes in der Schule im vergangenen Jahr gibt es aufgrund des Platzmangels aber bisher nur zwei Gruppen mit sich ständig verändernder Schülerzahl, in denen aber nicht ausschließlich nur Flüchtlinge, sondern auch Zugezogene aus EU-Staaten die deutsche Sprache erlernen.
Im Bereich der Inklusion, in dem Kinder mit Förderbedarf am normalen Regelunterricht teilnehmen, kommt ein weiteres Problem hinzu. „Für viele Lehrer war das gar nicht Teil ihrer Ausbildung. Inzwischen gehört aber auch der Umgang von Schülern mit Förderbedarf zum Studium“, sagte Lesemann.
Milde fügte hinzu, dass das Land auch vermehrt entsprechende Fortbildungen für Lehrer anbiete. „Wir stehen bei der Inklusion aber noch am Anfang unseres Weges“, sagte Lesemann. Derzeit seien die sechs Förderlehrer an der KGS nicht Teil des Kollegiums, sondern reisen aus den benachbarten Förderschulen an. „Die Förderlehrer müssen mehr Zeit an den Schulen, weniger auf der Straße verbringen“, so Lesemann.